Afrika Archive - Seite 7 von 14 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Dschihadismus und Nationalismus sind die Hauptmotive für die zunehmende Verfolgung von Christen in zahlreichen Ländern weltweit. Das ist das zentrale Ergebnis der Dokumentation „Verfolgt und Vergessen? Ein Bericht über Christen, die ihres Glaubens wegen unterdrückt und verfolgt werden“, den das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT veröffentlicht hat.

Der Bericht, den das britische Nationalbüro des Hilfswerks erstellt hat und der nun in deutscher Sprache vorliegt, dokumentiert für den Zeitraum 2020 bis 2022 die Entwicklungen im Hinblick auf die religiöse Verfolgung in Afrika, im Nahen Osten und Asien und geht anschließend auf Vorkommnisse in 22 Ländern ein, darunter China, Pakistan, Katar, Türkei oder Vietnam.

Cover des Berichtes “Verfolgt und vergessen?”.

Zeugnisse aus erster Hand

Der Bericht “Verfolgt und Vergessen?” liefert Zeugnisse aus erster Hand, vor allem von den Projektpartnern von KIRCHE IN NOT sowie öffentlich zugänglichen Quellen. Diese Beispiele belegten, dass Christenverfolgung Tag für Tag stattfinde, in einigen Weltregionen in steigendem Maße. Der Bericht möchte aufrütteln und zur Solidarität anspornen.

Der neue Bericht stellt fest, dass in 75 Prozent der untersuchten Länder die Unterdrückung und Verfolgung von Christen im Berichtszeitraum zugenommen hat. So breitet sich in Afrika der Dschihadismus vor allem in den Staaten der Sahel-Region immer weiter aus. Berichten zufolge starben allein in Nigeria zwischen Januar 2021 und Juni 2022 bis zu 7600 Christen durch terroristische Anschläge. Im Mai 2022 wurde ein Video veröffentlicht, das die Hinrichtung von 20 nigerianischen Christen durch die Terrorgruppe Boko Haram zeigt.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.

Hohe Dunkelziffer christenfeindlicher Übergriffe

In Asien führen autoritäre Regime zu einer Verschärfung der Unterdrückung. Nordkorea steht hier seit Langem an der Spitze der Verfolgung, aber auch in China sind Christen immer größerer staatlicher Überwachung unterworfen. Besondere Sorge in dieser Weltregion macht der erstarkende ethno-religiöse Nationalismus. Beispiele sind Indien oder Sri Lanka, in denen hinduistische bzw. buddhistische Nationalistengruppen großen Einfluss haben. So wurden in Indien zwischen Januar 2021 und Juni 2022 mindestens 710 Vorfälle antichristlicher Gewalt gezählt; die Dunkelziffer dürfte weit größer sein.

Im Nahen Osten ist dem Bericht zufolge die Auswanderungswelle der christlichen Bevölkerung infolge der wirtschaftlichen Not und der Auswirkungen des Syrienkriegs nach wie vor nicht gestoppt. In Syrien ist die Zahl der Christen von zehn Prozent der Bevölkerung kurz vor Kriegsbeginn auf heute weniger als zwei Prozent gesunken. Im Irak hat sich die Zahl der Christen seit 2014 halbiert, wenngleich kleine Fortschritte in der Anerkennung der Rechte der christlichen Minderheit gemacht werden konnten.

„Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert auch die zahlreichen Entführungen von Mädchen und jungen Frauen in Ländern wie Pakistan oder Ägypten, die vorrangig auf das Konto radikaler Islamisten gehen. Der Bericht zeigt in zahlreichen Bildern und Beispielen auch den Einsatz von „Kirche in Not“ für bedrängte Christen weltweit.

„,Verfolgt und vergessen?’ ist wie ein Kompendium und Motor unseres Einsatzes für die Kirche, die auch im 21. Jahrhundert in Not ist“, sagt Herbert Rechberger, Nationaldirektor von “Kirche in Not” – Österreich. „Unsere Glaubensgeschwister brauchen uns; das zeigt der Bericht einmal mehr denn je.“

Der Bericht „Verfolgt und vergessen?“ kann in unserem Shop bestellt werden unter: https://www.kircheinnot.at/shop/verfolgt-und-vergessen-ein-bericht-ueber-christen-die-ihres-glaubens-wegen-unterdrueckt-werden/

Am 8. März, dem Weltfrauentag, hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz die beiden nigerianischen Christinnen Maryamu Joseph (19) und Janada Marcus (22) begrüßt. Beide hatten durch die Terroreinheit Boko Haram schwere Misshandlungen erfahren. Sie waren auf Einladung des italienischen Büros von KIRCHE IN NOT nach Rom gekommen. Fotos zeigen, wie Papst Franziskus mit den beiden Frauen spricht und sie segnet.

Darüber hinaus wurden die Christinnen von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und von Außenminister Antonio Tajani empfangen.

Eine der beiden Frauen, Janada Marcus, hat mit KIRCHE IN NOT über ihr Leid gesprochen.

Die nigerianische Christin Janada Marcus.

KIRCHE IN NOT: Janada, Sie und Ihre Familien waren bereits zweimal vor Boko Haram geflohen, als sie sich in Maiduguri in Nordnigeria niederließen. Was geschah dann?

Maryamu Joseph: Mein Vater hatte ein Stück Land in der Nähe von Maiduguri gekauft und wir waren froh, dass der Albtraum der Flucht vorbei war. Aber dann kam der 20. Oktober 2018 – der Tag, an dem die Sonne aus unserem Leben verschwand.

Was passierte?

Wir waren gerade bei der Arbeit auf unserem Bauernhof und sangen Lieder. Plötzlich waren wir von Männern von Boko Haram umzingelt. Sie richteten eine Machete auf meinen Vater. Sie sagten ihm, sie würden uns freilassen, wenn er mit mir Sex hätte. Während die Machete auf die Stirn meines Vaters zielte, sah er mich und meine Mutter an. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Ich schämte mich für das, was die Männer vorgeschlagen hatten.

Wie reagierte Ihr Vater?

Er senkte den Kopf und antwortete: „Ich kann nicht mit meiner eigenen Tochter schlafen. Lieber sterbe ich, als so eine Gräueltat zu begehen.“ Da nahm einer der Männer die Machete und enthauptete meinen Vater. Ich flehte Gott an, auch mein Leben zu nehmen. Ich war schon eine lebendige Tote.

Papst Franziskus segnet Janada Marcus bei der Generalaudienz am 8. März auf dem Petersplatz. © Vatican Media

Sie haben diesen Angriff überlebt. Aber das war noch nicht das Ende des Schreckens …

Zwei Jahre später, im November 2020, war ich auf dem Weg zu einer Behörde, als ich erneut von Boko-Haram-Kämpfern überfallen wurde. Sie verschleppten mich und folterten mich, sechs Tage lang. Es kam mir wie sechs Jahre vor. Ich kann nicht beschreiben, was ich erlebt habe. Dann ließen sie mich frei. Ich ging zurück zu meiner Mutter. Sie brachte mich dann ins Traumazentrum der katholischen Diözese Maiduguri.

Wie war es im Traumzentrum?

Ich wurde erstmal zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Es folgte ein halbes Jahr mit intensiven Therapiegesprächen und geistlicher Betreuung. Ich habe gelernt, meine Vergangenheit zu verarbeiten – die Kunst, heil zu werden, indem ich meinen Schmerz loslasse. Mein Glaube ist stärker geworden. Inzwischen bin ich wieder auf den Beinen und habe mich jetzt in einer weiterführenden Schule eingeschrieben.

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni begrüßt Janada Marcus. © Kirche in Not

Sie sagen, Ihr Glaube sei stärker geworden. Was meinen Sie damit?

Meine schrecklichen Erfahrungen haben mich erst von Gott weggeführt. Ich fragte: Wo war Gott, als mein Vater getötet wurde? Wo war er, als ich Folter und Qualen durchleben musste? Nach meinem Heilungsprozess weiß ich, dass Gott auch im Leid da ist. Boko Haram hat mir so Schlimmes angetan. Ich kann selbst nicht glauben, dass ich das sage: Aber ich haben meinen Peinigern vergeben und bete für die Erlösung ihrer Seelen.

Das Traumazentrum der Diözese Maiduguri wurde mit Hilfe von KIRCHE IN NOT gebaut. Dort können bis zu 40 traumatisierte Frauen und Mädchen psychologisch und seelsorgerisch betreut werden.

Auf das Schicksal entführter und missbrauchter Frauen und Mädchen in Nigeria, Pakistan, Ägypten, Irak und andernorts macht eine Fallstudie von KIRCHE IN NOT mit dem Titel „Hört Ihre Schreie“ aufmerksam. Sie kann hier bei uns bestellt werden.

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Weihbischof aus Maiduguri sieht Nigeria im Umfeld der Präsidentschaftswahlen „noch nie so geteilt wie jetzt – entlang religiöser, ethnischer und regionaler Grenzen. Das ist ein Versagen der Politik, die es versäumt hat, Menschen zusammenzubringen.“

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT betonte der Weihbischof, dass die internationale Gemeinschaft in der aktuellen Katastrophenlage helfen könne, „dass Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit eingehalten werden. Die Weltgemeinschaft kann Druck auf unsere Regierung ausüben, damit sie all das wahrnimmt.“ Nigeria sei „in gewisser Weise ein Entwicklungsland, dem beim Regieren geholfen werden muss“.

Bakeni ist seit Sommer 2022 Weihbischof im Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias. Die Region im Bundesstaat Borno gilt als Ursprungsregion der Terrorgruppe „Boko Haram“. Mittlerweile sei es dort etwas sicherer geworden, aber es handle sich nach wie vor um einen „Guerillakrieg. Besonders in den Dörfern ist die Lage noch angespannt, weil die Boko-Haram-Einheiten in den Busch und die Wälder zurückgedrängt werden konnten.“

Weihbischof John Bogna Bakeni (Bistum Maiduguri/Nigeria).

„Christen unterdrückt, verfolgt, diskriminiert und ausgeschlossen“

Muslime und Christen, die in der Region einen Anteil von etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, lebten „Seite an Seite zusammen. Wir gehen auf denselben Markt, ins selbe Krankenhaus. Es gibt einen Dialog des Lebens.“

Es sei jedoch ebenso falsch, in den Medien und der Öffentlichkeit vereinfachend von „Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen“ in Nigeria zu sprechen. Die Konflikte hätten zwar eine religiöse Dimension, aber es spielten auch politische, ethnische und weitere Faktoren eine Rolle.

Dennoch werde besonders in Nordnigeria von Regierungsseite versucht, „Christen zu unterdrücken, zu verfolgen, zu diskriminieren und vom politischen und gesellschaftlichen Leben auszuschließen“, erklärte der Weihbischof.

Katholiken im Bistum Maiduguri (Nigeria) beten den Kreuzweg.

„Es gibt eine Islamisierungsagenda”

Das gelte auch im Konflikt zwischen Bauern und Hirten in weiten Teilen Nigerias. Durch die klimatischen Veränderungen fänden die Hirten immer weniger Weideland: „Also mussten sie ins Hinterland ziehen, und das schafft zwangsläufig Konflikte“, sagte Weihbischof Bakeni.

Neben dem Landkonflikt gebe es jedoch auch hierbei „eine Islamisierungsagenda. Dessen muss sich die internationale Gemeinschaft bewusst sein. Manchmal wollen es die Verantwortlichen nicht hören. Aber für uns, die wir in dieser Realität leben, ist das alles sehr klar.“

Als besonders problematisch bezeichnete Bakeni das traditionelle islamische Bildungssystem „Almajiri“. Dabei handelt es sich um „wandernde“ Koranschulen, für die „kleine Kinder schon im sehr zarten Alter ihre Elternhäuser verlassen. Sie werden rein auf islamistischer Grundlage ausgebildet.“

Die durch einen Anschlag zerstörte St.-Rita-Kirche im Erzbistum Kaduna (Nigeria).

Bildung ist wichtig, um Radikalisierung entgegenzuwirken

Diese jungen Menschen würden zu einer leichten Beute von „Boko Haram“ und anderen radikalen Strömungen. „Sie werden sogar von Politikern während der Wahlkampf-Kampagnen benutzt“, berichtete Bakeni. Den staatlichen und kirchlichen Schulen komme deshalb eine wichtige Bedeutung zu, um der Radikalisierung entgegenzuwirken.

In dieser schwierigen Situation seien für die katholischen Christen Nordnigerias Gebet, Anbetung und Gemeindeleben essenziell, betonte der Weihbischof. „Wir brauchen den spirituellen Rückhalt. Wir haben bisher so viel erlitten. Aber all das hat uns angespornt, unser Leben aus dem Glauben zu stärken. Ich danke allen Wohltätern von KIRCHE IN NOT, die uns dabei unterstützen.“

Bola Tinubu neuer Präsident Nigerias

Nach den Präsidentschaftswahlen in Nigeria hat die Wahlkommission Bola Tinubu von der Regierungspartei All Progressives Congress (APC) zum Sieger erklärt. Fast 90 Millionen Wahlberechtigte waren am 25. Februar aufgerufen, den Nachfolger von Präsident Muhammadu Buhari zu wählen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte.

Der Urnengang war Medienberichten zufolge größtenteils friedlich verlaufen. Viele Wahllokale hatten jedoch mit organisatorischen Problemen zu kämpfen, was die Bekanntgabe der Wahlergebnisse verzögerte. Beobachter erwarten im Nachgang weitere Auseinandersetzungen.

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Mit drastischen Worten hat ein Missionar aus der Demokratischen Republik Kongo angeprangert, dass die internationale Gemeinschaft zu wenig gegen die Gewalt im Osten des afrikanischen Landes unternehme.

„Was uns als Missionare oft empört, ist das Schweigen der internationalen Gemeinschaft, während Menschen abgeschlachtet werden“, sagte der aus Portugal stammende Comboni-Missionar Pater Marcelo Oliveira in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Wie er weiter erklärte, komme es in der Region Nord-Kivu an der Grenze zu Uganda häufig zu Anschlägen. Dabei griffen Rebellen Dörfer an und versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken. „Die Menschen müssen ständig aus ihren Dörfern fliehen, sich im Wald verstecken und darauf warten, dass [die Rebellen] die Dörfer verlassen“, berichtete der Missionar, der seit mehreren Jahren in der Demokratischen Republik Kongo lebt.

Pater Marcelo Oliveira, ein aus Portugal stammender Comboni-Missionar in der Demokratischen Republik Kongo.

Rebellen verbreiten Angst und Schrecken

„Die Methode besteht darin, die Menschen in die Flucht zu schlagen, um sich an ihr Land zu kommen, das sehr reich an Bodenschätzen ist. … Heute ist dieses Dorf dran, das nächste Mal ein anderes, und das alles geschieht in aller Stille.“

Die Gewalt richtet sich dabei auch gezielt gegen Christen. Am 15. Jänner wurde auf eine protestantische Kirche in Kasindi in der Provinz Nord-Kivu ein Terroranschlag verübt. Anhänger der Rebellengruppe „Alliierte Demokratische Kräfte“ (ADF) hatten eine Bombe in einer vollbesetzten Kirche deponiert und gezündet. Mindestens 15 Menschen kamen dabei ums Leben.

Niedergebrannte Gebäudeteile eines Krankenhauses in Maboya (Demokratische Republik Kongo).

Gezielte Gewalt gegen Christen

Seit Jahren wird das rohstoffreiche Grenzgebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Nachbarland Uganda von Rebellen der Miliz ADF überrannt. Die ADF wird von Jamil Mukulu angeführt, einem zum Islam konvertierten ehemaligen Christen. Dem kongolesischen Militär und der UN-Friedensmission MONUSCO gelingt es nicht, die Region zu befrieden.

Die Provinz Nord-Kivu gilt als Epizentrum der Gewalt. Menschenrechtsorganisationen zufolge ereignet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo die am längsten dauernde humanitäre Krise Afrikas. In der Region lagern Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan in der Erde. Dabei handelt es sich um wichtige Rohstoffe, zum Beispiel für die IT- oder Fahrzeugindustrie.

Ab dem 31. Jänner bereist Papst Franziskus die Demokratische Republik Kongo und Südsudan. Allerdings sind keine Termine in der Region Nord-Kivu im Besuchsprogramm vorgesehen.

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Im Jahr 2022 sind weltweit mindestens 17 Priester und Ordensleute der katholischen Kirche eines gewaltsamen Todes gestorben. Insgesamt wurden mehr als 100 Priester und Ordensschwestern entführt, verhaftet oder getötet. Das geht aus einer Aufstellung des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) zum Jahresende hervor.

Demnach wurden in Nigeria 2022 vier Priester umgebracht. Darüber hinaus wurden in Mexiko drei Priester von Mitgliedern der Drogenkartelle ermordet. Im Osten der Demokratischen Republik Kongo wurden zwei Geistliche erschossen.

Im Jahr 2022 wurden nach den „Kirche in Not“ vorliegenden Informationen auch fünf Ordensschwestern in Ausübung ihrer Mission ermordet: Schwester Luisa Dell’Orto im Juni in Haiti, die Schwestern Mary Daniel Abut und Regina Roba im August im Südsudan, Schwester Mari de Coppi im September in Mosambik sowie Schwester Marie-Sylvie Vakatsuraki im Oktober in der Demokratischen Republik Kongo.

Ruinen des von Terroristen zerstörten Krankenhauses von Maboya (DR Kongo), in dem Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki ums Leben kam.

Mehr als 40 Priester entführt

2022 wurden nach Kenntnis von „Kirche in Not“ insgesamt 42 Priester in verschiedenen Ländern entführt, von denen 36 wieder freigelassen wurden. Drei in Nigeria entführte Priester wurden ermordet, und drei weitere Geistliche werden noch immer vermisst: zwei in Nigeria und der deutsche Missionar Pater Hans-Joachim Lohre, ein Projektpartner von „Kirche in Not“, der im November in Mali verschleppt wurde.

Nigeria führt die Liste mit insgesamt 28 Entführungen im Jahr 2022 an. Kamerun folgt mit sechs Entführungen; dort waren im September fünf Priester auf einmal verschleppt und fünf Wochen später wieder freigelassen worden. In Äthiopien, Mali und auf den Philippinen wurde jeweils ein Priester entführt.

Haiti hat sich zu einem der gefährlichsten Orte in Mittelamerika entwickelt: Fünf Priester wurden dort im Laufe des Jahres kriminellen Banden entführt, wobei alle inzwischen wieder freigelassen wurden.

Ebenfalls in Nigeria wurden im zu Ende gehenden Jahr die meisten Ordensfrauen verschleppt: „Kirche in Not“ hat von sieben Entführungen Kenntnis erhalten. In Burkina Faso wurde eine Schwester, in Kamerun – zusammen mit den fünf oben erwähnten Priestern – noch eine weitere Ordensfrau entführt. Glücklicherweise wurden alle diese Ordensschwestern später wieder freigelassen.

Der deutsche Afrikamissionar Hans-Joachim Lohre, der seit vielen Jahren in Mali lebt und arbeitet, wurde Ende November 2022 mutmaßlich verschleppt. Seitdem gibt es kein Lebenszeichen von ihm.

In Ausübung des Seelsorge-Dienstes festgenommen

Außerdem sind im Jahr 2022 nach Informationen von „Kirche in Not“ mindestens 32 Geistliche in Ausübung ihres Dienstes festgenommen und inhaftiert worden. Die jüngsten Fälle betreffen vier Priester der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, die im von Russland besetzten Teil der Ukraine tätig sind. Zwei von ihnen wurden inzwischen freigelassen und in das ukrainische Hoheitsgebiet „abgeschoben“, zwei weitere befinden sich weiterhin in Haft und sollen möglicherweise wegen „Terrorismus“ angeklagt werden. Es steht zu befürchten, dass sie in der Haft gefoltert werden, wie lokale Ansprechpartner berichten.

Große Sorgen macht sich „Kirche in Not“ um die Lage in Nicaragua, wo die Regierung massiv gegen die katholische Kirche vorgeht. Dort wurden im zu Ende gehenden Jahr elf Mitglieder des Klerus verhaftet. Es handelt sich um zwei Seminaristen, einen Diakon, einen Bischof und sieben Priester. Bischof Rolando Alvarez aus Matagalpa, der derzeit unter Hausarrest steht, soll am 10. Januar 2023 wegen „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ vor Gericht gestellt werden. „Kirche in Not“ hat auch Berichte erhalten über Priester in Nicaragua, denen es nicht erlaubt ist, ihre Gemeinden zu verlassen, und über mindestens zehn Geistliche, die von der Regierung an der Rückkehr in das Land gehindert werden.

Ein weiterer aktueller Fall betrifft die Inhaftierung eines Bischofs und zweier Priester in Eritrea. Zwei Monate sind seit ihrem Verschwinden vergangen, ohne dass die Behörden etwas dazu erklärt hätten.

Der unter Hausarrest stehende Rolando José Alvarez Lagos, Bischof von Matagalpa in Nicaragua. © Jacques Berset / Kirche in Not

Unklare Lage in China

Wie viele katholische Priester und Bischöfe im Jahr 2022 in China festgenommen wurden, lässt sich kaum abschätzen. Nach den von „Kirche in Not“ zusammengetragenen Informationen werden Geistliche aus der Untergrundkirche immer wieder für einige Zeit von den Behörden verschleppt, um sie zu drängen, sich der staatlich anerkannten Kirche anzuschließen. Ein Beispiel ist das Verschwinden von mindestens zehn Priestern, die alle der Untergrundgemeinde von Baoding etwa 160 Kilometer südwestlich von Peking angehören, im Zeitraum von Januar bis Mai 2022.

Darüber hinaus wurde ein Priester in Myanmar während der Proteste gegen das Regime verhaftet. Mehrere Ordensschwestern und zwei Diakone wurden in Äthiopien während des Tigray-Konflikts Ende 2021 verhaftet und 2022 wieder freigelassen.

„Kirche in Not“ ruft die beteiligten Länder auf, alles zu tun, um die Sicherheit und Freiheit von Priestern, Ordensschwestern und anderen pastoralen Mitarbeitern zu gewährleisten, die sich in den Dienst der Bedürftigsten stellen. Das internationale Hilfswerk bittet auch alle Freunde und Wohltäter, für diejenigen zu beten, die noch in Gefangenschaft sind, sowie für die Gemeinden und Familien derjenigen, die ihr Leben verloren haben.

Um notleidenden und verfolgten Christen weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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KIRCHE IN NOT zeigt sich alarmiert angesichts der steigenden dschihadistischen Gewalt im westafrikanischen Benin. Projektpartner des Hilfswerks berichten von zunehmenden Angriffen im Norden des Landes, nahe der Grenzen zu Burkina Faso, Togo und Niger.

Besonders betroffen ist das Gebiet der katholischen Diözese Natitingou. Die Angriffe hätten bereits Ende 2021 eingesetzt, seien jedoch im Lauf des vergangenen Jahres intensiver geworden, berichten die Projektpartner.

Auch die pastorale Arbeit in der 1964 errichteten Diözese ist betroffen: So mussten etwa im vergangenen Jahr die Benediktinerinnen ihr Kloster „Notre Dame de l‘Écoute“ in Natintigou aus Sicherheitsgründen verlassen. Die sieben Ordensfrauen halten sich aktuell im Landesinneren Benins auf.

Die Ordensschwestern mit Erzbischof Pascal N’Koué.

„Wir sind Ausländer, weiß und weiblich“

Ihr Kloster bestand seit 17 Jahren, die meisten Schwestern stammen aus Frankreich. KIRCHE IN NOT unterstützt die Arbeit der jungen Gemeinschaft. „Wir waren uns bewusst, eine bevorzugte Zielscheibe für Angriffe zu sein: Wir sind Ausländer, weiß und weiblich“, berichtete die Oberin Schwester Anna gegenüber dem Hilfswerk. Warnungen vor Entführungen habe es seit Langem gegeben, aber erst Ende 2022 habe sich der Orden zur Flucht entschlossen.

KIRCHE IN NOT sieht mit großer Sorge, dass sich der dschihadistische Terror im Westen Afrikas immer wieder ausbreitet. Waren in der Region bislang vor allem Mali, Burkina Faso, Tschad, Niger, Kamerun und Nigeria betroffen, so geraten zunehmend auch die Nachbarländer ins Visier der Extremisten.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.

„Transnationales Kalifat“ als Ziel?

Unser Hilfswerk hat bereits in seinem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ darauf hingewiesen, dass die Angriffe darauf ausgerichtet seien, ein transnationales Kalifat von der Sahelzone über den Nahen Osten bis hin zum Süden der Philippinen zu errichten.

Betroffen sind in den jeweiligen Staaten alle Bewohner, die die Weltsicht der Extremisten nicht teilen – Christen jedoch oft in besonders hohem Maße, da sie ihnen wegen ihrer Werte und Lebensweise als besonders verhasst gelten. In den betroffenen Ländern wie Nigeria oder Mali sind Entführungen von Priestern und Ordensleuten mittlerweile an der Tagesordnung.

In Benin sind nach den Recherchen von KIRCHE IN NOT über 45 Prozent der Einwohner Christen; die Zahl der Katholiken liegt bei etwa 25 Prozent.

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In der Erzdiözese Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo herrscht große Freude unter der Gläubigen: Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 14.000 Euro gespendet haben, konnte der Radiosender „Radio Maria“ seine technische Ausstattung modernisieren und ausbauen. Außerdem sorgt ein Generator dafür, dass der Strom nicht mehr ausfällt. So konnte die Zahl der Sendungen von monatlich fünfzehn auf vierzig ansteigen.

Das Radio ist ein wichtiges Medium in Afrika, wo die Pfarren sich über riesige Gebiete erstrecken. Über den Rundfunk können auch die Menschen in weit abgelegenen Dörfern erreicht werden. Information, Erziehung und eine intensive Teilhabe am kirchlichen Leben – alles das ist über das Radio möglich.

Das Radio ist ein wichtiges Medium in Afrika, wo die Pfarren sich über riesige Gebiete erstrecken. Über den Rundfunk können auch die Menschen in weit abgelegenen Dörfern erreicht werden.

Besonders wichtig ist dieses Kommunikationsmittel da, wo – wie im Ostkongo – bewaffnete Gruppierungen das Leben und insbesondere die Fortbewegung unsicher machen. In der Provinz Nord-Kivu, in der die Erzdiözese Bukavu liegt, kommt es immer wieder zu gewaltsamen Übergriffen nicht nur gegen die Bevölkerung, sondern auch auf kirchliche Einrichtungen wie Pfarren, Klöster und Pfarrhäuser. Wechselnde bewaffnete Gruppierungen terrorisieren die Bevölkerung. Viele sind auf der Flucht, Angst und seelische Traumata sind weit verbreitet. Die Wurzeln der Gewalt liegen in ethnischen Konflikten und dem Kampf um den Zugang zu Rohstoffen, aber in jüngerer Zeit ist auch eine zunehmende Radikalisierung des Islams zu verzeichnen.

Das Radio erreicht die Gläubigen überall, wo sie sind. Sie finden Trost, Rat und können auch dann, wenn gerade kein Priester zu ihnen gelangen kann, durch die Gottesdienstübertragungen am Leben der Kirche teilnehmen.

Allen, die geholfen haben, herzlichen Dank!

Die Ankündigung von Papst Franziskus, seine verschobene Reise in den Südsudan voraussichtlich im kommenden Februar durchführen zu wollen, habe bei den Katholiken im Land „große Freude“ ausgelöst. Das erklärte die portugiesische Missionarin Beta Almendra gegenüber KIRCHE IN NOT. Sie ist in Wau, der zweitgrößten Stadt des Landes, tätig.

Der Papstbesuch sei auch deshalb wichtig, um die internationale Aufmerksamkeit auf den Südsudan zu richten, der erst 2011 seine Unabhängigkeit erlangt hat und seither durch eine extreme Krise geht. „Die Lage ist nicht stabil; wir schaffen es nicht allein“, sagte die Ordensfrau.

Im Südsudan herrscht seit 2013 Bürgerkrieg. Das größte Problem aber sei der Hunger, so Schwester Beta. Nach Angaben von UNICEF leiden rund zwei Drittel der Bevölkerung im Südsudan unter extremer Unterernährung, das sind rund sieben Millionen Menschen. Die Versorgungslage habe sich durch die Covid-19-Pandemie und die ausbleibenden Kornlieferungen infolge des Ukraine-Kriegs noch weiter verschlimmert.

Schwester Beta Almendra (mit Kappe) mit Schülerinnen einer katholischen Schule.

Prekäre Versorgunslage

Erschwerend komme hinzu, dass sich einige Hilfsorganisationen aus dem Südsudan zurückgezogen hätten. Dies habe spürbare Folgen, erzählte Schwester Beta: „In einer der Schulen, in denen ich arbeite, haben wir einmal am Tag Essen ausgegeben: für viele Kinder die einzige Möglichkeit, eine Mahlzeit zu bekommen. Aber die Schule musste die Essensausgabe aufgeben, weil kein Geld mehr da war.“ Viele Kinder würden krank, so die Ordensfrau.

In Südsudan kämpfen Anhänger von Präsident Salva Kiir Mayardit und dem früheren Vizepräsidenten Riek Machar erbittert gegeneinander. Hintergrund sind ethnische Konflikte. Internationalen Angaben zufolge sind in dem Konflikt seit 2013 mehr als 400 000 Menschen getötet worden; mehr als zwei Millionen sind geflohen.

Eine Familie im Südsudan erhält eine Lebensmittelhilfe.

Ethnische Konflikte

Papst Franziskus hatte bereits im Juli 2022 eine Reise in den Südsudan und die Demokratische Republik Kongo geplant, musste diese jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme absagen. Mitte September kündigte er an, die Reisepläne für Februar 2023 wieder aufnehmen zu wollen.

Auf der Afrika-Reise wird der Papst voraussichtlich vom Primas der anglikanischen Kirche, Justin Welby, begleitet werden. Über 60 Prozent der mehr als elf Millionen Einwohner des Südsudan sind Christen. Die meisten von ihnen gehören der anglikanischen und der römisch-katholischen Kirche an.

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In der Diözese Lugazi in Zentraluganda wurde kürzlich eine neue Pfarre errichtet. Sie ist dem heiligen Kizito geweiht, dem jüngsten der zwanzig ugandischen Märtyrer, die zwischen 1885 und 1887 von König Mwanga zum Tode verurteilt wurden, weil sie ihren Glauben an Christus treu blieben. Kizito war erst vierzehn Jahre alt, als er lebendig verbrannt wurde. Er wurde zum Patron der Kinder und Jugendlichen ernannt. Die Kirche in Uganda ist stolz auf ihre Märtyrer.
Die neue Pfarre mit Sitz in Namasumbi liegt in einem ländlichen Gebiet. Lange stand den beiden Priestern der Pfarre nur ein uraltes Auto zur Verfügung, das aber inzwischen nicht mehr einsatzfähig ist.

Die neue Pfarre mit Sitz in Namasumbi liegt in einem ländlichen Gebiet. Es gibt keine asphaltierten Straßen, und besonders in der Regenzeit sind die Dörfer nur schwer zu erreichen. Hier kommt man nur mit einem geländetauglichen Wagen weiter.

Lange stand den beiden Priestern der Pfarre nur ein uraltes Auto zur Verfügung, das aber inzwischen nicht mehr einsatzfähig ist. Die Priester waren somit auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die sehr unzuverlässig sind. Sie verloren dadurch viel kostbare Zeit, die sie eigentlich für ihre pastorale Arbeit brauchten, denn in den Dörfern warten die Menschen auf die Heilige Messe, die Sakramente, auf Krankenbesuche und den Beistand der Priester.

Besonders in der Regenzeit sind die Dörfer nur schwer zu erreichen. Hier kommt man nur mit einem geländetauglichen Wagen weiter.

Unsere Wohltäter haben 13.000 Euro gespendet, um beim Kauf eines Autos zu helfen.  Pfarrer Jude Kiggala schreibt uns:  „Wir sind sehr dankbar für die Hilfe, die uns von KIRCHE IN NOT gewährt wurde. Unsere pastorale Arbeit wird dadurch erheblich gestärkt. Wir können nun leichter Kranke und ältere Menschen besuchen und am Leben der christlichen Gemeinden teilnehmen.“

Auch wir danken allen, die geholfen haben! Vergelt’s Gott!

Nach der Tötung der jungen Missionsärztin Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki und mindestens eines Patienten bei einem terroristischen Überfall auf ein kirchliches Krankenhaus herrscht in der Demokratischen Republik Kongo Entsetzen. „Der Terror geht weiter. Die Menschen haben Angst, jeder versucht zu entkommen“, erklärte der Comboni-Missionar Marcello Oliveira gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Der Überfall auf das Krankenhaus fand am 19. Oktober im Dorf Maboya im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo nahe der Grenze zu Uganda statt. „Rebellen griffen das Krankenhaus an. Sie plünderten alles, was sie finden konnten, und setzten das Gebäude schließlich in Brand“, schilderte Pater Marcello die Ereignisse. „Eine Ordensschwester, die Ärztin ist und Nachtdienst hatte, verbrannte zusammen mit einem Patienten.“

Die getötete Ordensfrau Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki.

Ordensfrau und ein Patient verbrannten in geplündertem Krankenhaus

Schwester Marie-Sylvie habe vorher sogar noch in der örtlichen Missionsstation angerufen, damit die dortigen Priester und Ordensleute sich in Sicherheit bringen konnten. Zu dem Überfall bekannte sich nach lokalen Angaben die ugandische Dschihadistengruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF), die auch unter dem Namen „Islamischer Staat – Zentralafrikanische Provinz“ firmiert. Nach dem Überfall auf das Krankenhaus in Maboya hätten die Terroristen noch eine weitere Klinik in der Nähe überfallen, so die lokalen Ansprechpartner.

Die getötete Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki gehörte dem Orden der „Kleinen Schwestern der Darstellung unserer Lieben Frau im Tempel“ aus Butembo in der Provinz Nord-Kivu an. Verschiedene Medien sprachen nach dem Überfall sogar von bis zu sieben Toten; die Projektpartner von „Kirche in Not“ bestätigten bislang zwei. Allerdings gelten noch zahlreiche Personen als vermisst, teilte Pater Marcello Oliveira mit: „Mehrere Personen sind verschwunden, möglicherweise um die geplünderten Medikamente und anderen Güter transportieren zu helfen.“

Der Ordensmann erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass in der Demokratischen Republik Kongo ein „versteckter Krieg“ herrsche, den die Welt ignoriere. „Es ist ein Krieg, der ,schweigend’ – oder zum Schweigen gebracht – geführt wird, so dass niemand etwas unternimmt und die Bevölkerung weiter leidet“, sagte Pater Marcello.

Niedergebrannte Gebäudeteile in Maboya.

Krieg um Bodenschätze

Seit Jahren wird das rohstoffreiche Grenzgebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Nachbarland Uganda von Rebellen der Miliz ADF überrannt. Die ADF wird von Jamil Mukulu angeführt, einem zum Islam konvertierten ehemaligen Christen. Dem kongolesischen Militär und der UN-Friedensmission MONUSCO gelingt es nicht, die Region zu befrieden.

Die Provinz Nord-Kivu gilt als Epizentrum der Gewalt. Menschenrechtsorganisationen zufolge ereignet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo die am längsten dauernde humanitäre Krise Afrikas. In der Region lagern Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan in der Erde. Dabei handelt es sich um wichtige Rohstoffe zum Beispiel für die IT- oder Fahrzeugindustrie.

Papst Franziskus hatte im Juli dieses Jahres einen Besuch in der Demokratischen Republik Kongo angekündigt. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden, teilte der Vatikan damals mit.

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Verwendungszweck: Demokratische Republik Kongo

Die Kongregation der “Brüder des heiligen Martin von Porres“ wurde 1953 im Südsudan gegründet. Die Ordensmänner, die ihr angehören, sind in Pfarreien tätig, unterrichten in Schulen und helfen Notleidenden durch verschiedene karitative Aktivitäten.

Da die Brüder als einheimische afrikanische Kongregation arm sind, sind sie auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen – auch für ihre Weiterbildung und geistliche Vertiefung. Denn um anderen dienen zu können, brauchen sie auch selbst immer wieder Stärkung in ihrem geistlichen Leben, damit die Berufung nicht irgendwann verdunstet. Da schon seit 2013 keine solchen Veranstaltungen mehr stattfinden konnten, hatte uns Pater Charles Olum, der Obere der Ordensbrüder in Uganda, um Hilfe gebeten. Denn ein intensives Gebetsleben ist die Grundlage für alle anderen Tätigkeiten und befruchtet dieses. Auch das Gemeinschaftsleben der Ordensmänner und die Treue zu ihrem Gründungscharisma sind wichtige Elemente, die zur Heiligung der Seelen führen. „Christus ist das Zentrum aller unserer Ziele und Wünsche“, schreibt er uns. Die persönliche Beziehung zu Christus sei das Wichtigste, und die Erfahrung aus dem Gebetsleben müsse in konkrete Taten umgesetzt werden. Diese innere Haltung muss aber immer wieder gestärkt und eingeübt werden. Unsere Wohltäter haben die Ordensmänner daher mit 7.000 Euro für ihre Weiterbildung unterstützt.

Da die Brüder als einheimische afrikanische Kongregation arm sind, sind sie auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen – auch für ihre Weiterbildung.
Pater Charles schreibt uns nun: „Im Namen Gottes und im Namen meiner Mitbrüder, die den Trost Eurer Liebe erfahren haben, danke wir Euch aus tiefstem Herzen für Euren unermüdlichen Einsatz, um die Mission in dieser armen Region von Norduganda zu unterstützen. Möge der Allmächtige Gott Euch für das gute Werk, das Ihr für unsere Brüder getan habt, segnen. Meine Mitbrüder schätzen zutiefst die Bande der Freundschaft, die uns erwiesen wurden. Wir haben wirklich verstanden, dass ein Freund, der in der Not hilft, ein wahrer Freund ist. Wir wissen, dass Ihr dieses Opfer aus Liebe zu Gott gebracht habt, und wir glauben, dass die geistliche Nahrung, die wir erhalten haben, uns in unserer Mission in der Kirche stärken wird. Wir beten täglich innig für Euch, besonders in unserer täglichen Heiligen Messe.“

Laut Bischof Aloysius Fondong Abangalo aus Mamfe im Westen Kameruns in der Nähe der Grenze zu Nigeria gibt es bislang keine Informationen über den Verbleib von neun Christen, die am 16. September in der Ortschaft Nchang verschleppt wurden. Bislang Unbekannte hatten dort am vergangenen Freitag die Kirche St. Maria niedergebrannt und fünf Priester, eine Ordensschwester und drei weitere Gläubige verschleppt.

Bischof Abangalo hatte sich mit einer Videobotschaft an das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (international: ACN) gewandt. „Was hier geschehen ist, ist ein Gräuel. Die Täter waren nicht damit zufrieden, die Geduld der Menschen zu testen, jetzt stellen sie auch die Geduld Gottes auf die Probe“, erklärte der Bischof mit Blick auf die ausgebrannte Kirche. Lokalen Quellen zufolge sind bereits Lösegeldforderungen für die entführten Personen eingegangen; darüber hinaus gibt es jedoch kein Lebenszeichen von ihnen.

Plakat mit den Personen, die am 16. September 2022 in Nchang entführt wurden.

Kirche steht zwischen den Fronten von Militär und Separisten

Bischof Abangalo wandte sich in seiner Botschaft auch direkt an die Entführer: „Was auch immer sie tun, sie sollten wissen, dass sie Kinder Gottes sind. Was sie tun, ist falsch. Gewalt erzeugt nur weitere Gewalt. Wir müssen zusammenarbeiten und die richtigen Mittel einsetzen, um das Problem zu lösen.“

Die Kirchenvertreter sehen als Motiv hinter der jüngsten Entführung einen seit Jahren schwelenden Konflikt zwischen der französischsprachigen Mehrheit und der englischsprachigen Minderheit in Kamerun. Die Bevölkerung in den englischsprachigen Regionen im Westen des Landes fühlt sich von der Regierung benachteiligt.

Der Konflikt verschlimmerte sich seit 2016, als die englischsprachigen Regionen eine Rückkehr Kameruns zum föderalen Regierungssystem forderten, um mehr Selbstständigkeit und politischen Einfluss zu erhalten. Separatisten riefen eine „Republik Ambazonien“ aus.

Die verwüstete Kirche St. Maria in Nchang.

Vermittlung bislang gescheitert

In der Folge kam es zu brutalen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und dem militärischen Arm der anglophonen Aufständischen, den sogenannten „Amba Boys“. Kirchlichen Ansprechpartnern zufolge ging die Armee auch gegen religiöse Einrichtungen vor, weil sie dort Unterstützer für die Separatisten vermutete.

Die katholische Kirche, der etwa ein Viertel der rund 26 Millionen Einwohner Kameruns angehören, hat versucht, zwischen Regierung und Aufständischen zu vermitteln. Diese Versuche sind jedoch bislang gescheitert. Die Kirche wurde von den Konfliktparteien jeweils beschuldigt, auf der Seite des Gegners zu stehen.

In den vergangenen fünf Jahren hat KIRCHE IN NOT 24 Einzelprojekte in Kamerun gefördert, darunter auch ein Programm zur Friedenserziehung für Jugendliche. Unterstützen Sie die Friedensarbeit der Kirche in Kamerun mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Kamerun

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