
Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat im Jahr 2025 weltweit Spenden in Höhe von 145,8 Millionen Euro erhalten – das ist ein Plus von rund fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Mit diesen Einnahmen konnte KIRCHE IN NOT 5368 Hilfsprojekte in 141 Ländern unterstützen.
Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Wohltäter in Österreich: Hier erzielte KIRCHE IN NOT 2025 ein Spendenergebnis von 4,1 Millionen Euro (2024: 3,6 Millionen). Trotz anhaltender Unsicherheiten sind die Einzelspenden in Österreich sogar leicht gestiegen, wie der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Tobias Pechmann, erläuterte: „Die Großherzigkeit unserer Wohltäter ist überwältigend. Wir sehen darin auch eine starke Solidarität mit den Teilen der Weltkirche, die trotz Armut oder Verfolgung wachsen. Diese enge Verbundenheit, auch im Gebet für die leidenden Christen, ist ermutigend und ein Wesensmerkmal unserer Wohltäter.“
Die Arbeit von KIRCHE IN NOT finanziert sich rein aus privaten Spenden und erhält keine österreichweiten Kirchensammlungen, lediglich Kollekten einzelner Pfarren, die sich für arme und verfolgte Christen engagieren; die Spenden werden in den 24 Nationalbüros des Hilfswerks gesammelt.

„Unsere Wohltäter machen konkrete Hilfe für die Kirche dort möglich, wo Menschen unter Krieg, Verfolgung, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung leiden“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Ihre Unterstützung hilft, Hoffnung zu geben – oft an Orten, an denen die Kirche für viele Menschen die letzte verlässliche Struktur geblieben ist.“
Zu den am stärksten unterstützten Ländern zählten Indien, die Ukraine, der Libanon und Syrien. In dieser Region floss der Großteil der Nothilfe in die Bewältigung der Folgen anhaltender bewaffneter Konflikte.
Regional lag der Schwerpunkt der Projektförderung erneut in Afrika, das 34,5 Prozent der weltweiten Hilfen erhielt. Gründe dafür sind unter anderem die Ausbreitung islamistischer Gewalt, Fluchtbewegungen und das starke Wachstum kirchlicher Gemeinschaften. Besonders intensiv unterstützte KIRCHE IN NOT Länder wie Burkina Faso, Niger und Mali.
19,1 Prozent der Hilfe ging an die Kirche in Asien, 17,1 Prozent erhielt der Nahe Osten, Lateinamerika 16,4 Prozent und 12,8 Prozent Europa – hier gingen die Hilfen zum allergrößten Teil in die Ukraine.

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT profitierten im vergangenen Jahr weltweit über 40 000 Priester von der Unterstützung durch Messstipendien – statistisch gesehen etwa jeder zehnte Priester weltweit. Insgesamt wurden fast 1,9 Millionen Messstipendien vergeben – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Hilfswerks. Messstipendien sind freiwillige Gaben für die Feier der heiligen Messe, oft verbunden mit einem bestimmten Anliegen. In Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, sind diese Beiträge lebenswichtig.
Darüber hinaus unterstützte KIRCHE IN NOT die Ausbildung von über 13 000 Seminaristen, also jeden achten Priesteramtskandidaten weltweit. Schwerpunkt der Förderung war Afrika: Dort erhielten mehr als 8 300 Seminaristen Unterstützung.
Auch Ordensgemeinschaften wurden umfangreich gefördert: Rund 20 000 Ordensschwestern profitierten direkt oder indirekt von Projekten des Hilfswerks – etwa durch Ausbildungsförderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.
Neben pastoralen Projekten finanzierte KIRCHE IN NOT weltweit den Bau und die Renovierung kirchlicher Einrichtungen, die Ausbildung von Katecheten sowie die Verteilung religiöser Literatur. Insgesamt wurden über eine halbe Million religiöse Bücher bereitgestellt, darunter mehr als 111 000 Bibeln sowie über 214 000 Ausgaben des Jugendkatechismus YOUCAT.
Der Finanzbericht von KIRCHE IN NOT weist aus, dass 78,7 Prozent der Gesamtausgaben für „missionsbezogene Aktivitäten“ verwendet wurden: Das sind die konkreten Projekte, sowie Aufwendungen für Information, Glaubensverkündigung und Interessenvertretung für die verfolgte und leidende Kirche. Für Verwaltung wurden 8,5 Prozent, für Wohltäterbetreuung und Fundraising 12,8 Prozent aufgewendet.
KIRCHE IN NOT (ACN) ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet wurde. Seit 2011 ist sie eine Päpstliche Stiftung. KIRCHE IN NOT widmet sich durch Information, Gebet und Hilfe Christen überall dort, wo Unterdrückung und Verfolgung herrschen oder zu wenig Geld für die Seelsorge vorhanden ist.

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ruft KIRCHE IN NOT zum Gebet für die betroffenen Menschen auf und kündigt schnelle Unterstützung für die Kirche vor Ort an. Die beiden Erdstöße ereigneten sich am frühen Abend des 24. Juni (Ortszeit). Nach Angaben der örtlichen Kirche erreichten sie eine Stärke von 7,2 beziehungsweise 7,5 und verursachten Todesopfer sowie erhebliche Schäden an Häusern, öffentlichen Gebäuden und kirchlichen Einrichtungen. Tausende Menschen trauten sich zunächst nicht, in ihre Wohnungen zurückzukehren.
Besonders betroffen sind nach Angaben der lokalen Partner von KIRCHE IN NOT auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen. Viele von ihnen haben trotz erheblicher Schäden ihre Türen geöffnet, um Familien aufzunehmen, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können.
Der Erzbischof der venezolanischen Hauptstadt Caracas, Raúl Biord Castillo, verschaffte sich unmittelbar nach den Beben einen Überblick über die Lage. „Ich bin gerade von einem Besuch mehrerer Pfarren zurückgekehrt. Viele von ihnen weisen schwere strukturelle Schäden auf“, berichtete er gegenüber KIRCHE IN NOT. Besonders betroffen seien die Kathedrale von Caracas sowie zahlreiche weitere Pfarren. Aufgrund von Strom- und Internetausfällen sei das volle Ausmaß der Schäden jedoch noch nicht absehbar.

Auch die Diözese La Guaira, der bedeutendsten Hafenstadt Venezuelas, wurde schwer getroffen. Bischof Pablo Modesto González Pérez erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass das Priesterseminar der Diözese, das seit Jahren von KIRCHE IN NOT unterstützt wird, erhebliche Schäden erlitten habe: „Im Seminar sind viele Mauern eingestürzt.“ Die Seminaristen mussten evakuiert werden. Sie warten auf einem Parkplatz, während die Statik ihres Wohngebäudes geprüft wird. Mehrere Kirchen in der Region seien ebenfalls beschädigt worden.
Nach Angaben der Ortskirche wurden bereits erste Hilfsmaßnahmen gestartet. Viele Gemeinden hätten Menschen aufgenommen, die die Nacht nicht in ihren Wohnungen verbringen konnten. Gleichzeitig laufen technische Prüfungen, um zu entscheiden, welche Kirchengebäude wieder genutzt werden können.

KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Kirche in Venezuela. Die genaue Schadenshöhe und die dringendsten Bedarfe werden derzeit noch erhoben. Schon jetzt steht jedoch fest, dass das Hilfswerk die Kirche in Venezuela bei der Bewältigung der Folgen der Erdbeben unterstützen wird.
Marco Mencaglia, Projektdirektor von KIRCHE IN NOT, erklärte: „Venezuela ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktland unseres Hilfswerks. Jetzt haben die Menschen Vorrang. Die Kirche tut in dieser Krise das, was sie immer tut: Sie öffnet ihre Türen, begleitet diejenigen, die alles verloren haben, und bringt Hoffnung dorthin, wo Angst eingezogen ist.“ KIRCHE IN NOT ruft dazu auf, für die Menschen in Venezuela zu beten und die Hilfe für die Kirche vor Ort zu unterstützen.
Innerhalb weniger Monate ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour im Distrikt Nabatäa nahezu verschwunden: Von rund 120 Gläubigen leben heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Für den maronitischen Pfarrer Youssef Semaan ist diese Entwicklung mehr als eine Folge der anhaltenden Kämpfe. Sie stellt für ihn auch die Frage, ob das, was über Jahrzehnte an Vertrauen und Zusammenhalt gewachsen ist, den Krieg überstehen kann. Aktuell hat er daran große Zweifel, wie er im Gespräch mit KIRCHE IN NOT erklärte.
„Vor vielen Jahren beschloss ich, nach Al-Kfour zurückzukehren, um Zeugnis davon zu geben, dass Vergebung möglich ist. Doch der aktuelle Krieg zerstört nach und nach das Vertrauen. Das Zusammenleben wird immer schwieriger“, erklärte Semaan.
Mit Al-Kfour verbindet ihn eine besondere und schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester – in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden –, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.

Trotz dieses Schicksals entschied sich Youssef Semaan, selbst Priester zu werden – und dort als Seelsorger zu wirken, wo sein Vater entführt wurde. Für ihn war das ein bewusstes Zeichen: Gewalt sollte nicht das letzte Wort behalten. Nun erlebt er erneut, wie der Krieg Menschen aus ihrer Heimat drängt – und das gewachsene Miteinander zerstört.
Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien nach Beirut oder Sidon geflohen. Manche hätten keine Möglichkeit gehabt zu bleiben, andere hätten ihre Existenz zurücklassen müssen. „Einige hatten nicht die Mittel, um wegzugehen. Andere besitzen Vieh und konnten sich nicht damit abfinden, es zurückzulassen“, berichtete der Priester.

Der Südlibanon ist seit Beginn der Militäroffensive in Reaktion auf den islamistischen Terrorangriff in Israel erneut zur Kampfzone geworden. Ziel sind Hisbollah-Stellungen in der Region. Aber immer mehr geraten auch zivile Ziele ins Fadenkreuz. Betroffen sind auch die Christen, von denen es verhältnismäßig viele im Südlibanon gibt.
Auch Semaan selbst musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen. In den vergangenen Monaten konnte er zweimal zurückkehren; mit den verbliebenen Familien hält er täglich über Nachrichten Kontakt.
Die Lage hat sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser zerstört, die Gemeindemitgliedern gehörten. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. „Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden“, sagte Semaan. Viele Familien stünden inzwischen vor einer Entscheidung, die weit über die aktuelle Krise hinausreiche: bleiben und ihr Leben riskieren – oder ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird.

Trotz allem hält der Priester an der Hoffnung fest: „Wir bewahren uns die Hoffnung. Aber Hoffnung allein reicht nicht aus. Sie muss sich auf konkrete Grundlagen stützen, die es uns ermöglichen, wieder aufzubauen und weiterzuleben.“ KIRCHE IN NOT unterstützt im Libanon weiterhin pastorale und humanitäre Hilfen für Gemeinden und Familien, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind.
Während Millionen Menschen weltweit die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen, erinnert KIRCHE IN NOT daran, dass für viele Menschen aus den teilnehmenden Ländern ein grundlegendes Menschenrecht weiterhin nicht selbstverständlich ist: die Freiheit, den eigenen Glauben auszuüben.
Nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT ist die Religions- oder Weltanschauungsfreiheit in 14 der 48 Teilnehmerländer der Fußball-Weltmeisterschaft erheblich eingeschränkt. In drei dieser Staaten dokumentiert der Bericht religiöse Verfolgung, in elf weiteren schwere Formen der Diskriminierung.
Dieser Anteil von 30 Prozent der Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit entspricht in etwa dem weltweiten Befund des Berichts von KIRCHE IN NOT: Er stuft 62 von untersuchten 196 Ländern in die Kategorie „orange“ für Diskriminierung oder in die rote Kategorie für religiöse Verfolgung ein.

Besonders gravierend ist die Situation laut dem Bericht unter anderem im Iran und in Saudi-Arabien. Dort schränkten gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben die Religionsfreiheit erheblich ein – insbesondere für Konvertiten und Angehörige religiöser Minderheiten. Verstöße könnten mit Festnahmen, Haftstrafen und teilweise sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
Auch in der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Lage angespannt. Dort verschärfen anhaltende Gewalt und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen im Osten des Landes seit Jahren die Situation für die Bevölkerung.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Haiti dar. Bewaffnete Banden kontrollieren dort weite Teile des Landes und behindern wiederholt die Arbeit von Kirchen und religiösen Organisationen. Religiöse Verantwortungsträger waren in den vergangenen Jahren immer wieder Betroffene von Entführungen und Gewalt.

Mexiko, eines der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft, steht wiederum für eine andere Form der Bedrohung: Nicht staatliche Restriktionen, sondern organisierte Kriminalität und Drogenkartelle setzen dort kirchliche Mitarbeiter, Priester und Seelsorger zunehmend unter Druck.
Weitere Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit sind laut dem Bericht unter anderem Marokko, Tunesien, Algerien, Jordanien, Katar, Ägypten, die Türkei sowie Usbekistan. Religiöse Minderheiten, darunter Christen, Angehörige der Bahai-Religion und einzelne muslimische Gemeinschaften, sind dort weiterhin in unterschiedlichem Maße Diskriminierung sowie Einschränkungen bei der Ausübung und dem Bekenntnis ihres Glaubens ausgesetzt.

In Algerien ist der Islam verfassungsrechtlich als Staatsreligion verankert, was die rechtliche und gesellschaftliche Stellung anderer Glaubensgemeinschaften stark einschränkt. Obwohl die Verfassung formell die Religionsfreiheit garantiert, wird diese durch restriktive Gesetze – insbesondere die Verordnung 06-03 – in der Praxis massiv beschnitten. Besonders Konvertiten, Ahmadis und protestantische Christen sind von systematischen Kirchenschließungen, Blasphemie-Vorwürfen und Haftstrafen betroffen. Da auch die Missionierung von Muslimen unter Strafe steht und staatliche Eingriffe zunehmen, wird die Lage der Religionsfreiheit insgesamt als besorgniserregend eingestuft.
Auch in Jordanien ist der Islam als Staatsreligion verankert, weshalb keine umfassende Religionsfreiheit herrscht, obwohl die Verfassung formell die Gleichheit der Bürger garantiert. Während anerkannte christliche Minderheiten weitgehend das Recht auf freie Religionsausübung genießen und politisch im Parlament repräsentiert sind, stehen nicht anerkannte Gruppen wie die Bahai vor erheblichen rechtlichen Hürden. Besonders prekär ist die Lage für Konvertiten vom Islam, die zwar keine staatlichen Strafen, aber extremen gesellschaftlichen Druck sowie gravierende zivilrechtliche Folgen durch Scharia-Gerichte wie den Verlust von Erbansprüchen oder die Annullierung der Ehe befürchten müssen. Trotz vereinzelter christenfeindlicher Übergriffe und des politischen Erstarkens islamistischer Kräfte gilt das Verhältnis zwischen den Religionen als weitgehend friedlich, was maßgeblich durch die aktive Toleranzförderung des jordanischen Königshauses gestützt wird.
In Argentinien ist die Religionsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert, wobei der Staat den römisch-katholischen Glauben besonders stützt. Trotz eines besorgniserregenden Anstiegs antisemitischer Vorfälle und vereinzelter Vandalismen an Kirchen wird die Lage aufgrund eines starken interreligiösen Dialogs und einer die Glaubensrechte schützenden Justiz insgesamt als positiv bewertet.

„Die Weltmeisterschaft bringt Menschen aus allen Kulturen, Religionen und Nationen zusammen. Sie ist auch eine Gelegenheit, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, denen Millionen Menschen weltweit bei der Ausübung ihres Grundrechts auf Religions- oder Glaubensfreiheit weiterhin gegenüberstehen“, erklärte Marta Petrosillo, die Chefredakteurin von „Religionsfreiheit weltweit“.
Zugleich verweist „Kirche in Not“ auf Zeichen der Hoffnung. So sei die Nationalmannschaft des Irak ein Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft gemeinsam auftreten können. Unter den Spielern befinden sich auch Christen – in einem Land, in dem ihr Bevölkerungsanteil inzwischen unter einem Prozent liegt. Petrosillo rief Regierungen weltweit dazu auf, Religionsfreiheit aktiv zu schützen: „Jeder Mensch muss seinen Glauben frei ausüben, wechseln oder teilen können – ohne Diskriminierung oder Verfolgung befürchten zu müssen.“
Der vollständige Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“ dokumentiert die Menschenrechtslage in 196 Ländern und für alle Religionen. Der Bericht erscheint alle zwei Jahre und ist online abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at
Bischof Osório Citora Afonso war ein Freund und Partner von KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk zeigt sich tief erschüttert über seinen Tod.
Auch Tage nach der Ermordung des Bischofs von Quelimane in Mosambik reißen Bestürzung und Beileidsbekundungen nicht ab. Die Hintergründe der Tat sind jedoch weiterhin ungeklärt.
Am Sonntag, den 7. Juni 2026, veröffentlichte die Pressestelle des Vatikans eine Erklärung von Papst Leo XIV., der sich derzeit auf Spanienreise befindet. Darin heißt es, der Papst habe „die Nachricht von der schweren Gewalttat, die zum Tod Seiner Exzellenz Osório Citora Afonso geführt hat, mit tiefer Trauer aufgenommen“.
Weiter hieß es in der Mitteilung, Leo XIV. sei „im Gebet mit der Diözese und dem Volk von Mosambik verbunden“ und bitte darum, dass „der Herr ihnen Trost schenke, jeden Mann und jede Frau in seiner Liebe behüte und die Hand der Gewalttätigen zurückhalte.“
Die mosambikanischen Behörden untersuchen weiter die Ereignisse in den frühen Morgenstunden des Samstags in Quelimane. Bischof Alfonso wurde mit einer Schussverletzung in der Brust, nahe dem Herzen, in einem Flur seiner Residenz aufgefunden. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die Täter über die Mauer des Gebäudes geklettert, das Sicherheitssystem außer Betrieb gesetzt und anschließend mit einer Militärwaffe geschossen haben. Der Nationale Kriminalpolizeidienst Mosambiks (Sernic) beschrieb die Waffe als modernisierte Kalaschnikow (AK-M).

Das Verbrechen hat in der Kirche von Mosambik und in ganz Afrika tiefe Erschütterung ausgelöst. Das Symposium der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) veröffentlichte eine von Kardinal Fridoline Ambongo unterzeichnete Erklärung, die KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegt. Darin wird der Mord als „barbarische Tat“ verurteilt und eine umfassende und gründliche Untersuchung gefordert.
„Diese abscheuliche Tat, begangen an einem Hirten des Volkes Gottes, stellt nicht nur einen Angriff auf das Leben und die Würde eines frommen Dieners des Evangeliums dar, sondern auch einen Angriff auf die Grundwerte des Friedens, der Gerechtigkeit, der Menschenwürde und der Religionsfreiheit – Prinzipien, die für das Wohlergehen und die Entwicklung jeder Gesellschaft unerlässlich sind.“
Weiter heißt es: „Wir verurteilen dieses barbarische Verbrechen aufs Schärfste und vorbehaltlos. Kein religiöser Führer, unabhängig von seinem Glauben oder seiner Konfession, sollte Ziel von Gewalt sein. Diejenigen, die ihr Leben dem Dienst an Gott und der Förderung von Versöhnung, Solidarität, Bildung, Nächstenliebe und dem Gemeinwohl widmen, verdienen Schutz und Respekt – nicht Verfolgung oder Tod.“
„Im Namen des Symposiums der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar (SECAM) appellieren wir an die Regierung der Republik Mosambik und alle zuständigen Behörden, unverzüglich, umfassend, transparent und unabhängig zu ermitteln. Wir fordern, dass alle Verantwortlichen – direkte Täter ebenso wie Komplizen oder Anstifter – unverzüglich identifiziert, strafrechtlich verfolgt und vor Gericht gestellt werden. Das Volk von Mosambik, die katholische Kirche und die internationale Gemeinschaft verdienen die Wahrheit.”
Zugleich fordern die afrikanischen Bischöfe einen besseren Schutz aller Seelsorger. Sie betonen, dass „die Religionsfreiheit ein grundlegendes Menschenrecht und eine Säule jeder demokratischen und friedlichen Gesellschaft ist. Der Staat trägt die Verantwortung dafür, dass alle Bürger ihren Glauben frei und sicher ausüben können, ohne Angst vor Einschüchterung, Gewalt oder Verfolgung.“

Bischof Osório Citora Afonso war ein geschätzter Freund von KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk erinnert an eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Bischof.
Ulrich Kny, einer der Projektverantwortlichen von KIRCHE IN NOT für Afrika, hob diese Verbundenheit in einem Schreiben hervor, das er am Sonntag an führende Vertreter der Kirche in Mosambik sandte. Darin spricht er von dem „unauslöschlichen Eindruck“, den der verstorbene Bischof bei allen hinterlassen habe, die „das große Glück hatten, mit ihm zusammenzuarbeiten“. Zugleich würdigte Kny eine „sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die es uns ermöglichte, an einigen seiner wertvollen Initiativen zur Unterstützung der Kirche in Mosambik teilzunehmen“.
Ulrich Kny bekräftigte die tiefe Bestürzung von KIRCHE IN NOT über die Ermordung des Bischofs. Sein Tod hinterlasse „eine große Lücke“, nicht nur in seiner Diözese, sondern in der gesamten Kirche dieses portugiesischsprachigen afrikanischen Landes.
KIRCHE IN NOT äußerte außerdem den Wunsch, dass die Kirchenführer in Mosambik die nötige Kraft und Gottes Segen finden mögen, um die Gläubigen weiterhin auf dem Weg des Herrn zu führen.
Die Dschihadisten, die in der nördlichen Provinz Cabo Delgado in Mosambik einen Aufstand führen, versuchen nach Einschätzung des Bischofs von Pemba, António Juliasse, ein Kalifat nach dem Vorbild des Islamischen Staates zu errichten. In einer an KIRCHE IN NOT gesendeten Nachricht bestätigte der Bischof: „Die Anzeichen sind alle da: Sie sprechen offen von einem Kalifat. Wenn sie auf Menschen treffen, wenn sie sie entführen, sagen sie genau das: dass sie für ein Kalifat arbeiten.“
Die dschihadistischen Anschläge in der Provinz Cabo Delgado, in der das Bistum Pemba liegt, begannen 2017. Zunächst griffen die Milizen vor allem Militär- und Regierungsgebäude an. In den vergangenen Jahren nahmen sie in der mehrheitlich muslimischen Region Mosambiks jedoch zunehmend eine antichristliche Haltung ein.
Mehr als 300 Katholiken wurden ermordet, viele durch Enthauptung. Mindestens 117 Kirchengebäude wurden zerstört, darunter Kapellen und historische Kirchen wie jene in Meza am 30. April 2026. Angreifer setzten dort die Kirche, das Pfarrbüro sowie weitere Gebäude des kirchlichen Geländes in Brand, darunter auch einen Kindergarten. Es gab zwar keine Toten, aber Medienberichten zufolge wurden mindestens 22 Menschen gefangen genommen.
Dieses Ausmaß an Gewalt und die antichristliche Rhetorik wirkten sich zunehmend auf die Bevölkerung aus, erklärte Bischof António Juliasse gegenüber KIRCHE IN NOT. „Was mich beunruhigt, ist die Hassrede, die mit der Gewalt einhergeht. Lange Zeit war die Religion einer der Aspekte, die das Zusammenleben erleichterten. Jetzt aber wird sie zu einem Hindernis, sie beginnt zu spalten.

Früher nahmen Christen in den Dörfern von Cabo Delgado an muslimischen Beerdigungen teil und umgekehrt. Jetzt wird dies in Frage gestellt – und das liegt nicht an den Christen!“ Das sei ein Umstand, der die Regierung und die gesamte Gesellschaft beunruhigen sollte, „bevor es zu spät ist“, schloss er.
Bischof António Juliasse erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT weiter: „Schweigen mag ein Zeichen der Vorsicht sein“, könne aber auch als „Desinteresse“ am Leid der Menschen in Cabo Delgado gedeutet werden. „Schweigen ist immer gefährlich“, betont er. „Es ist schwer zu deuten und führt zu Verwirrung. Deshalb habe ich immer gesagt, dass wir uns der Lage stellen, unsere Stimme erheben, die Menschen anleiten und ihnen sagen müssen, was zu tun ist, was sie erwarten können und was wir gemeinsam tun können. Wir müssen diese Diskussion als Nation führen. Aber ich glaube nicht, dass wir damit richtig umgehen.”
Die Kirche in Mosambik habe zugleich deutlich gemacht, dass militärische Gewalt nicht die einzige Lösung sein könne. „Kürzlich haben wir eine Hirtenbotschaft veröffentlicht, in der wir gegen die Lage in Cabo Delgado protestieren, aber auch auf alternative Wege hinweisen“, erklärte Bischof Juliasse. „Ich glaube nicht, dass die militärische Option die einzige Lösung ist. Wir müssen andere Wege finden, darunter einen, den Mosambik bereits kennt: den Weg des Dialogs. Die Menschen in Mosambik müssen miteinander sprechen, damit dieser Krieg enden kann.”

Dies habe besondere Bedeutung für eine Zukunft des Zusammenlebens, da „viele von denen, die in den Wäldern kämpfen, aus Mosambik stammen; sie sind Söhne dieses Landes, sie sind Teil davon. Es mag einige Ausländer geben, aber wir müssen den Dialog suchen und den Mut haben, uns dem zu stellen.”
Die seit neun Jahren andauernde Rebellion im Norden Mosambiks hat das Land, das ohnehin zu den ärmsten der Welt zählt, schwer getroffen. Seit Oktober 2017 forderten die Kämpfe mehr als 6300 Todesopfer; mehr als eine Million Menschen wurden vertrieben. „Das ist eine Lage, die uns sehr schmerzt, aber wir dürfen die Hoffnung nicht verlieren“, sagte der Bischof von Pemba gegenüber KIRCHE IN NOT.
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche in Mosambik bei ihren Bemühungen, sich dieser Herausforderung zu stellen. Das Hilfswerk leistet Nothilfe, bietet psychologische und soziale Unterstützung und hilft beim Wiederaufbau der beschädigten Infrastruktur.
Die Demokratische Republik Kongo leidet nicht nur unter der aktuellen Ebola-Epidemie: Die Menschen im Osten des zentralafrikanischen Landes fühlen sich angesichts der anhaltenden Gewalt bewaffneter Gruppen von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen. Das hat der Generalvikar der Erzdiözese Bukavu, Floribert Bashimbe, bei einem Besuch bei KIRCHE IN NOT (ACN) beklagt. „Wir fühlen uns nicht isoliert, wir fühlen uns verlassen“, sagte der Priester.
Besonders dramatisch sei die Lage in der Region rund um die Städte Bukavu und Goma an der Grenze zu Ruanda. Die Rebellengruppe M23 habe ihre Kontrolle in den vergangenen Jahren immer weiter ausgedehnt. Die Bevölkerung leide massiv unter den Folgen der Gewalt. „Die Bergleute können keine Erze mehr abbauen, und die Landwirtschaft ist aufgrund der unsicheren Lage zum Erliegen gekommen“, erklärte der Generalvikar. Die M23 kontrolliere inzwischen viele Rohstoff-Minen und vertreibe vielerorts die einheimische Bevölkerung.
Angesichts dieser Entwicklung seien die Priester ausdrücklich aufgefordert worden, in ihren Gemeinden zu bleiben. Die Sorge sei groß, dass andernfalls die Milizen noch mehr Dörfer unter ihre Herrschaft bringen könnten. Vielerorts seien die Priester inzwischen die letzten sichtbaren Zeichen von Hoffnung und Normalität geworden. „Wenn die Kirchenglocken läuten, wissen die Gläubigen, dass der Priester noch da und ein Leben in diesem Dorf weiterhin möglich ist“, sagte Bashimbe.

Zugleich berichtete der Generalvikar von wachsender Not und Isolation der Bevölkerung. Viele Seminaristen könnten wegen der unsicheren Lage ihre Familien seit Monaten nicht besuchen. Die Kirche versuche deshalb, die angehenden Priester mit Kleidung, Hygieneartikeln und Schulmaterial zu unterstützen. Auch die allgemeine Versorgungslage verschlechtere sich zunehmend. Zusätzlich belasten immer wieder Gesundheitskrisen wie Ebola-Ausbrüche Teile der Demokratischen Republik Kongo und verschärfen die ohnehin fragile humanitäre Lage.
Bashimbe betonte, dass die Kirche eine Vermittlerrolle einnimmt. „Bislang wurden die kirchlichen Einrichtungen respektiert“, erklärte er mit Blick auf das Verhältnis zur M23. Immer wieder gelinge es der Kirche auch, bei willkürlichen Verhaftungen von Gläubigen Lösungen zu finden. Mit Blick auf die Ursachen des Konflikts verwies der Generalvikar auf die reichen Bodenschätze im Osten der Demokratischen Republik Kongo. „Die Menschen hier haben nie vom Rohstoffabbau profitiert“, beklagte Bashimbe. „Nun sterben sie wegen Bodenschätzen, die ihnen selbst überhaupt nichts nützen.“

Seit Jahrzehnten kämpfen in der Demokratischen Republik Kongo militante Gruppen um die Kontrolle über Rohstoffe wie Gold und Coltan, das unter anderem für Smartphones und Batterien benötigt wird. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden durch die Konflikte in der Region Millionen Menschen vertrieben. UN-Experten werfen Ruanda die Unterstützung der M23-Miliz vor; Ruanda weist diese Vorwürfe zurück.
Auch wenn in dem Konflikt wirtschaftliche und politische Interessen im Vordergrund stehen, greifen islamistische Einheiten immer wieder gezielt Kirchen und christliche Einrichtungen an. Dafür werden vorrangig die Kämpfer der Allied Democratic Forces (ADF) verantwortlich gemacht, die Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ unterhalten sollen.
Der von KIRCHE IN NOT herausgegebene Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ spricht von „brutalen Massakern“ und sieht die Demokratische Republik Kongo unter den Ländern, in denen schwere religiöse Verfolgung herrscht – obgleich rund 95 Prozent der Einwohner Christen sind.
Der Vorsitzende der kubanischen Bischofskonferenz hat eindringlich vor einer Verschärfung der humanitären und sozialen Krise auf der Karibikinsel gewarnt. Bischof Marcelo Arturo González Amador aus Santa Clara, sprach gegenüber KIRCHE IN NOT von einem Klima aus Angst, Hoffnungslosigkeit und existenzieller Not. „Es ist der schwierigste und traurigste Moment in der Geschichte unseres Volkes, an den ich mich erinnern kann“, sagte der Bischof. „Alles ist ein Kampf ums Überleben.“
Besonders betroffen seien arme und ältere Menschen sowie alleinerziehende Mütter. In vielen Pfarren suchten verzweifelte Menschen Hilfe, weil sie tagelang nichts gegessen hätten. Die anhaltenden Stromausfälle verschärften die Lage zusätzlich, da Lebensmittel oft nicht gekühlt werden könnten.
Auch das Gesundheitssystem befinde sich in einem alarmierenden Zustand. Nach Angaben des Bischofs könnten in manchen Krankenhäusern keine Operationen mehr durchgeführt werden, weil Wasser, medizinisches Material und selbst einfachste Hilfsmittel fehlten. Familien seien häufig gezwungen, Medikamente oder Operationsmaterial über Verwandte im Ausland zu organisieren.

Neben der wirtschaftlichen Not beobachtet González eine tiefe psychische Erschöpfung der Bevölkerung. „In den Gesprächen mit den meisten Menschen spürt man Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Unsicherheit. Die Angst regiert“, erklärte González. Viele Menschen fürchteten zudem eine militärische Eskalation mit den Vereinigten Staaten. „Die Angst vor einem Krieg ist enorm und gehört zu den täglichen Sorgen vieler Menschen“, sagte er.
Zugleich warnte der Bischof vor den Folgen der anhaltenden Emigrationswelle. „Wer auswandern kann, tut es“, sagte González Amador. Zurückbleibe „eine immer älter werdende Bevölkerung, ohne Ressourcen und mit minimalen Renten“. Auch die zunehmende Kriminalität und Unsicherheit belasteten die Bevölkerung schwer.
Trotz aller Schwierigkeiten versuchten Ordensschwestern, Priester und Laien weiterhin, den Menschen beizustehen. In vielen Gemeinden organisierten Gläubige kleine Suppenküchen oder Essenslieferungen für kranke und ältere Menschen. González berichtete von einer Einrichtung, die mehr als 300 Menschen versorge und zuletzt improvisieren musste, weil die vorhandenen Lebensmittel nicht ausreichten. „Die Menschen sehen, dass die Kirche teilt, dass sie gibt, was sie hat“, sagte der Bischof.

Die Kirche selbst leide jedoch ebenfalls unter massiven Einschränkungen. Hohe Preise und Treibstoffmangel erschwerten die Seelsorgearbeit erheblich. „Wir betreiben eine ‚Seelsorge des Erhaltens‘“, erklärte González. Trotzdem bleibe die Kirche bewusst an der Seite der Bevölkerung. „Auch wenn viele die Insel verlassen, bleibt die Kirche“, betonte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

„Unser Grenzort Yaroun ist heute zutiefst verwundet“, sagte Nadaf, Pfarrer der melkitischen Gemeinde St. Georg in Yaroun. Anfang Mai seien der Pfarrsaal, der zuletzt als Notkirche diente, das Jugendzentrum der Pfarre sowie das Kloster der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen mitsamt ihrer Schule zerstört worden. Eine vollständige Schadensaufnahme sei derzeit nicht möglich, da der Zugang zum Dorf weiterhin gefährlich sei. „Zweifellos ist dies eine der größten Katastrophen, die unser Dorf je erlebt hat“, erklärte Nadaf.
Der Ort Yaroun liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus schiitischen Muslimen; zugleich gibt es dort seit Jahrhunderten eine christliche Gemeinde. Seit Beginn der Kämpfe im Oktober 2023 gehört Yaroun zu den besonders betroffenen Orten im Südlibanon. Bereits kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen mussten sämtliche Bewohner flüchten. Kirchen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Zwischenzeitlich waren einige christliche Familien nach Yaroun zurückgekehrt. Sie hatten versucht, beschädigte Häuser notdürftig zu reparieren und das Gemeindeleben wieder aufzunehmen.

Doch mit der erneuten Eskalation Anfang 2026 seien sämtliche Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr erneut zerstört worden. „Seit Beginn des Krieges leben die Familien im Exil, geprägt von Ungewissheit und großer Hilflosigkeit“, sagte Pfarrer Nadaf. Viele Vertriebene seien inzwischen in andere Orte des Südlibanon oder in den Norden des Landes geflohen.
Besonders besorgt zeigte sich der Priester, was die Zukunft der Christen in der Region angeht. „Die vertriebenen Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Sie bitten nur darum, in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen, in Frieden mit allen zu leben und im Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“, betonte er. Neben humanitärer Hilfe brauche es vor allem Sicherheit und Perspektiven, damit die verbliebenen Christen nicht endgültig aus der Region gedrängt würden.
„Kirche in Not“ unterstützt christliche Gemeinden im Libanon unter anderem mit Nothilfe, Seelsorgeprojekten sowie Hilfen für Ordensgemeinschaften und kirchliche Schulen. Der Libanon leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; die jüngsten Kämpfe im Süden des Landes haben die Lage vieler Familien zusätzlich verschärft.
Der seit drei Jahren andauernde Bürgerkrieg im Sudan darf nach Ansicht des Comboni-Missionars Pater Diego Dalle Carbonare nicht aus dem Blick der Weltöffentlichkeit geraten. Bürger seien aufgerufen, sich gegen Waffenhandel und andere Formen der Unterstützung bewaffnete Konflikte zu wenden. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT (ACN) warnte der Ordensmann vor den dramatischen Folgen des Konflikts und appellierte: „Was im Sudan geschieht, was Zivilisten, Kindern und Frauen widerfährt, geht uns alle an.“
Der Missionar, der bereits in Ägypten, im Libanon und Sudan tätig war, kritisierte insbesondere den internationalen Handel mit Waffen und Rohstoffen. Dieser trage dazu bei, Konflikte wie den im Sudan weiter anzufachen. „Als Bürger haben wir die Pflicht, von unseren Regierungen zu verlangen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um Kriege zu beenden oder zumindest den Handel mit Waffen und Gold zu regulieren, denn genau das finanziert Kriege wie den im Sudan.“
Nach Angaben der Vereinten Nationen zählt der Bürgerkrieg im Sudan derzeit zur schwersten humanitären Krise weltweit. Auch die christliche Minderheit leidet massiv unter den Folgen. Vor Beginn der Kämpfe lebten rund eine Million Christen im Sudan.
Nachdem die sudanesische Armee zuletzt wieder die Kontrolle über Teile der Hauptstadt Khartum übernommen hat, konnten dort erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder Gottesdienste gefeiert werden. „Nach 27 Monaten Krieg konnten wir wieder die heilige Messe feiern und das Bußsakrament spenden“, berichtete Pater Diego. Gerade die Beichte helfe vielen Menschen dabei, „das Kapitel des Leidens abzuschließen und den Wiederaufbau in Angriff zu nehmen“.

Neben der seelsorglichen Arbeit stehe die Kirche im Sudan jedoch auch vor enormen gesellschaftlichen Herausforderungen. Zahlreiche katholische Schulen seien zerstört, viele Familien vertrieben worden. Pater Diego berichtete von Lehrkräften, die gefoltert oder getötet wurden.
Gleichzeitig erlebe er immer wieder bewegende Zeugnisse des Glaubens. So erzählte der Missionar von einer verwitweten Lehrerin, die von Kämpfern der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) bedroht worden sei. Sie habe ihren Angreifern den Bibelvers entgegnet: „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (vgl. Mt 26,52). Die Männer seien daraufhin erschrocken geflohen und später zurückgekehrt, um sie um Vergebung zu bitten.

Für die christlichen Gemeinden im Sudan seien Gebet und internationale Solidarität von großer Bedeutung, betonte Pater Diego. „Wir sind auf Gebet und Hilfe angewiesen; es gibt noch sehr viel zu tun.“ KIRCHE IN NOT unterstützt derzeit 15 Projekte im Sudan. Dabei geht es unter anderem um die Seelsorge, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten sowie den Wiederaufbau kirchlicher Strukturen.
Im Sudan herrscht seit April 2023 Bürgerkrieg zwischen Armee (Sudanese Armed Forces, SAF) und der paramilitärischen Miliz RSF. Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden bislang mehr als 12 Millionen Menschen vertrieben, Millionen weitere sind von Hunger bedroht. Schätzungen gehen von bis zu 150 000 Todesopfern aus. Nachdem mehrere internationale Vermittlungsversuche gescheitert sind, ist ein Waffenstillstand derzeit nicht in Sicht.
Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, hat die Lage im Land angesichts des anhaltenden Krieges als „sehr schwierig“ beschrieben. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT sprach der Botschafter des Heiligen Stuhls von wachsender Erschöpfung in der Bevölkerung und schweren Belastungen für Familien – aber auch von einer zunehmenden Suche nach Glauben und Orientierung.
Nach über vier Jahren Krieg würden die Folgen der Dauerbelastung immer deutlicher spürbar. Viele Menschen litten unter Schlafmangel wegen nächtlicher Angriffe und seien psychisch erschöpft. Dennoch versuchten zahlreiche Familien weiterhin, ihren Alltag unter schwierigsten Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Besonders die zurückliegenden Wintermonate seien für viele Menschen hart gewesen. „Viele Familien hatten weder Heizung noch Strom“, erklärte Kulbokas. Zwar unterstützten humanitäre Organisationen die Bevölkerung weiterhin etwa mit Generatoren oder Kochgeräten, doch bleibe der Bedarf groß.
Vor allem in Frontnähe sei der Alltag weiterhin von Angst und Unsicherheit geprägt. Wegen Drohnenangriffen und Minengefahr könnten sich Menschen oft nur zu bestimmten Tageszeiten bewegen, sagte der Nuntius. Auch der Zugang zu Wasser, Lebensmitteln oder medizinischer Versorgung bleibe vielerorts problematisch.

Besonders betroffen seien Kinder und Familien. In einigen Regionen finde Unterricht weiterhin in unterirdischen Schutzräumen statt. Gleichzeitig veränderten Fluchtbewegungen ganze Städte und Gemeinden: Während manche Orte stark an Bevölkerung verloren hätten, nähmen andere Regionen zahlreiche Vertriebene auf.
Trotz der schwierigen Lage bleibe die Kirche in vielen Regionen präsent. Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter leisteten weiterhin humanitäre Hilfe und begleiteten die Menschen seelsorglich. Auch an der Front seien Priester im Einsatz. „Manchmal besteht ihre Aufgabe einfach darin, bei den Menschen zu bleiben; sie beten und feiern die Messe in Luftschutzkellern und Bunkern – oft in Situationen ständiger Gefahr aufgrund drohender Angriffe“, sagte Kulbokas.
Zugleich beobachte er eine wachsende Offenheit für religiöse Fragen. „Die Sehnsucht nach Gott nimmt in der Nähe der Front signifikant zu“, erklärte der Nuntius. Als Beispiel schilderte Kulbokas die Geschichte eines jungen Mannes, der durch den Krieg vertrieben worden sei und ursprünglich weder ein Kreuz noch eine Kirche gekannt habe. Durch die Begegnung mit einem Priester habe er zum Glauben gefunden und sei später ins Priesterseminar eingetreten.

Der Heilige Stuhl engagiere sich weiterhin bei humanitären Fragen, etwa mit Blick auf Gefangene, Vertriebene und die Rückführung ukrainischer Kinder aus Russland, betonte der Nuntius. Diese Bemühungen seien jedoch komplex und von der internationalen Zusammenarbeit abhängig.
KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Kirche in der Ukraine seit Beginn des Krieges mit umfangreichen Hilfsmaßnahmen. Das Hilfswerk fördert unter anderem die Ausbildung und den Einsatz von Priestern und Ordensleuten, die Betreuung von Binnenflüchtlingen, Traumahilfe sowie die Versorgung kirchlicher Einrichtungen mit Generatoren und Heizmaterial.
Der neu gewählte Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Paul III. Nona, hat die internationale Gemeinschaft vor einer weiteren Eskalation der Konflikte im Nahen Osten gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT appellierte das Oberhaupt der größten katholischen Kirche des Irak an die Staatengemeinschaft, den Menschen der Region endlich eine Zukunft in Frieden zu ermöglichen.
„Wir können nicht akzeptieren, dass Jahr für Jahr in diesem oder jenem Land ein neuer Krieg ausbricht“, sagte der Patriarch. Die Sehnsucht nach Frieden sei groß. Was die Menschen im Nahen Osten von der internationalen Gemeinschaft forderten, sei „im Grunde einfach: Respekt – Respekt vor unseren Völkern und vor unserer Souveränität“.
Nur so könne verhindert werden, dass der Nahe Osten dauerhaft zum Schauplatz geopolitischer Konflikte werde. „Wir möchten unseren jungen Menschen in die Augen schauen und ihnen sagen: ,Ihr habt eine Zukunft.‘ Doch dafür muss die Welt aufhören, unser Land in ein ständiges Schlachtfeld zu verwandeln“, erklärte Nona.
Der 58-jährige Patriarch, bürgerlich Amel Shamon Nona, wird am 29. Mai in der St.-Joseph-Kathedrale in der irakischen Hauptstadt Bagdad in sein Amt eingeführt. Sein Amtsantritt fällt in eine Zeit großer Unsicherheit im Nahen Osten. Viele Menschen in der Region leiden weiterhin unter den Folgen jahrelanger Kriege, wirtschaftlicher Krisen und politischer Spannungen – vom Irak und Syrien bis hin zum Heiligen Land und dem Libanon.

Nona kennt die Auswirkungen von Krieg und Vertreibung aus persönlicher Erfahrung. Als Erzbischof von Mossul erlebte er den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Jahr 2014 unmittelbar mit. Während der Besetzung der Stadt mussten hunderttausende Christen und andere Minderheiten aus ihrer Heimat fliehen. Auch seine eigene Gemeinde wurde vollständig vertrieben.
Rückblickend sprach der Patriarch von einer „sehr schwierigen, aber auch prägenden Zeit“. Gleichzeitig habe ihn diese Zeit gelehrt, wie tief der christliche Glaube vieler Menschen im Irak verwurzelt sei. „Trotz allem haben die Menschen ihre Hoffnung bewahrt“, sagte Nona. Gerade das Leiden habe den Glauben vieler Christen vertieft. Das Zeugnis der Christen im Irak bestehe darin, „unermesslich gelitten und dennoch einen tiefen, unerschütterlichen Glauben bewahrt“ zu haben.
Als Leitwort für sein Patriarchat wählte Paul III. Nona die Worte Jesu aus dem Markusevangelium: „Fürchte dich nicht! Glaube nur!“ (Mk 5,36). Die größte Herausforderung der Gegenwart sei für viele Menschen die Angst vor der Zukunft, vor Krieg und davor, die eigene Lebensweise zu verlieren. „Aber wenn wir unseren Glauben so leben, wie der Herr es von uns will, können wir mit diesen Ängsten leben und dennoch voller Glauben bleiben“, sagte der Patriarch.

Dankbar äußerte sich der neue Patriarch über die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT. Während der schwersten Jahre des IS-Terrors und des Wiederaufbaus habe das Hilfswerk den Christen beigestanden, „als andere es nicht konnten“. Für die Zukunft hoffe er besonders auf Unterstützung im Bereich Bildung und Ausbildung. „Wenn wir eine gebildete Generation haben, die ihren Glauben versteht, ist das die beste Grundlage dafür, dass unser Volk bleibt und gedeiht“, erklärte Nona.
Die chaldäisch-katholische Kirche ist die größte katholische Kirche des Irak und gehört zu den mit Rom verbundenen Ostkirchen. Ihr gehören etwa eine halbe Million Gläubige an, von denen viele im Ausland leben. Patriarch Paul III. Nona wurde 1967 im Nordirak geboren und 1991 zum Priester geweiht. Von 2010 bis 2014 war er Erzbischof von Mossul. Nach der Vertreibung durch den „Islamischen Staat“ leitete er die chaldäische Kirche in Australien.
