Afrika Archive - Seite 14 von 14 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Die katholische Kirche begeht den außerordentlichen Monat der Weltmission. Oft geschieht das missionarische Wirken der Kirche unter erschwerten Bedingungen: In Verfolgung, Armut und Krieg. So auch im Südsudan. Hunderttausende Todesopfer, Millionen Geflüchtete – der Bürgerkrieg, der im Jahr 2013 im damals erst zwei Jahre alten afrikanischen Staat Südsudan ausbrach und bis zum Waffenstillstand im vorigen Jahr andauerte, hat das Land in einem desolaten Zustand hinterlassen. So äußert sich Pater Boniface Isenge aus der in der Mitte des Landes gelegenen Diözese Rumbek bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT.

Etwa 38 Prozent der gut 13 Millionen Südsudanesen seien Christen, so Pater Boniface. In seiner Diözese leben etwa 180.000 Katholiken. Viele hielten die katholische Kirche gar für die einzig funktionierende Institution im Land. Der Spiritaner lebte zunächst als junger Priester acht Jahre im benachbarten Äthiopien, ehe er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, in den Südsudan zu gehen: „Nachdem das Landunabhängig wurde, hat mein Orden dringend Priester und Missionare gesucht, um hier tätig zu werden. Ich wollte etwas Neues machen und war bereit für diese neue Mission“, erinnert sich Pater Boniface. Er sieht es als seinen Auftrag, Frieden in die vom Krieg zerrüttete Region zu bringen.

Bereits kurz nach seiner Ankunft stellte der Geistliche fest, dass seine Gläubigen sich nach Bildung sehnen. „Die Schulen im Südsudan sind teilweise sehr weit voneinander entfernt“, beklagt er. „Sie sind überfüllt, sodass in der Regel 60 Schüler pro Klasse und mitunter über 100 Personen in einem Raum unterrichtet werden müssen.“ Nach Behördenangaben sind etwa drei Viertel aller Einwohner des Südsudans über 15 Jahre Analphabeten. Schon bald erkannte der Pater: „Bildung ist der Schlüssel, um immer wieder aufkommende Spannungen in der Bevölkerung zu beseitigen. Mit Bildung kommt Frieden!“

Neben der Seelsorge ist es Pater Boniface auch ein wichtiges Anliegen, Eltern die Wichtigkeit von Bildung für ihren Nachwuchs zu vermitteln. Nicht nur, damit die Kinder trotz der schwierigen Bedingungen und Probleme im Land eine bessere Chance als die Generation vor ihnen hätten, sondern auch um ihre Unabhängigkeit zu stärken. „Denn noch immer werden im Land 17 Prozent aller Ehen mit minderjährigen Mädchen geschlossen, das ist hier leider noch gängige Praxis“, sagt der Ordensmann.

Obwohl der Südsudan das drittärmste Land der Welt ist, sei das Preisniveau verhältnismäßig hoch. „Viele können sich selbst einfachste Grundnahrungsmittel nicht leisten und sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.“ Außerdem machen zahlreiche Krankheiten wie Malaria dem Land zusätzlich zu schaffen. Trotz all dieser Probleme ist Pater Boniface zuversichtlich: „Mein herzlicher Dank geht an alle, die uns unterstützen oder im Gebet mit uns verbunden sind. Ich bin hoffnungsvoll, dass man im Südsudan in Zukunft ein gutes Leben führen kann.“

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT hat allein seit dem Jahr 2015 die Kirche im Südsudan mit über 3,4 Millionen Euro unterstützt, darunter der Wiederaufbau von Kirchen und Pastoraleinrichtungen, die Ausbildung von Priestern sowie Messstipendien.

Laut KIRCHE IN NOT-nahen Quellen werden Christen im Norden von Burkina Faso von muslimischen Extremisten ausgerottet und aus ihrer Heimat vertrieben. Hitté und Rounga waren die letzten Dörfer, die verlassen wurden, nachdem Terroristen ein Ultimatum gesetzt hatten: Die Bewohner mussten entweder konvertieren oder ihre Häuser aufgeben.

„Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des Plans der Dschihadisten, die Terror verbreiten, Mitglieder der christlichen Gemeinschaften töten und anschließend die Hinterbliebenen mit der Drohung  vertreiben, nach drei Tagen wiederzukommen und dann keinen Christen oder Katechumenen mehr vorfinden zu wollen,“ so die Informationsquelle.

Toulfé war die erste angegriffene Gemeinde. Ende Mai töteten Dschihadisten dort während des Gottesdienstes fünf Menschen, darunter einen Katecheten. Außerdem verwundeten sie einen zweiten Katecheten. „Von Touflé aus rückten die Extremisten in den Ort Babo vor, der ebenfalls ein Ultimatum erhielt. Viele flohen. Diejenigen, die dort  blieben, wurden Zeugen der Ermordung dreier Menschen durch die Terroristen, darunter Jean-Paul, der die verbliebene Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte.“

Der letzte Ort, der bedroht wurde, ist Hitté. „Anfang September kamen 16 Männer ins Dorf und warteten auf die Bewohner, die vom Feld zurückkehrten. Während die einen die Christen in die Kirche zwangen und ihnen drohten, innerhalb von drei Tagen ihre Häuser zu verlassen, verbrannten die anderen alles, was sie auf ihrem Weg fanden. In Hitté leben nun keine Christen oder Katechumenen mehr“, bestätigen die Quellen.  Anschließend rückten die bewaffneten Männer nach Rounga vor, das ebenfalls evakuiert ist.

Allein aus diesen beiden Orten seien fast 2.000 Menschen geflohen. Sie wurden in einer Grundschule in Ouindigui aufgenommen.

Eine weitere nahegelegene Stadt, die seit Beginn der Verfolgungen Menschen aufgenommen hat, ist Titao, wo fast 7.000 Vertriebene sowie Opfer von Gewalt und Verfolgung Zuflucht gefunden haben. Hier hat die katholische Kirche [durch die Caritas] die soziale und pastorale Hilfe, die Betreuung von Kranken und Alten sowie die Begleitung der traumatisierten Bevölkerung in die Hand genommen.  „Die Situation ist schwer zu bewältigen, hat aber die Solidarität der übrigen Bevölkerung von Titao – einschließlich der Muslime – hervorgebracht, die die Sicht der radikalen Extremisten nicht teilt und aktiv mit Nahrung und Wasser hilft, damit die Ortsgemeinde die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge befriedigen kann.

Die lokalen Behörden in Titao sind von der schmerzlichen und dramatischen Situation in der Region bewegt. Allerdings „reagieren Verantwortliche auf Berichte lediglich mit Schweigen.“

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Zusammenarbeit der Ordnungskräfte, sowohl der Gendarmerie als auch der Polizei, bei der Bergung von Leichen ermordeter Christen, stellen die KIRCHE IN NOT – Quellen fest: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen zurückzubekommen, damit sie würdig begraben werden. Sie sagen, es sei nicht sicher. Deshalb gestaltet es sich als sehr schwierig. Mitunter haben Sicherheitskräfte ihre Zustimmung verweigert. In einem Fall mussten die Töchter von Verstorbenen all ihren Mut zusammennehmen und mit einem Dreirad losfahren, um die Leichen ihrer Väter zu holen und zu begraben. Auch in Babo war es nicht einfach:  Verwandte mussten mit Motorrädern fahren, um die Leichen wie Räuber in der Nacht abzuholen. Da bereits der Verwesungsprozess begonnen hatte, hatten viele Menschen danach gesundheitliche Probleme. Das ist unmenschlich.“

Die herangezogenen Quellen weisen darauf hin, dass nicht alle Fulani (Peuls) gebrandmarkt werden sollten, obwohl die Mehrheit der Terroristen zu dieser Gruppe gehöre Außerdem stecke hinter den Angreifern eine größere Kraft: „Jemand drängt diese Menschen dazu, sich zu bewaffnen, und gibt ihnen Waffen, um ihre Brüder zu töten, mit denen sie lange Zeit zusammenlebten. Denn obwohl es Ausländer unter den Terroristen gibt, sind die Mehrheit keine Fremden. Es sind Fulani, die lange Zeit in der Gegend lebten. Ihre Familien sind bekannt, und über Nacht sind sie zu Feinden der Bevölkerung geworden. Diese Menschen werden manipuliert.“

Der erste Verantwortliche für die Krise und die Zunahme der Gewalt im Land sei jedoch außerhalb zu finden: „Diese Waffen werden nicht in Burkina Faso hergestellt. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der eigene Profit zählt. Diejenigen, die die Waffen liefern, kennen nicht den Wert der Menschheit, den Wert des Menschen. Wir fordern das Vernichten der Waffen. Dann erst wird Friede nach Burkina zurückkehren.“

Es müsse sich sofort um Frieden bemüht werden, sonst drohen Vergeltungsmaßnahmen, erklären die Quellen. Denn die Menschen wissen: „Das ist derjenige, der meinen Vater oder meinen Bruder getötet hat. Es ist sehr schwierig. Nach so viel Barbarei ist man eher unempfindlich für den Frieden. Außerdem haben die Menschen alles verloren – auch die Ernte, was zu einer Hungersnot führen wird. Die Situation ist kritisch. „Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen berührt und der Friede zurückkehrt.“

In den englischsprachigen Regionen im Nordwesten und Südwesten Kameruns verschärft sich die gesellschaftspolitische Krise immer weiter. Besonders stark davon betroffen ist die Diözese Buea. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) laut Berichten von Partnern vor Ort.

Nach Schätzungen lokaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen wurden in der Diözese Buea mehr als 200 Zivilisten – nicht nur Katholiken – getötet, inklusive Frauen und Kinder. Laut den Quellen von KIRCHE IN NOT wird geschätzt, dass es mehr als 20.000 Vertriebene gibt. Seit der Verschärfung der Krise im November 2016 sind mindestens acht Ortschaften niedergebrannt worden, 70 wurden angegriffen und geplündert. Insgesamt haben Bewohner 25 Dörfer auf die Suche nach Zuflucht in Farmen und im Dschungel verlassen.

Wegen der anhaltenden Unsicherheit sahen sich zehn Pfarren und Missionsstationen, vor allem in den Dörfern Muyuka und Muea, gezwungen, ihre pastorale Arbeit einzustellen. Andere wurden bei Konflikten zwischen staatlichen Sicherheitskräften und Unabhängigkeitskämpfern angegriffen, zum Beispiel Bolifamba (Meile 16) an Heiligabend 2018 sowie Muyuka, Ekona und Muea am 25. März dieses Jahres. Auch das Leben der Priester in der Diözese ist in großer Gefahr, wie die brutale Ermordung von Pater Alexander Sob aus der Pfarre Bomaka am 20. Juli 2018 in Muyuka zeigt, so die Quelle.

Den Berichten nach leidet nicht nur die Seelsorge, sondern auch die von der Diözese unterstützten Bildungsaktivitäten unter den Folgen des Konfliktes: Seit 2016 sind 40 katholische Grundschulen geschlossen worden. Andere wurden angegriffen und Opfer von Vandalismus, wie das College of Our Lady of Grace in Muyuka und das College of Our Lady of Mount Carmel in Muea am 22. September 2017. Auch die bekannte Sant Joseph High School in Sasse wurde von bewaffneten Zivilisten überfallen. Dieser Angriff hatte 20 verletzte Schüler und Lehrer sowie die vorübergehende Schließung sämtlicher katholischer Schulen in der Diözese zur Folge.

Darüber hinaus wurde KIRCHE IN NOT informiert, dass in den diözesanen Krankenhäusern wie dem Mount-Mary-Hospital und dem Regina-Pacis-Hospital in Muntengene die Zahl der Patienten wegen der massiven Flucht in andere Gebiete drastisch gesunken sei. Außerdem seien Sicherheitskräfte mit Schusswaffen in katholische Gesundheitszentren eingedrungen, um nach Unabhängigkeitskämpfern zu suchen, die dort angeblich aufgenommen wurden. Es gäbe auch Fälle, bei denen Frauen ohne ärztliche Hilfe ihre Kinder zur Welt bringen mussten, beklagt KIRCHE IN NOT.

Laut Bericht seien die gravierende Nahrungsmittelknappheit und die steigenden Preise besorgniserregend. Wegen der Vertreibung der Bauern von ihren Äckern sei in naher Zukunft die Ernährung der Bevölkerung nicht mehr gesichert, bestätigen die Quellen. Unterernährung und weitere gesundheitliche Probleme seien unvermeidbar.

Die aktuelle Krise begann sich in der Diözese Buea im Oktober 2016 zu verschärfen, als Sicherheitskräfte scharfe Munition bei weitgehend friedlichen Protesten der englischsprachigen Bevölkerung einsetzten, die seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1961 von den überwiegend französischsprachigen Behörden ausgegrenzt wurden. Die Demonstranten warfen vor, dass ihnen die französische Sprache und Traditionen aufgezwungen wurden, und forderten mehr Autonomie und Respekt für ihre Bräuche.

Den bei KIRCHE IN NOT eingegangenen Berichten zufolge nehmen Geistliche und Gläubige trotz all der Herausforderungen weiterhin beharrlich ihre pastoralen Aufgaben wahr und kommen von tiefem Glauben bewegt zu großen Gottesdienstfeiern wie der diesjährigen Chrisammesse in der Kathedrale von Small Soppo.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 25 Jahren mehr als 20 Projekte in der Diözese Buea gefördert. Im aktuellen Jahr kommt der Großteil der Unterstützung den von der Krise betroffenen Frauen-Ordensgemeinschaften zugute.

In dem von Armut, Stagnation und Korruption geprägten Land wird die Ankunft des Heiligen Vaters als großes Ereignis erwartet. 58 Prozent aller Madagassen sind Christen. In Androhibe Soamandrakizay haben die Behörden ein 60 Hektar großes Gelände für die Heilige Messe zur Verfügung gestellt, die Papst Franziskus am Sonntag, den 8. September feiern soll. Zuletzt hatte mit Johannes Paul II. vor 30 Jahren ein Papst die Insel besucht.

Der Vinzentinerpater Pedro Opeka lebte damals bereits auf Madagaskar und konnte den polnischen Papst empfangen. In einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) versichert er, dass der jetzige Papst mit Spannung erwartet wird. „Das wird der Wahnsinn“, sagt er schmunzelnd. „Er wird an den Ort gehen, an dem sich früher eine alte Müllhalde befand, die wir in ein Dorf verwandelt haben. Es ist, als würde er es weihen!“ Es handelt sich um ein Werk zugunsten der Ärmsten, dessen Bau im Jahr des letzten Papstbesuches 1989 begonnen wurde. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat die Initiative mehr als 500.000 Menschen in Not geholfen.

Das fünftärmste Land der Welt

Pater Pedro kennt die madagassische Gesellschaft seit 1975. Er zeichnet ein Bild mit Licht und Schatten. Madagaskar war bereits arm, als er dort ankam. Doch seitdem ist das Elend noch größer geworden. Die Kleinbauern, die früher die Mehrheit der Inselbewohner ausmachten, leben heute neben den Stadtbewohnern und haben große Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Die sozialen Spannungen nehmen zu. „Vor 30 Jahren“, erinnert sich Pater Pedro, „bin ich hier auf der Insel hingegangen, wohin ich wollte. Heute ist dies nicht mehr möglich, weil wir uns in einer bürgerkriegsähnlichen Situation befinden“. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds ist Madagaskar derzeit das fünftärmste Land der Welt. Die Kirche und ihre Missionare sind ein zerbrechliches Bollwerk gegen die Lawine der Armut, die das Land heimsucht. Aber „sie sind es, die verhindern, dass das Land untergeht“, so Pater Pedro.

Der Geistliche versichert jedoch, dass das madagassische Volk über Ressourcen verfügt, und dass sich die Situation zum Besseren entwickeln kann. „Wohin ich auch gehe, fragen mich die Menschen, ob ich Arbeit für sie habe. Das ist alles, was sie wollen. Sie haben genug Kraft, eine unglaubliche Kraft!“. Seiner Ansicht nach hat die Insel am meisten unter dem Versagen der Politik gelitten. Der Boden der Insel enthält geologische Schätze – hauptsächlich Aluminium und Nickel – aber kaum ein Prozent dieses Reichtums kommt dem Land wirklich zugute. „Was die Zukunft Madagaskars weiterhin untergräbt, sind eine fortschrittsfeindliche Mentalität und institutionalisierte Korruption“, bedauert Pater Pedro.

Für die Insel ist der Augenblick der Wahrheit gekommen

Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer mit dem neuen madagassischen Präsidenten Andry Rajoelina, der 2018 gewählt wurde. Das junge Staatsoberhaupt (Jahrgang 1974) hat vor allem von der Stimme einfacher Bevölkerungsschichten profitiert. Er versichert, dass „er sie nicht vergessen wird“. Pater Pedro seinerseits glaubt ihm, warnt aber: „Ich gebe ihm zwei Jahre Zeit, um zu sehen, was er wirklich tut. Wenn es ihm nicht gelingt, die Dinge voranzubringen, werde ich nie wieder an einen Politiker glauben.“ Viele Menschen scheinen Pater Pedros Ansicht zu teilen, dass das Land mit dem Rücken zur Wand steht. „Wenn keine Reformen durchgeführt werden, wird die madagassische Gesellschaft auseinanderbrechen.“

Der Franziskaner Jacques Tronchon koordiniert mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT ein eindrucksvolles Projekt zur Wiedereingliederung madagassischer Familien in den ländlichen Raum, die in absoluter Hilfsbedürftigkeit am Rande der Hauptstadt zusammengepfercht und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Auch er ist besorgt über die Lage im Land: „Der Kampf gegen die extreme Armut, die in Madagaskar seit langem verbreitet ist, bleibt bis heute eine große Herausforderung. Die Exzesse mehrerer Regierungen haben die Schwierigkeiten verschärft, obwohl dieses riesige Land über ein großes Potenzial verfügt und in mehreren Regionen große Erfolge erzielen könnte. Die Gegensätze zwischen den Regionen des Landes und die Umstände im Zusammenhang mit den Machtkämpfen zwischen den Hauptmächten machen eine harmonische Entwicklung dieses schönen Landes sehr unsicher – ganz zu schweigen von den klimatischen Bedrohungen im Zusammenhang mit saisonalen Wirbelstürmen.“

Das Land ist in der Tat geteilt, auch auf religiöser Ebene. Religion hat einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. Zusammen mit den großen christlichen Konfessionen gibt es eine starke Verbreitung aller Arten von Kirchen, die oft miteinander konkurrieren. Pater Jacques: „Die führende Stellung der katholischen Kirche erscheint mir dennoch offensichtlich dank der starken Präsenz der Diözesen und aller möglichen Ordensgemeinschaften, die Sozialwerke in allen Bereichen fördern.“

Trotz aller Unterschiede ist der Franziskanerpater überzeugt, dass „letztlich das ganze Volk Gottes in Madagaskar, das sich aus Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammensetzt, kommen wird, um Papst Franziskus willkommen zu heißen und gemeinsam mit ihm Gott zu danken.“

Im Rahmen des Besuchs von Papst Franziskus in Madagaskar ist eine Gebetszeit mit kontemplativen Ordensschwestern von der ganzen Insel geplant. Dieses Gebetstreffen findet in der Kapelle der Karmelitinnen vom heiligen Josef in der Hauptstadt Antananarivo statt. Das Dach der Kapelle wurde mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT wiederaufgebaut, so dass der Heilige Vater gebührend empfangen werden kann. Schwester Maria Maddalena, Priorin des Karmels vom heiligen Josef in Antananarivo, teilt der Stiftung ihre Freude mit: „Ich möchte dies mit Ihnen teilen, um Ihnen noch einmal für alles zu danken, was Sie und Ihre Wohltäter für unsere Gemeinschaft getan haben, und damit auch Sie sich mit uns darüber freuen können, dass wir den Heiligen Vater empfangen können.“ Die Ordensschwester fügt hinzu: „Die Ankunft von Papst Franziskus ist bereits jetzt eine große Gnade, denn jeden Tag kommen mehr Menschen zu uns. Ich glaube, dieser Besuch wird sehr fruchtbar werden.“

Allein im Jahr 2018 unterstützte die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT die Kirche in Madagaskar mit über 1,1 Millionen Euro.

„Das wertvollste Gut der Kirche ist der Glaube der Menschen“. Vor zehn Jahren begann die islamistische Gruppe Boko Haram Terroranschläge in Nigeria zu verüben. Die Gruppe radikaler Islamisten entstand im Jahr 2009 mit dem Hauptziel, einen strengen islamischen Staat in Nordnigeria zu gründen. Seitdem führen sie unaufhörlich tödliche Angriffe durch, zerstören ganze Dörfer, töten und verstümmeln wahllos. Sie legen Bomben, stecken Kirchen und öffentliche Gebäude in Brand, und entführen vor allem Frauen und Mädchen, die sie zwingen, zum Islam zu konvertieren.

Nährboden für diese terroristische Gruppe ist der Nordosten Nigerias. Dort befinden sich die katholischen Diözesen Maiduguri, Yola und Taraba. Von ihnen ist Maiduguri am stärksten betroffen, da die Terroristen ihren Hauptsitz im Bundesstaat Borno haben – Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Im Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht der katholische Bischof der Diözese Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, über die aktuelle Situation und die Fortschritte der Kirche in den letzten Jahren.

Wie steht es nach zehn Jahren Terrorismus durch Boko Haram aktuell um dieKirche in der Diözese Maiduguri?

Seit zehn Jahren wird die Kirche in der Diözese Maiduguri von der gefürchteten islamischen Sekte Boko Haram schwer verfolgt. Die Sektenmitglieder haben eine gewaltige Zerstörung an Leben und Eigentum verursacht. Boko Haram ist der Ansicht, dass westliche Bildung eine Sünde ist. Da das Christentum eine Verbindung zur westlichen Bildung unterhält, soll es beseitigt werden.

Inzwischen hat sich die Lage sehr verbessert: Viele unserer Vertriebenen sind zu ihren Häusern zurückgekehrt, der Glaube wächst und einige der zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Trotz allem, was geschehen ist, danken und preisen wir Gott für seine Barmherzigkeit und Güte uns gegenüber.

Zu den vor wenigen Wochen wiederaufgebauten Gebäuden gehört auch die von Boko Haram zerstörte Kathedrale St. Patrick. Am 10. Juli 2019 wurde der Neubau von Erzbischof Antonio Guido Filipazzi, dem Apostolischen Nuntius in Nigeria, geweiht. Was bedeutet das für die Kirche in Ihrem Bistum?

Unsere Kathedrale und benachbarte Gebäude wurden durch zwei Bomben beschädigt, die im Jahr 2012 zu verschiedenen Zeiten explodierten. Gott sei Dank kam kein Mensch zu Schaden, denn es waren keine Leute in der Nähe der Kathedrale. Allerdings wurden die Kathedrale, das Priesterhaus und das bischöfliche Generalvikariat von den Explosionen stark betroffen. Die Weihe der wiedererrichteten Kathedrale von Maiduguri ist ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Sieg für sein Volk errungen hat, und markiert den Beginn der Erholung aus der Krise. Im Jahr 2014 stand mehr als die Hälfte der zu unserer Diözese gehörenden Gebiete unter der Kontrolle von Boko Haram. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir jemals wiedereine neue Kathedrale in der Stadt Maiduguri haben würden. Einige unserer Laien, die aus der Diözese flohen, sind bisher nicht zurückgekehrt. Das wertvollste Gut, das die Kirche inmitten dieser Verfolgung besitzt, ist der Glaube der Menschen. Diejenigen jedoch, die geblieben sind, haben die Kirche sehr unterstützt. Überraschenderweise gelang es den Gemeindemitgliedern der Kathedrale St. Patrick in Maiduguri, bis zu drei Viertel der für den Bau der neuen Kathedrale benötigten Mittel aufzubringen. Wir danken der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT für die restliche Unterstützung.

Boko Haram hat auch viele kirchliche Gebäude in verschiedenen Teilen Ihres Bistums zerstört. Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Die Liste ist sehr lang. Ich werde versuchen, sie zusammenzufassen. Unser kleines Seminar in Shuwa wurde von den Terroristen in ein Lager verwandelt, in dem sie die Rekruten sammelten und die Beute ihrer Plünderung aufbewahrten. Als sie das Seminar verließen, zündeten sie den größten Teil des Gebäudekomplexes an. Gott und auch der Unterstützung von KIRCHE IN NOT verdanken wir den Wiederaufbau. Auch unser katechetisches Bildungszentrum in Kaya wurde 2014 von Terroristen zerstört und geplündert. Dazu kommen zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, 15 Missionsschulen, mehr als zehn Pfarrhäuser und über 250 Kirchen oder Kapellen.

Sie haben erwähnt, dass einige Laien, Ordensleute und Priester aus ihren Häusern, Pfarren und Klöstern vertrieben wurden. Sind sie alle zurückgekehrt?

Der Höhepunkt der Angriffe von Boko Haram wurde 2014 erreicht. In diesem Jahr übernahmen Mitglieder der Sekte viele Bereiche unserer Diözese. Die Folge: Mehr als 25 Priester wurden vertrieben, mindestens 45 Ordensfrauen mussten ihre Klöster verlassen, über 200 Katecheten wurden von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und mehr als 100.000 Katholiken mussten ihre Häuser verlassen.

Wir danken Gott jedoch für die enorme Verbesserung der Sicherheit. Alle Priester sind an die Orte ihres Apostolates zurückgekehrt. Einige unserer Priester sind aber auch außerhalb unserer Diözese im Einsatz. Von den zur Diözese gehörenden 44 Pfarren und Pastoralgebieten sind nur drei Pfarren noch nicht funktionsfähig, weil sie im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Einige Ordensfrauen könnten in ihre Klöster zurück, – andere jedoch noch nicht, weil ihre Klöster nicht wiederaufgebaut wurden. Mehr als 90 Prozent unserer Laien sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt. Gott sei Dank!

Was ist Ihre Botschaft an KIRCHE IN NOT und ihre Wohltäter? 

KIRCHE IN NOT war das Rückgrat der Kirche in unserer Diözese. Ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre die Kirche in unserer Diözese schon längst zusammengebrochen. KIRCHE IN NOT hat der Diözese geholfen und hilft ihr weiterhin in verschiedenen Bereichen, unter anderem mit der Förderung unserer jährlichen Priesterexerzitien, der Ausbildung unserer Priester und Priesteramtskandidaten, den Messstipendien, dem Wiederaufbau des kleinen Seminars und einiger Priesterwohnungen. Wir sind den KIRCHE IN NOT-Mitarbeitern und ihren vielen Unterstützern sehr dankbar für die große Hilfe, die sie der leidenden Kirche in der Diözese geleistet haben: Die leidende Kirche betet für euch alle. Möge der liebe Gott, der nicht an Großzügigkeit übertroffen werden kann, euch alle mit seinem Frieden in dieser Welt und mit dem ewigen Leben in seinem Königreich belohnen.

KIRCHE IN NOT hilft auch weiterhin der notleidenden Kirche in Nigeria. Um diese Hilfe auch weiterführen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nigeria

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz in der Zentralafrikanischen Republik ist der Auffassung entgegengetreten, dass es sich bei dem seit 2012 anhaltenden Bürgerkrieg im Kern um einen Religionskonflikt von Christen und Muslimen handeln. „Das stimmt nicht“, erklärte Bischof Néstor Nongo-Aziagba gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Das anhaltende Blutvergießen sei vielmehr die Folge der wirtschaftlichen Ausbeutung und des Konflikts um die Diamant- und Goldvorkommen des Landes.

„Die Religion darf nicht dazu benutzt werden, die Ausbeutung zu vertuschen“, erklärte Nongo-Aziagba. Dies sei „ein Ablenkungsmanöver, das von den wirklichen Problemen wegführt: Armut, Analphabetismus und mangelnde Gerechtigkeit.“ Letzteres zeige sich daran, dass die Mitglieder der Rebellengruppen weitgehend straffrei ausgingen, obwohl schlimme Gräueltaten auf ihr Konto gingen. „Die Zentralafrikanische Republik steckt in einer politischen und nicht in einer religiösen Krise“, fügte der Bischof hinzu.

Rebellentruppen aus dem Ausland gefördert?

Den Séléka-Truppen, die sich 2012 gebildet hatten und mittlerweile in verschiedene Gruppen zersplittert sind, gehörten zwar mehrheitlich Muslime an. Aber ihr Ziel sei „nicht die Bevölkerung zu bekehren, sondern das Land auszubeuten“, sagte Nongo-Aziagba. Mehr als zwei Drittel der Milizionäre seien Söldner aus dem Tschad, Niger, Kamerun und anderen Nachbarstaaten. Viele von ihnen seien keine praktizierende Muslime. „Sie verfolgen keine islamistischen Ziele. Ihr Augenmerk gilt dem Mineralienreichtum des Landes.“

Als Reaktion auf die Angriffe der Séléka bildete sich die Gruppe der sogenannten Anti-Balaka, der auch zahlreiche Christen angehören. Diese gäben vor, die Interessen der Christen im Land zu verteidigen, die etwa 75 Prozent der Bevölkerung stellen. „Damit verdrehen sie jedoch die Wahrheit“, erklärte der Bischof. Er wirft mehreren Rebellengruppen vor, von der direkten oder indirekten Unterstützung einiger ausländischer Nationen zu profitieren. Dazu zählt Vorsitzende der Bischofskonferenz China, Russland und einige westliche Ländern. Diesen gehe es ausschließlich darum, den Bodenreichtum der Zentralafrikanischen Republik abzuschöpfen. „Die Milizen schaden Christen und Muslimen gleichermaßen“, sagte Nongo-Aziagba.

Derweil hält die Flüchtlingswelle weiter an: Human Rights Watch zählte für 2018 mehr als 640 000 Binnenflüchtlinge in der Zentralafrikanischen Republik. Und die Vereinten Nationen beziffern die Zahl der Menschen, die ins Ausland geflüchtet sind, mit rund 570 0000. Im Februar 2019 hat die Regierung der Zentralafrikanischen Republik ein Friedensabkommen mit mehr als einem Dutzend Rebellengruppen unterzeichnet. Bischof Nongo-Aziagba hat jedoch Zweifel an der Wirksamkeit, da die verschiedenen Milizen „das Abkommen widersprüchlich auslegen.“ Die Erfahrungen mit den UN-Truppen im Rahmen der seit 2014 anhaltenden Mission MINUSCA sei bestenfalls „unregelmäßig“ zu nennen. ´

„Wo bleibt die Souveränität unseres Staates?“

Auf die Frage, warum sich weitern viele Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, den Milizen anschließen, nennt der Bischof drei Gründe: steigende Armut, fehlende Bildung und den Willen der Menschen, sich gegen weitere Angriffe zu wappnen. Die Menschen seien frustriert über den zunehmenden Zerfall des Landes. Schwäche der Regierung zeige sich laut Nongo-Aziagba unter anderem darin, dass „etwa 80 Prozent des Landes von Rebellengruppen kontrolliert werden und es kein funktionierendes Straßen- oder Transportsystem gibt“. Im Nordosten der Zentralafrikanischen Republik orientiere sich die Bevölkerung wirtschaftlich Richtung am Sudan und verwende dessen Währung, im Südosten ist Wirtschaft und Währung der Demokratischen Republik Kongo der Fixpunkt. „Wo bleibt die Souveränität unseres Staates?“, fragt der Bischof.

Die katholische Kirche in der Zentralafrikanischen sei fest entschlossen, den christlich-muslimischen Dialog weiter zu fördern. „Es ist entscheidend, dass Christen und Muslime zeigen, dass sie vereint sind“ und sich damit der Gewalt wiedersetzten, die in ihrem Namen ausgeübt werde, zeigt sich Nongo-Aziagba überzeugt. „Als Christ habe ich Hoffnung für die Zukunft“, führte der Bischof aus, „aber ich muss realistisch bleiben: Es ist sehr schwer, die Gewalt der letzten Jahre zu überwinden.“

„Kirche in Not“ steht der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren bei: von der Nothilfe für Kriegsopfer, die Arbeit von Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden bis hin zur Friedensarbeit. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„Das brutale Vorgehen der Regierung Eritreas zielt darauf ab, der Kirche alle Dienste im Bereich Bildung und Gesundheit zu entziehen. Unsere Arbeit soll sich nur noch auf die Gotteshäuser beschränken.“ Dies erklärte der eritreisch-katholische Priester Mussie Zerai gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Zerai lebt in Rom und koordiniert von dort aus die eritreische Seelsorgearbeit und die Gemeinden in Europa. Die wachsen: Tausende Menschen verlassen jedes Jahr ihr Heimatland.

Nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen christliche Einrichtungen in dem nordostafrikanischen Land könnten es noch mehr werden: Mitte Juni hatte eritreisches Militär 21 kirchliche Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen gewaltsam besetzt und geschlossen. Die Patienten wurden regelrecht aus den Betten geworfen. Das Militär habe Fenster und Türen zerschlagen und die Angestellten unter Druck gesetzt, erzählte Zerai. Die Leiterin eines Krankenhauses im Norden Eritreas, eine Franziskanerschwester, sei sogar in Haft genommen worden, als sie Widerstand leistete.

Mehr als die Kirche leiden die notleidenden Menschen

„Es gibt keine Rechtfertigung für das Vorgehen des Regimes. Es bestraft diejenigen, die sich um die ärmsten Menschen kümmern“, sagte Zerai. Denn noch mehr als die kirchlichen Mitarbeiter litten die über 200 000 Menschen, die in den kirchlichen Gesundheitseinrichtungen Jahr für Jahr behandelt würden. „Die meisten Patienten waren keine Katholiken, sondern orthodoxe Christen, Muslime und Angehörige anderer Religionen. Oft befinden sich die Einrichtungen in abgelegenen Gebieten“, erklärte der Priester.

Das Vorgehen der Regierung ist nicht neu: Schon im vergangenen Jahr seien acht Gesundheitszentren geschlossen worden. Neu hingegen sei die Brutalität. Die Gründe dahinter sind unklar. Ausländische Beobachter vermuten, der Regierung unter Präsident Isaias Aferweki sei das Engagement der Kirche im Friedensprozess mit Äthiopien zu selbstbewusst geworden. Auch wolle die Regierung den Sozialsektor allein in der Hand haben und beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995. Für Zerai ist die Lage klar: „Die Regierung ist davon besessen, alles und jeden kontrollieren zu wollen. Sie betrachtet die katholische Kirche als Bedrohung, weil wir international vernetzt sind und Fragen stellen.“

Im atheistisch geprägten Staat leiden alle Religionen

In Eritrea leben maximal 120 000 bis 160 000 Katholiken. Die Hälfte der Bevölkerung ist christlich. Neben der katholischen sind nur noch die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche als Religionsgemeinschaften staatlich geduldet – neben dem sunnitischen Islam. Anders als in vielen Ländern Nordafrikas ist der Islam in Eritrea nicht Staatsreligion. Das Land sei „atheistisch geprägt. Wenn es nach der Regierung ginge, gäbe es gar keine Religion. Letztlich ist es dieselbe Schule wie in China“, erklärt Zerai.

Der Priester kann nur deshalb frei sprechen, weil er im Ausland lebt. Die Rückreise in sein Heimatland ist ihm verwehrt. Auf die Bischöfe des Landes – es gibt vier katholische Diözesen – übt die Regierung immer wieder Druck aus. Das hat sie nicht davon abgehalten, gegen die Besetzung der Kliniken vehementen Protest einzulegen. Derweil säßen tausende Christen, aber ebenso Muslime, in eritreischen Gefängnissen, erklärt Zerai: „Oft ohne Angabe von Gründen, die Angehörigen wissen nicht, wo sie abgeblieben sind oder ob sie noch leben.“

Besonders schlecht ergehe es den Gläubigen der staatlich nicht anerkannten Freikirchen. Auch der Patriarch der orthodoxen Kirche steht seit 14 Jahren unter Hausarrest. Vor kurzem seien fünf orthodoxe Mönche festgenommen worden – drei von ihnen über 70 Jahre alt. Eine Oppositionsarbeit im Inland gegen solche oder weitere Verletzungen der Menschenrechte sei unmöglich, erklärt Zerai: „Jede Art des Widerstands, die sich auch nur im Geringsten andeutet, wird sofort im Keim erstickt“. So stammen die meisten Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Eritrea auch von Flüchtlingen. Internationalen Organisationen ist die Einreise verwehrt oder wird massiv erschwert.

Keine Verfassung, keine Grundrechte

„Der Grund, warum immer mehr junge Eritreer ins Ausland gehen, ist die fehlende Rechtsstaatlichkeit“, erklärt Zerai. Das Land hat bis heute keine gültige Verfassung. „Die Menschen können deshalb ohne Grund von zu Hause abgeholt werden. Auch der Militärdienst ist zu einer legalisierten Sklaverei geworden. Den jungen Leuten wird die Möglichkeit zur Zukunft entzogen“, erklärt Zerai.

Auch der Versuch der internationalen Gemeinschaft, im Blick auf die Menschenrechtslage Druck auf Eritreas Regierung auszuüben, sei bislang gescheitert. Das Land habe sich weitgehend isoliert. „Derzeit versuchen die Staaten, Eritrea auf internationaler Ebene stärker einzubeziehen, um so eine Öffnung zu bewirken“, sagte der Priester. Im Oktober 2018 wurde das Land von der UN-Vollversammlung in den Menschenrechtsrat gewählt.

Wie die Menschenrechtslage insgesamt, so sei auch die Religionsfreiheit stark eingeschränkt und von Willkür geprägt: „Es gibt die Freiheit der Religionsausübung für einige, aber nicht für alle. Mal klappt die Zusammenarbeit besser, mal schlechter“, so Zerai. Trotz der aktuellen Eskalation steht für den Priester fest: „Die katholische Kirche wird ihr seelsorgerische, aber auch ihre soziale Arbeit fortsetzen. So sagt es schon die Bibel: Glaube ist nichts ohne echten Einsatz, ohne Werke. Der Kirche die Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nehmen, ist, als ob man ihr einen Arm amputieren würde.“

Weitere Informationen zur Lage in Eritrea liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT: religious-freedom-report.org/de/report-de/?report=1770

Um den bedrängten Christen Eritreas weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Eritrea

Nigeria boomt. Die Einwohnerzahl der größten Volkswirtschaft Afrikas hat sich nach einem Bericht der Vereinten Nationen in den letzten 30 Jahren auf fast 200 Millionen Menschen verdoppelt, damit ist es weltweit das Land mit der siebtgrößten Bevölkerung. „Eine Bevölkerung, der viel Leid widerfährt“, berichtet Schwester Jacinta Nwaohiri bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT International. Die Dominikanerschwester lebt in der Diözese Sokoto in Gusau, der Hauptstadt des im Norden gelegenen Bundesstaates Zamfara. Auf das ganze Land bezogen ist der Anteil von Christen und Muslimen in etwa gleich. Da die meisten Christen jedoch im Süden wohnen, betrage ihr Anteil im Norden jedoch nur unter fünf Prozent, so Schwester Jacinta.

Die haben es besonders schwer, denn „durch die Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias werden Christen systematisch verfolgt und ermordet, die sich der Forderung widersetzen, die Scharia in ganz Nigeria einzuführen und westliche Bildungseinflüsse abzulehnen“, beschreibt Jacinta Nwaohiri die Situation. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie hat es selbst erlebt: Auch in ihre Dörfer fiel Boko Haram eines Morgens ein, sie zerschossen alles und brannten alles nieder. Die Angst der christlichen Bevölkerung wächst, denn außerdem gibt es regelmäßig Bedrohungen durch die mehrheitlich muslimischen Nomaden aus dem Stamm der Fulani, die im gesamten Land für brutale Überfälle verantwortlich sind. „Es geschehen wieder viele Übergriffe, die unermessliches Elend bringen“, bedauert sie.

In ihrem Konvent in Gusau, dem derzeit 17 Schwestern angehören, kümmert sich Jacinta Nwaohiri vor allem um die Bildung der Bevölkerung und unterstützt arme Bauern auf der Suche nach Arbeit im Kampf gegen den Hungertod, der das Land vor massive Herausforderungen stellt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ihr in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Als großes Problem benennt sie auch die Tatsache, dass junge Mädchen im Land traditionell meist früh mit älteren Männern verheiratet werden, oft bereits im Alter von zwölf Jahren. „Wir müssen für ihre Schulbildung sorgen. Das ist der einzige Schlüssel, um ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu geben“, sagt Schwester Jancinta.

Die Ordensfrau hofft, dass die Regierung endlich Erfolge erzielt, die Gewalt im Land einzudämmen, damit die vertriebenen Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können. Sie ist sehr dankbar für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT, die im Land bereits viel Gutes bewirkt habe. So hat KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren unter anderem für die Ausbildung von elf Dominikaner-Novizinnen gesorgt und den Bau einer Einrichtung für die Schwestern mitfinanziert.
„Die Nigerianer sind trotz der vielen Probleme und des Leids im Land lebensfroh“, sagt Schwester Jacinta. „Der regelmäßige Kirchgang, unser starker Glaube und das Vertrauen auf Gott geben uns täglich Kraft und Überlebenswillen.“

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Das christliche Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

f1rstlife: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Nigeria

In Burkina Faso und Syrien insgesamt 11 Gemeindemitglieder getötet. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ trauert mit seinen Projektpartnern um die Todesopfer von zwei Gewaltakten: Am 12. Mai wurden bei einem Angriff auf die katholische Kirche in Dablo im Norden von Burkina Faso sechs Menschen getötet. Im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya kamen am selben Tag beim Raketenbeschuss einen griechisch-orthodoxen Unterrichtsklasse vier Kinder und eine Katechetin ums Leben.

Burkina Faso: Sofort das Feuer eröffnet

Unter den sechs Getöteten beim terroristischen Angriff in Burkina Faso befindet sich auch der 34-jähjrige Priester Simeon Yampa, der gerade die heilige Messe feierte. „Kirche in Not“ steht in engem Kontakt mit der Gemeinde von Dablo. 2013 hatte das Hilfswerk den Bau des dortigen Pfarrhauses und Gemeindezentrums unterstützt.

Lokale Ansprechpartner gaben gegenüber „Kirche in Not“ an, dass die Angreifer die Kapelle betraten, als gerade das „Gloria“ zu Beginn der heiligen Messe gesungen wurde. Sie eröffneten sofort das Feuer. Fünf Menschen starben im Kugelhagel. Auch der Tabernakel wurde dreimal getroffen. Simeon Yampa wollte die Messdiener in der Sakristei in Sicherheit bringen. Dort entdeckten ihn die Angreifer und erschossen ihn. Die überlebenden Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Umhänge-Kreuze und liturgische Gegenstände vor dem Altar abzulegen.

Den örtlichen Quellen zufolge hätten die Angreifer damit gedroht, wiederzukommen. Sollten bis dahin nicht alle Frauen verschleiert sein, würden sie getötet. Anschließend ließen die Terroristen die rund 120 Gottesdienstbesucher gehen und steckten die Kirche in Brand, ebenso ein Fahrzeug vor der Kirche und vor einem Gesundheitszentrum.

In Burkina Faso sind rund ein Viertel der rund 19 Millionen Einwohner christlichen Glaubens, ebenfalls ein Viertel folgt der Natur-Religion des Animismus. Die Bevölkerungsmehrheit ist muslimisch. Bislang galt das Zusammenleben der Religionen in dem Land als harmonisch. Über die Nachbarländer Mali und Niger gelangten islamistische Terrorgruppen ins Land. Sie verüben seit einigen Jahren Anschläge auf alle Bevölkerungsgruppen.

Nun scheinen vermehrt Christen im Visier der Islamisten zu stehen: So wurden seit Beginn des Jahres neben Simeon Yampa bereits zwei weitere Geistliche getötet, so zum Beispiel Ende April der Pastor einer protestantischen Gemeinde im Norden des Landes zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei weiteren Gläubigen. Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke auf eine Zollstation ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

„Terror richtet sich gezielt gegen den Glauben“

„Dass wir nur drei Wochen nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka schon wieder die Opfer eines Terroranschlages beklagen müssen, erfüllt uns mit tiefem Schmerz“, erklärte der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Österreich, Herbert Rechberger.

Damit bestätige sich der erschreckende Trend, auf den das Hilfswerk wiederholt hinweise: „Es sind nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, die Christen zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt machen. Der Terror richtet sich immer gezielter gegen den Glauben und das pastorale Wirken der Kirche. Es ist höchste Zeit, beim ,Kampf gegen den Terror‛ auch diese Perspektive miteinzubeziehen.“

Syrien: Kinder getötet und verletzt

Ebenfalls am 12. Mai erreichte „Kirche in Not“ die Nachricht, dass am Sonntagmorgen im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya nahe der Stadt Hama vier Kinder und eine Katechetin der griechisch-orthodoxen Gemeinde durch eine Rakete getötet wurden. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren befanden sich gerade im Religionsunterricht. Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Die Hintergründe der Attacke sind bislang unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen gezielten Beschuss handelt. Die Regionen Hama und Idlib sind aktuell Schauplatz einer erbitterten militärischen Offensive im Syrienkrieg.

Lokale Kirchenvertreter bezeichneten die getöteten Kinder und die Katechetin als „Märtyrer“. „Auch wenn die Umstände viele Fragen offen lassen, zeigt dieser Tod der unschuldigen Kinder einmal mehr: Dieser Krieg kennt keine Gewinner“, erklärte Rechberger. „Die Menschen in Syrien leiden unermesslich. Die christliche Minderheit hat zudem viel zu wenige politische Fürsprecher, weder national noch international. Den Angehörigen, die ohnehin schon alles verloren haben, wurde jetzt auch noch das Liebste genommen – wie so vielen Familien in diesem brutalen Krieg.“

Mit beiden Schauplätzen – in Syrien wie in Burkina Faso – verbinde „Kirche in Not“ eine intensive Beziehung der Hilfe und des Gebetes. „So unterschiedlich beide Ereignisse auch sind: Der 12. Mai war wieder ein blutiger Sonntag für die Christen. Dass es nach lateinischer Tradition der ,Sonntag des Guten Hirten‛ war, kann den Angehörigen in allem Schmerz ein Zeichen der Hoffnung sein: Der gute Hirte kennt die Seinen. Er wird seine Herde nicht verlassen, weder in Burkina Faso und Syrien noch in vielen Ländern der Welt, in denen Christen in Bedrängnis sind.“

Ausführliche Informationen über Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit finden sich unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Kirche in Not“ steht verfolgten und notleidenden Christen in 149 Ländern helfend zur Seite. Um auch weiterhin helfen zu können, bittet das katholische Hilfswerk um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Verfolgte Christen

„Nigeria ist aktuell das Land, das am meisten vom islamistischen Terror heimgesucht wird. Es ist sozusagen die neue ,Hoffnung‛ der Fundamentalisten.“ Dies erklärte der Priester Joseph Bature Fidelis bei einem Treffen mit europäischen Botschaftsvertretern beim Heiligen Stuhl Ende März in Rom. Die Begegnung wurde vom weltweiten Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert. „Zu den Attacken von Boko Haram sind jetzt noch die Übergriffe der Fulani-Hirten hinzugekommen“, sagte Fidelis, der aus dem Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias stammt.

Über 130 Todesopfer bei Attacken der Fulani

„Kirche in Not“ hat in den vergangenen Wochen dramatische Berichte aus dem Land erreicht: Im Bundesstaat Kaduna wurden nach Angaben lokaler Kirchenvertreter mehr als 130 Menschen von Angehörigen des mehrheitlich muslimischen Stammes der Fulani ermordet. Andere Quellen sprechen von höheren Opferzahlen. Über 10 000 Menschen sind wegen der Überfälle geflohen. Rund 150 Häuser wurden zerstört, wie der Priester Williams Kaura Abba aus Kaduna gegenüber „Kirche in Not“ berichtet: „Die Tötungswelle begann am 10. Februar, als die Fulani im Dorf Ungwan Barde nahe der Stadt Kajuru zehn Christen ermordeten – darunter eine schwangere Frau.“

Abba berichtete „Kirche in Not“ über einen fünfjährigen Jungen, der bei den Übergriffen durch die Fulani schwer verwundet wurde. „Zuerst haben sie versucht, ihn mit Pistolen zu töten und dann mit einer Machete, aber Gott hat ihn zum Glück beschützt“, schilderte der Priester. Daraufhin malträtierte ihn ein Hirte mit Stockschlägen. Jetzt sei der Junge gelähmt, erkläre Abba. „Dieses arme Kind hat auch eine seiner Schwestern bei der Attacke verloren, und seine Mutter kämpft nach wie vor im Krankenhaus um ihr Leben.“

Regierung greift nicht ein

Die Brutalität der Fulani sei unvorstellbar, so Abba, der auch das fehlende Eingreifen der Regierung kritisiert: „Weder der Gouverneur von Kaduna noch ein anderer Regierungsvertreter hat bislang die Betroffenen besucht oder mit den Angehörigen gesprochen.“ Allein die Kirche kümmere sich um die Menschen. Priester und Gemeindemitglieder bringen die Menschen ins Krankenhaus, organisieren Medikamente und kümmern sich um Hinterbliebene.

Am 19. März fand eine Demonstration gegen die Tötungen in der Bundeshauptstadt Abuja statt, an der sich zahlreiche Christen beteiligten. Bei der Kundgebung richtete Abba einen Appell an die Demonstranten, den er gegenüber „Kirche in Not“ wiederholte: „Wir können nicht schweigen, wenn unsere Mitmenschen abgeschlachtet werden. Wenn wir das retten wollen, was von unserer Menschlichkeit noch übrig ist, dann müssen die Regierungsbehörden furchtlos ihre Pflicht erfüllen.“

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Die Universalität der katholischen Kirche wird an vielen Orten deutlich, wo sich das Christentum in der Minderheit befindet, so auch in Marokko, einem Land mit 37 Millionen Einwohnern, von denen 99,9% Muslime und nur 0,08 Katholiken sind. Dort leistet eine kleine, aber große Kirche ihre pastorale Arbeit unter den katholischen Gläubigen. Vor allem engagiert sie sich aber für den am stärksten benachteiligten Teil der marokkanischen Bevölkerung sowie für die Tausenden von jungen Menschen, die aus der Subsahara kommend auf der Suche nach einer Zukunft im idealisierten Europa die Wüste durchqueren. Dorthin, an die Grenze zwischen Afrika und Europa, wird Papst Franziskus am 30. und 31. März reisen, und auf Einladung des Königs Mohamed VI. und der Bischöfe des Landes die Städte Rabat und Casablanca besuchen.

Anlässlich einer Fernsehsendung hat María Lozano für KIRCHE IN NOT (ACN) Msgr. Cristóbal López Romero, den Bischof von Rabat, interviewt. Der Salesianer Don Boscos schildert, was es bedeutet, in dieser Nation im Norden Afrikas zu leben und zu arbeiten.

„Die katholische Kirche existiert in Marokko“, sagt der Bischof voller Stolz gleich zu Beginn des Gesprächs. „Sie ist eine lebendige und junge Kirche, mit Gnaden gesegnet und mit dem ausgeprägten Wunsch, Zeugnis abzulegen. Das nordafrikanische Land hat zwei Kathedralen, eine in Tanger und eine zweite in Rabat. Die erste stammt aus der Zeit des spanischen Protektorats, die zweite aus der Zeit des französischen Protektorats. „In unsere Kirchen“, fährt López Romero fort, „kommen mehr junge als alte Menschen, mehr Männer als Frauen und mehr Schwarze als Weiße“. In Marokko besteht die Kirche hauptsächlich aus Ausländern, aus Gläubigen aus mehr als 100 verschiedenen Ländern. Sie arbeiten in der Regel in Unternehmen, die in Marokko Niederlassungen unterhalten. Darüber hinaus stammen viele von ihnen aus Ländern südlich der Sahara, etwa aus dem Kongo, aus Senegal oder der Elfenbeinküste. Diese kommen zum Studium in das Land und finden in der katholischen Kirche die „Geborgenheit“, die sie suchen. Die katholischen Ordensleute, die im Land arbeiten, stammen aus mehr als 40 verschiedenen Nationen. Bischof López erklärt dazu: „katholisch zu sein heißt, universal, weltumfassend zu sein“. Diese Universalität bedeutet, dass die Menschen die individuellen Besonderheiten beiseite legen und sich auf das Gemeinsame konzentrieren: „Wir schauen auf das Wichtige, auf das Wesentliche. Die Unterschiede bereichern uns, wir sind offen füreinander, und sehen den Unterschied als Chance, nicht als Problem.“

Kirche als Samariterin

Die Kirche in Marokko und die Einrichtungen, mit denen sie zusammenarbeitet, nehmen die Schwächsten unabhängig von ihrer Herkunft auf und helfen ihnen. Sie engagieren sich insbesondere innerhalb der marokkanischen Gesellschaft sowie unter den aus Ländern südlich der Sahara kommenden Einwanderern, die versuchen, Europa zu erreichen oder in Nordafrika zu bleiben. „Die Kirche setzt die Aufnahme und Fürsorge für die Bedürftigen in die Praxis um, d.h. sie ist eine samaritanische Kirche“, sagt der Interviewte. Durch die Caritas betreut Marokko Tausende von Migranten, die die Sahara durchqueren, und nach dieser harten Durchquerung gweissermaßen im Land „stecken bleiben“, ohne nach Europa gelangen zu können. „Diese Menschen müssen betreut und gehört werden. Die meisten sind bei ihrer Ankunft krank, und viele Frauen schwanger. Die Kirche „nimmt sie auf. Sie beschützt, fördert und gliedert sie ein, so wie es Papst Franziskus fordert.“ Die Arbeit der Kirche in Marokko ist so wichtig, dass „auch die muslimischen Behörden sie schätzen“.

Auf die Frage, warum junge Menschen aus Afrika fliehen, erklärt Bischof López, dass für die Mehrheit der jungen Migranten wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend sind. Sie fliehen vor Armut und Arbeitslosigkeit, viele von ihnen aber ebenfalls vor Krieg, Kampfhandlungen, Verfolgung oder Naturkatastrophen. Nach Ansicht des Bischofs von Rabat wird das Migrationsproblem in Afrika kaum zu lösen sein, solange „in Europa 30% der produzierten Lebensmittel weiterhin weggeworfen werden“, und dort „im Überfluss und prunksüchtig“ gelebt und gleichzeitig verlangt wird, dass diejenigen, „die im Elend leben, sich untätig in ihr Schicksal fügen“, und sich die Gesellschaft dieses Verhaltens nicht bewusst macht. „Es ist wenig christlich, ja unmenschlich, dass Europa seine Grenzen abschirmt, um nicht teilen zu müssen, was allen gehört und was Europa sich angeeignet hat“, bemerkt der Ordensangehörige mit empörter Stimme. Der Bischof erinnert dabei an die Worte von Papst Franziskus: „Kapitalismus tötet“. „Statt Hilfe zu leisten, sollten wir für die Rohstoffe bezahlen, die wir ausbeuten. Sorgen wir dafür, dass die multinationalen Konzerne die Steuern zahlen, die sie schulden“. Er fordert, dass Afrika nicht „mit Brosamen, sondern mit Gerechtigkeit und Entwicklungsplänen“ geholfen wird. „Ohne Liebe sind wir nichts, ohne Gerechtigkeit sind wir noch weniger“.

„Der junge Marokkaner“ – der Bischof kehrt zum vorigen Thema zurück – „ist in seinem eigenen Land eingesperrt“. Aufgrund seiner geografischen Lage leidet Marokko darunter, dass es keinen realistischen Weg aus dem Land gibt. Im Süden befindet sich die große Wüste Sahara, im Westen der Atlantik, im Osten Algerien – und die Grenze zu diesem Land ist wegen des Krieges geschlossen – sowie im Norden Europa. „Viele junge Menschen aus Marokko fragen, und weisen dabei auf Spanien hin: Warum können sie hierher kommen, und ich kann nicht dorthin fahren?“

Gibt es Religionsfreiheit in Marokko? 

Eine ganz andere Frage, auf die Franziskus sicherlich bei seiner Reise stoßen wird, ist die Lage der Religionsfreiheit im Land. Wie die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT in ihrem Bericht zur Religionsfreiheit weltweit 2018 feststellt, ist das Königreich Marokko gemäß seiner Verfassung ein souveräner muslimischer Staat. In Artikel 3 heißt es: „Der Islam ist Staatsreligion; der Staat gewährleistet allen Menschen die freie Religionsausübung.” Aber die Verfassung selbst verbietet es politischen Parteien, parlamentarische oder verfassungsmäßige Änderungen vorzunehmen, die dem Islam zuwiderlaufen. Das Europäische Parlament hat im Hinblick auf die Religionsfreiheit festgestellt, dass diese zwar in der marokkanischen Verfassung verankert ist, dass jedoch „Christen und vor allem zum Christentum konvertierte Muslime zahlreichen Formen der Diskriminierung ausgesetzt sind und es ihnen nicht erlaubt ist, eine Kirche zu betreten.“ Gemäß dem marokkanischen Strafgesetzbuch ist es Nicht-Muslimen verboten, Muslime zu bekehren bzw. deren „Glauben zu erschüttern“. Auch die Verbreitung von nichtislamischen religiösen Publikationen unterliegt Beschränkungen von staatlicher Seite.

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