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„Boko Haram ist wie das wilde Tier der Apokalypse: Wenn ihm ein Kopf abgeschlagen wird, scheint es einen anderen hervorzubringen“, so Bischof Bruno Ateba Edo aus Maroua-Mokolo im Norden Kameruns im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Die Regierung im Nachbarland Nigeria hatte Ende 2015 den militärischen Sieg über die Terroreinheit erklärt. Doch unserem Hilfswerk vorliegenden Informationen scheint es jedoch so, als hätte Boko Haram lediglich seinen Fokus verlagert: aus den Zentren in die ländlichen Gebiete Nigerias sowie in die Grenzgebiete zu Kamerun und Tschad.

„An der Grenze vergeht kein Tag, an dem es nicht zu Anschlägen und Übergriffen von Terroristen kommt“, erklärte Bischof Ateba. „Die Meldungen über entführte und hingerichtete Bauern haben in der Bevölkerung Angst und Psychosen ausgelöst.“

„Kein Tag ohne Anschläge und Übergriffe”

In der Weihnachtszeit tauchte ein Video in den sozialen Netzwerken auf, dass die Enthauptung von elf Menschen in Nigeria zeigt.

Die Verantwortung übernahm der sogenannte „Islamische Staat in Westafrika“ (ISWAP). Dabei handelt es sich um eine der beiden Gruppen, in die sich Boko Haram 2016 aufgespalten hatte.

Bischof Bartélemy Yaouda Hourgo aus Yagoua in Kamerun, der aus einem Dorf nahe der nigerianischen Grenze stammt, schrieb an KIRCHE IN NOT: „Mein Heimatdorf existiert nicht mehr. Die Terroristen töteten einen jungen Mann aus meiner Verwandtschaft und plünderten das ganze Dorf, darunter auch mein Elternhaus.“

Boko Haram ist in kleine kriminelle Banden zerfallen

Die Bewohner seien geflohen, nur die alten und kranken Dorfbewohner seien geblieben. Die Geflüchteten müssten jetzt unter freiem Himmel schlafen.

Angaben der nigerianischen Militärführung zufolge ist Boko Haram mittlerweile in einzelne kriminelle Banden zerfallen. „Sie begehen Verbrechen allein zu ihrem persönlichen Vorteil“, erklärte der Stabschef der nigerianischen Armee, Tukur Yusufu Buratai. „Sie kämpfen für keinen anderen Zweck als materielle Bereicherung.“

Bischof Atebo Edo begutachtet die Schäden in einer Kirche, die am 6. Januar 2020 niedergebrannt ist.Nach Angaben des vom britischen Außenministerium veröffentlichten „Nigeria Security Tracker“ sind seit 2012 mehr als 36 000 Menschen bei bewaffneten Übergriffen umgekommen.

Neue Generation von Kämpfern

Die Zahl der Todesopfer ging aber in den vergangenen Jahren zurück. Das ist unter anderem auf gemeinsame Militäraktionen zurückzuführen, zu denen Nigeria, Kamerun und Tschad sich zusammengeschlossen haben.

Diese Einheiten konnten Angriffe von Boko Haram und weiteren Terrorgruppen zwar zurückdrängen, die Bewegung im Keim ersticken konnten sie jedoch nicht. Nun scheint eine neue Generation von Kämpfern heranzuwachsen.

Trotz zahlreicher Anschläge durch Boko Haram sind die Gemeinden in Nigeria sehr aktiv und die Gottesdienst gut besucht.„Die Armut und der Mangel an Zukunftsperspektiven auf dem Land machen sie zu einer leichten Beute für Islamisten“, erklärt Bischof Ateba aus Kamerun.

Hunderttausende Menschen auf der Flucht

Wie Human Rights Watch berichtet, haben die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Boko Haram seit 2014 über eine Viertelmillion Menschen zur Flucht gezwungen. In Kamerun sollen im Jahr 2019 mehr als hundert Zivilisten bei Terroranschlägen ums Leben gekommen sein.

Seit Weihnachten habe es allein in seiner Diözese Maroua-Mokolo 13 Angriffe gegeben, berichtet Ateba. „Als wir glaubten, das ,wilde Tier῾ Boko Haram sei enthauptet worden, ist das Grauen zurückgekehrt.“

HELFEN SIE DEN MENSCHEN IN KAMERUN

KIRCHE IN NOT unterstützt das Leben der notleidenden christlichen Gemeinden in Kamerun und den Einsatz der Kirche für vertriebene und geflüchtete Menschen.

Um weiterhin helfen zu können, bittet das Hilfswerk um Spenden – entweder online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Kamerun

Niedergebrannte Kirche der St. Peter Pfarre in Douroum
Bischof Bruno Ateba von Maroua-Mokolo

Um auf das Schicksal von Millionen verfolgter und bedrohter  Christen weltweit aufmerksam zu machen, wurden im Rahmen der weltweiten Aktion „Red Wednesday“ in den vergangenen Jahren in mehreren Ländern berühmte, öffentliche Gebäude und Kirchen blutrot angestrahlt.

Die Events in diesem Jahr finden auf vier Kontinenten statt.  Den Anfang machte Australien mit der Illuminierung von sieben Kathedralen, darunter der Kathedralen von Sydney und Melbourne. Der Höhepunkt wird der 27. November sein, wenn Tausende Gebäude in London, Amsterdam, Lissabon, Prag und Washington D.C. am sogenannten Red Wednesday (Roten Mittwoch) teilnehmen.

An diesem Tag werden 120 Gebäude im Vereinigten Königreich rot angestrahlt, darunter dreizehn Kathedralen. Auf den Philippinen werden mehr als 2050 Pfarrkirchen in 68 Diözesen illuminiert. Dieses Jahr wird diese Initiative erstmalig auch Budapest erreichen, wo die Kettenbrücke und die Statue des heiligen Gerhard (ung. Gellért), des ersten Märtyrers Ungarns, rot beleuchtet werden.

In den vergangenen Jahren waren das Kolosseum in Rom, die Westminster Abbey in London, die Christusstatue „Cristo Redentor“ in Rio de Janeiro, die Sagrada Familia in Barcelona und viele weitere Sehenswürdigkeiten Protagonisten der Initiative.

Erstmals wird diese Aktion auch in Österreich von “Kirche in Not” durchgeführt. So wird am 27. November 2019 die Süd-Seite des Stephansdomes angestrahlt.  Zusätzlich haben sich schon dutzende Kirchen österreichweit angemeldet.

Rund 200 Millionen Christen in aller Welt leben in einem Umfeld, in dem sie gewaltsam verfolgt, diskriminiert oder an der freien Ausübung ihres Glaubens gehindert werden.

Bei der Pressekonferenz am 26. November 2019 berichteten führende Vertreter aus Politik und Kirche über diese Aktion. Auf dem Foto v.l.n.r. Dr. Thomas Heine Geldern (Internationaler Präsident von KIRCHE IN NOT), Prof. Dr. Ikenna Okafor (Seelsorger in der Pfarre Lassee und Professor für Interkulturelle Theologie an der Kath. Theolog. Fakultät in Wien), Dr. Gudrun Kugler (Nationalabgeordnete und Menschrechtssprecherin des ÖVP-Klus), Herbert Rechberger (Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT – Österreich)

Dr. Gudrun Kugler, Nationalabgeordnete und Menschrechtssprecherin des ÖVP-Klubs betonte in ihrem Statement: „Übergriffe auf Christen gehören tragischerweise in vielen Ländern bereits zum Tagesgeschehen – von Diskriminierung bis zur Vertreibung und Ermordung. Dennoch sprechen wir kaum bis gar nicht darüber. Wir brauchen ein deutliches Aufstehen der Öffentlichkeit, damit die Gewalt gegen Christen endlich ein Ende hat. Europa darf nicht länger tatenlos zusehen.“

Prof. Dr. Ikenna Okafor, ein Priester aus Nigeria, Seelsorger in der Pfarre Lassee und Professor für Interkulturelle Theologie an der Kath. Theolog. Fakultät in Wien berichtete u.a. dass „die  Christenverfolgung in Nigeria schon sehr früh begonnen hat, noch bevor die islamistische Sekte ´Boko Haram´ im Land war“.

Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not-International“  stellte klar, dass „allen Glaubensgemeinschaften regelmäßig Gewalt widerfährt. Doch internationale Berichte zur Religionsfreiheit bestätigen leider immer wieder, dass Christen am stärksten verfolgt werden. Eine wesentliche Aufgabe von KIRCHE IN NOT ist es, der schweigenden und zum Schweigen gebrachten Kirche eine Stimme zu verleihen“.

KIRCHE IN NOT setzt sich schon seit Jahrzehnten für Religionsfreiheit und gegen Christenverfolgung ein. Alle 2 Jahre erscheint der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“. Er ist eine umfassende Dokumentation über die Bedrohung der Religionsfreiheit heute und gibt einen detaillierten Einblick (in allen 196 Ländern der Welt) in die verschiedensten Verstöße gegen das Menschenrecht Religionsfreiheit und berücksichtigt dabei alle Religionen. Mehr unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

Zusätzlich erscheint auch alle 2 Jahre der Bericht „Verfolgt und vergessen?”. Dieser analysiert die Bedrohungen, denen Christen ausgesetzt sind, und die Gründe dafür. In Anbetracht der hohen Anzahl der Betroffenen, der Schwere der verübten Taten und ihrer Auswirkung sind Christen nicht nur stärker verfolgt als jede andere Gruppe, sondern eine immer weiter zunehmende Zahl von Gläubigen erleidet die schlimmsten Formen der Verfolgung. Zum Bericht …hier 

Nach dem schweren Anschlag auf die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Santiago de Chile am Freitag, den 8. November traf sich der Pfarrer Pedro Narbona mit seinen Gemeindemitgliedern, um zu beten und um die Kirche zu reinigen. Einige von ihnen konnten die Tränen nicht zurückhalten. Pfarrer Pedro Narbona versuchte, die Gläubigen zu trösten: „Eine Kirche wird nicht so sehr mit physischem Material, mit Baumaterial errichtet, sondern vielmehr mit lebendigen Steinen, mit jedem einzelnen von uns. Wir sind lebendiger Stein, und das ist das Wichtigste.“ Darüber hinaus bat er die Anwesenden darum, „nicht in einen Teufelskreis des Hasses zu geraten, der die Seelen vergiften kann.“

Am Sonntag wurde auch eine einfache Sühneandacht gefeiert, bei der die Gläubigen das beschädigte und entweihte Kruzifix küssen konnten. Es wurden auch Muttergottes-Lieder gesungen, denn ihr ist in Chile der Monat November gewidmet.

Im Zuge der Proteste und gewalttätigen Demonstrationen, die derzeit das Land erschüttern wurde die Kirche am 8. November von Vermummten angegriffen. Sie warfen Kirchenbänke und Heiligenbilder auf die Straße, zerstörten sie und setzten sie in Brand. Sie malten auch Graffiti und Beleidigungen an die Innenwände der Kirche.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt wurde. Pfarrer Narbona, der ebenfalls geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT in Chile ist, berichtete im Gespräch mit der Stiftung, es sei bereits am Freitag, den 1. November versucht worden, die Kirche in Brand zu setzen. Damals sei es aber gelungen, die Feuerwehr zu rufen. Auch die Fassade einer anderen Pfarrei, die Pater Pedro in der Innenstadt von Santiago betreut, der Pfarrkirche Vera Cruz, sei eine Woche vorher beschädigt worden. Außerhalb der Hauptstadt kam es Ende Oktober zu zwei aufeinander folgenden Anschlägen auf die Kathedrale von Valparaíso sowie zu einem weiteren Anschlag auf die Gemeinde Santa Teresa de Los Andes, in Villa Alfredo Lorca, Punta Arenas.

„Voll Sorge schauen wir auf das Ausmaß der Gewalt in diesen Tagen, die sich auch gegen die Kirche richtet. Heute haben wir erneut die Plünderung einer Pfarrei erleben müssen. Als Stiftung KIRCHE IN NOT trifft uns diese Gewalt besonders“, sagte direkt nach den Attacken Maria Covarrubias, Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile.

„In diesen schwierigen Zeiten bitten wir Sie, für unseren geistlichen Assistenten, für seine Gemeinde, für den Frieden in unserem Land und dafür zu beten, dass Gott die Herzen derer bekehren möge, die diese bedauerlichen Taten begangen haben”, so der Appell der Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile an die Wohltäter der Stiftung in aller Welt.

Der Apostolische Administrator von Santiago de Chile, Msgr. Celestino Aós, brachte seine Solidarität mit Pfarrer Narbona sowie seine Ablehnung der Plünderung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in einer Videobotschaft zum Ausdruck, die auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese veröffentlicht wurde: „Lieber Herr Pfarrer, liebe Gläubigen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, wir versichern Euch unserer Nähe und Solidarität in Eurem Schmerz. Euch allen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, sage ich mit dem Apostel Paulus: Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“

Er rief außerdem zum Frieden auf: „Mit aller Kraft rufen wir wir unsere Schwestern und Brüder, unsere Landsleute, dazu auf, jegliche Gewalt einzustellen. Mögen diejenigen, die betrügen, indem sie an die scheinbare Wirksamkeit und den Triumph der Gewalt glauben, den Weg des Dialogs und der Suche nach Lösungen für die bestehenden Probleme einschlagen und ihre eigenen Visionen einbringen.“

Bei einem bewaffneten und vermutlich gezielten Überfall auf ein Auto eines Priesters sind am vergangenen Montag in Syrien der Geistliche und dessen mitgereister Vater getötet worden. Ein weiterer Mitfahrer wurde verletzt, einem vierten Insassen gelang die Flucht.

Wie der armenisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Boutros Marayati, gegenüber dem internationalen Hilfswerk „Kirche in Not“ berichtete, waren die vier Männer auf dem Weg nach Deir ez-Zor, rund 350 Kilometer östlich von Aleppo, um dort die Baustellen von Häusern und der Kirche besuchen, die zurzeit wiederaufgebaut werden. Kurz vor ihrem Ziel seien die Reisenden von zwei bewaffneten Personen auf einem Motorrad überholt worden, die sofort das Feuer eröffnet hätten. Pfarrer Hovsep Hanna Bedoyan (43) wurde so schwer verletzt, dass er auf dem Weg zum Krankenhaus starb. Sein Vater war sofort tot.

Die Untersuchungen des Vorfalls seien noch im Gange. Daher wisse man noch nicht, wer sie getötet habe, auch wenn sich offenbar der IS zu dem Überfall bekannt habe, so der Erzbischof. „Sicher ist, dass Pfarrer Hovsep einen Priesterkragen trug und daher erkennbar war, ebenso sein Auto, das auf dem Heck die Aufschrift ,Armenisch-katholische Kirche‘ trug.“

So könne man davon ausgehen, dass der Geistliche wegen seines Priesteramts und aufgrund seines Beitrags zur Wiederherstellung der christlichen Präsenz in Deir ez-Zor getötet worden sei, vermutet Erzbischof Marayati. Die Stadt im Osten Syriens ist seit Beginn des Krieges besonders umkämpft. Der IS eroberte Deir ez-Zor im Jahr 2014, erst drei Jahre später konnten syrische Streitkräfte die IS-Kämpfer vertreiben.

Der armenisch-katholische Priester Hovsep Hanna Bedoyan wurde in der Stadt Kamischli (Qamishli) im Nordosten Syriens beigesetzt. Die Stadt liegt in der Grenzregion zur Türkei und zum Irak. Hier komme es aufgrund der Kämpfe zwischen Türken und Kurden derzeit zu schweren Spannungen, sagt Erzbischof Marayati. „Die Situation ist chaotisch. Es sind Türken, Kurden, Amerikaner und Russen vor Ort. Die Christen haben große Angst, und bei jedem Gewaltausbruch entscheiden sich viele Familien für eine Auswanderung.“ Vor dem Krieg hätten 5000 armenische Katholiken in der Stadt gelebt, heute seien es nur noch rund 2000. Von den einstmals fünf Kirchen seien nur noch zwei geöffnet.

Erzbischof Marayati appellierte im Gespräch mit „Kirche in Not“ an die internationale Gemeinschaft: „Wir bitten nur darum, dass dieser Krieg aufhört. Aber das kann nicht geschehen, wenn Sie weiterhin den Terroristen helfen und Waffen nach Syrien schicken.“ An die Christen in der Welt gewandt sagte er: „Ich bitte Sie: Beten Sie für uns und unser Volk! Wir durchleben eine extrem schwierige Zeit.“

Christenverfolgung: Der Countdown bis zum Ende des Christentums in Teilen des Nahen Osten tickt immer lauter – und kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt handelt. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht „Verfolgt und vergessen?“ von „Kirche in Not“. Er wurde vom britischen Nationalbüro des weltweiten päpstlichen Hilfswerks erstellt und liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von 2017 bis 2019 und stellt die Entwicklung der Christenverfolgung in zahlreichen Weltregionen vor. Was die Entwicklung für die einzelnen Christen bedeutet, wird anhand zahlreicher Fallbeispiele und kurzer Länderberichte illustriert.

Zahl der Christen im Irak um bis zu 90 Prozent gesunken

Ein zentraler Befund von „Verfolgt und Vergessen?“: In den Ländern des Nahen Ostens ist nach dem militärischen Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ der Völkermord an Christen und anderen Minderheiten gestoppt. Allerdings hält der Exodus der Christen aus der Region weiterhin an – die Angst vor einem Wiederaufflammen des Terrors ist zu groß. Die jüngsten Meldungen aus dem Nordosten Syriens zeigen, wie real diese Angst ist.

Vor dem Jahr 2003 gab es im Irak noch rund 1,5 Millionen Christen. Bis Mitte 2019 ist die Zahl auf deutlich unter 150 000 gefallen – ein Rückgang von bis zu 90 Prozent innerhalb nur einer Generation. Auch in Syrien ist die Anzahl der Christen seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 um zwei Drittel zurückgegangen.

Mehr Aufmerksamkeit, aber Hilfen stocken

Der Bericht von „Kirche in Not“ hebt hervor, dass die Weltöffentlichkeit in den vergangenen Jahren dem Thema Christenverfolgung mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ursachen waren neben dem Genozid im Irak unter anderem das Schicksal von Asia Bibi in Pakistan. Die Christin war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt und nach Jahren der Einzelhaft im Oktober 2018 freigesprochen worden.

Die für Christen wie andere religiöse Minderheiten erforderlichen Hilfen wurden von der internationalen Gemeinschaft jedoch zu wenig gewährt, so der Bericht. Für den Wiederaufbau im Irak seien zum Beispiel von den USA umfangreiche Mittel zugesagt worden, die Auszahlung jedoch stockte. „Kirche in Not“ und weitere Organisationen setzen sich für die Wiederbesiedelung christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene ein. Dort ist mittlerweile rund die Hälfte der ehemaligen Bewohner zurückgekehrt.

Asien ist neuer „Hotspot“ der Christenverfolgung

„Verfolgt und Vergessen?“ arbeitet ebenfalls heraus, dass sich in zahlreichen asiatischen Ländern die Situation für Christen und anderer religiöse Minderheiten deutlich verschärft hat. Die Anschläge am Ostersonntag auf Sri Lanka mit über 250 Toten und mehr als 500 Verletzen haben dies gezeigt.

Neben islamistischen Gruppen sind ein zunehmender Nationalismus und autoritäre Regime für das gewaltsame Vorgehen gegenüber Christen verantwortlich. In Indien sind allein 2017 über 450 antichristliche Überfälle gemeldet worden, die meist auf das Konto von nationalistischen Hindus gehen. Auch in China hat sich trotz eines vorläufigen Übereinkommens mit dem Vatikan Lage für Gläubige verschärft. Die kommunistische Regierung geht rigoros gegen religiöse Aktivitäten vor, die nicht staatlich genehmigt sind.

In Afrika geht Verfolgung auch von Regierungen aus

Die meisten verfolgten Christen leben auf dem afrikanischen Kontinent, so der Bericht von „Kirche in Not“. In Nigeria hält der Terror von Boko Haram weiter an, auch spielten im Landkonflikt mit mehrheitlich muslimischen Fulani-Nomaden religiöse Gewalt eine zunehmende Rolle. So seien allein in Nigeria im Jahr 2018 über 3700 Christen getötet worden, ermittelt der Bericht.

In anderen Teilen Afrikas geht die Bedrohung für Christen vom Staat aus: So hat das Regime in Eritrea im Sommer 2019 die verbleibenden Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft geschlossen. Im Sudan habe die Regierung zahlreiche Kirchen angreifen und niederbrennen lassen.

„Wir haben es in der Hand“

„Der neue Bericht ,Verfolgt und vergessen῾ zeigt einmal mehr: Die Lage für Christen weltweit ist ernst. Die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit nehmen weiter zu“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich.

„Der Bericht zeigt auch: Proteste und tatkräftige Hilfe machen einen Unterschied für verfolgte Christen“, sagte Rechberger weiter. „Wir haben es in der Hand, in welchem Maße verfolgte Christen Hilfe erfahren. Deshalb wird sich ,Kirche in Not῾ weiterhin mit aller Energie für sie einsetzen.“

Der illustrierte Bericht zur Christenverfolgung „Verfolgt und vergessen?“ umfasst 51 Seiten im Format DIN A5. Er ist bei „Kirche in Not“ bestellbar:

KIRCHE IN NOT
Telefon: 01 / 405 25 53
E-Mail: kin@kircheinnot.at

Die katholische Kirche begeht den außerordentlichen Monat der Weltmission. Oft geschieht das missionarische Wirken der Kirche unter erschwerten Bedingungen: In Verfolgung, Armut und Krieg. So auch im Südsudan. Hunderttausende Todesopfer, Millionen Geflüchtete – der Bürgerkrieg, der im Jahr 2013 im damals erst zwei Jahre alten afrikanischen Staat Südsudan ausbrach und bis zum Waffenstillstand im vorigen Jahr andauerte, hat das Land in einem desolaten Zustand hinterlassen. So äußert sich Pater Boniface Isenge aus der in der Mitte des Landes gelegenen Diözese Rumbek bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT.

Etwa 38 Prozent der gut 13 Millionen Südsudanesen seien Christen, so Pater Boniface. In seiner Diözese leben etwa 180.000 Katholiken. Viele hielten die katholische Kirche gar für die einzig funktionierende Institution im Land. Der Spiritaner lebte zunächst als junger Priester acht Jahre im benachbarten Äthiopien, ehe er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, in den Südsudan zu gehen: „Nachdem das Landunabhängig wurde, hat mein Orden dringend Priester und Missionare gesucht, um hier tätig zu werden. Ich wollte etwas Neues machen und war bereit für diese neue Mission“, erinnert sich Pater Boniface. Er sieht es als seinen Auftrag, Frieden in die vom Krieg zerrüttete Region zu bringen.

Bereits kurz nach seiner Ankunft stellte der Geistliche fest, dass seine Gläubigen sich nach Bildung sehnen. „Die Schulen im Südsudan sind teilweise sehr weit voneinander entfernt“, beklagt er. „Sie sind überfüllt, sodass in der Regel 60 Schüler pro Klasse und mitunter über 100 Personen in einem Raum unterrichtet werden müssen.“ Nach Behördenangaben sind etwa drei Viertel aller Einwohner des Südsudans über 15 Jahre Analphabeten. Schon bald erkannte der Pater: „Bildung ist der Schlüssel, um immer wieder aufkommende Spannungen in der Bevölkerung zu beseitigen. Mit Bildung kommt Frieden!“

Neben der Seelsorge ist es Pater Boniface auch ein wichtiges Anliegen, Eltern die Wichtigkeit von Bildung für ihren Nachwuchs zu vermitteln. Nicht nur, damit die Kinder trotz der schwierigen Bedingungen und Probleme im Land eine bessere Chance als die Generation vor ihnen hätten, sondern auch um ihre Unabhängigkeit zu stärken. „Denn noch immer werden im Land 17 Prozent aller Ehen mit minderjährigen Mädchen geschlossen, das ist hier leider noch gängige Praxis“, sagt der Ordensmann.

Obwohl der Südsudan das drittärmste Land der Welt ist, sei das Preisniveau verhältnismäßig hoch. „Viele können sich selbst einfachste Grundnahrungsmittel nicht leisten und sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.“ Außerdem machen zahlreiche Krankheiten wie Malaria dem Land zusätzlich zu schaffen. Trotz all dieser Probleme ist Pater Boniface zuversichtlich: „Mein herzlicher Dank geht an alle, die uns unterstützen oder im Gebet mit uns verbunden sind. Ich bin hoffnungsvoll, dass man im Südsudan in Zukunft ein gutes Leben führen kann.“

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT hat allein seit dem Jahr 2015 die Kirche im Südsudan mit über 3,4 Millionen Euro unterstützt, darunter der Wiederaufbau von Kirchen und Pastoraleinrichtungen, die Ausbildung von Priestern sowie Messstipendien.

Tony Pereira ist  ein angesehener Chefkoch. Er lebt in Venezuela. Der 51-jährige Absolvent mehrerer renommierter Gastronomie-Akademien hat in seiner Heimat in mehreren Fünf-Sterne-Hotels gearbeitet. Er muss um sieben Uhr bei der Arbeit sein, doch Tony steht jeden Tag bereits um vier Uhr morgens auf. Während die Stadt noch schläft, fährt er mit seinem alten Motorrad in die Pfarre San Sebastian in Maiquetía, im Bundestaat Vargas. Er betritt die Kirche, kniet als Erstes vor dem Allerheiligsten nieder und dankt für den neuen, anbrechenden Tag. Dann geht er in den Innenhof der Kirche und entzündet mit einer alten Gasflasche das Feuer, nimmt einige riesige Messingschalen, und Tag für Tag, ob es regnet oder in der Morgendämmerung die Sonne scheint, widmet er ein paar Stunden vor seinem eigentlichen Arbeitsbeginn der Zubereitung eines exklusiven Menüs für ganz besondere Gäste.

Exklusiv ist das Menü nicht wegen der exquisiten Zutaten, sondern weil er es mit besonderer Zuneigung würzt. Das Engagement und die Hingabe von Tony und seinen Assistenten sind beträchtlich, denn die Zutaten sind zwar einfach, aber schwer zu kriegen in einem Land, das in Elend sowie in eine wirtschaftliche und soziale Krise gestürzt ist.  Es ist eine Herausforderung, das Notwendige zu finden, aber der Küchenchef nutzt seine Kreativität, um das Menü abwechslungsreich zu gestalten. Heute gibt es Reis mit Huhn. „Zehn Kilo Reis und vier Hähnchen“, denkt Tony laut.

Die Gäste? Mehr als 150 Kinder und ältere Menschen, die täglich in den improvisierten Speisesaal im Innenhof der Pfarre San Sebastian kommen, um die einzige warme Mahlzeit des Tages zu genießen. Viele von ihnen hätten heute nichts zu essen, würden sie nicht dort diese eine Mahlzeit erhalten. Pfarrer Martin, ein Priester mittleren Alters, begrüßt voller Freude Jung und Alt an der Tür. Bevor er das improvisierte Esszimmer betritt, grüßt er einen Jungen in einem blauen Hemd. Felipe ist elf Jahre alt und besitzt große Augen und ein offenes Lächeln. „Jeden Tag kommt er von da oben, vom Hügel hinunter, mit seinem Vater, der im Rollstuhl sitzt.“ Felipe nähert sich dem Priester: „Heute bin ich alleine, mein Vater kann nicht aus dem Bett, er hat Fieber, ich habe ihn allein zu Hause gelassen. Könnte ich ihm eine Schale Essen bringen?“  Der Priester nickt mitfühlend: „Zuerst isst du etwas, und dann packen wir dir etwas für ihn ein.“ Tony kommt auch, um Felipe zu begrüßen. Er kennt ihn gut. „Er ist ein guter Junge. Beeindruckend, wie er sich um seinen kranken Vater kümmert.“

Neben den Mahlzeiten in der Gemeinde San Sebastian bereitet Tony als Küchenchef am Wochenende „Festessen“ zu. Es handelt sich dabei allerdings nicht um Menüs für Hochzeiten oder Erstkommunionen, noch werden sie in Porzellangeschirr und Kristallgläsern serviert. Es geht um Mittagessen in den bescheidensten Stadtvierteln der Hügel, besonders für die Kinder der Gegend, die mit ihren Plastikbehältern zur Ausgabestelle kommen. Auf dem Speiseplan stehen Arepas (Maisfladen), Linsensuppe oder was Tony mit Hilfe der Caritas und der Gemeinde San Sebastian noch besorgen kann.

Tony, der breite Schultern und feste Hände hat, redet nicht gerne über das, was er tut. Er spricht lieber darüber, warum er es tut. Er sieht im Gesicht jedes Einzelnen dieser Kinder und älteren Menschen das Antlitz Christi.  Auf der makellos weißen Kochjacke trägt er ein einfaches Holzkreuz. Das sagt alles.

Er wird ein wenig traurig, wenn er über die Lage in seinem Land spricht. Um seine Ausbildung als Koch zu finanzieren, arbeitete er als Straßenkehrer. Dort habe er die Nöte der Menschen entdeckt, sagt er. Dies habe ihn dazu bewogen, selbst etwas zu tun.

In den drei Jahren, in denen er bei der Pfarrtafel aushilft, hat er sehr bewegende Momente erlebt, Ereignisse, die sein Leben geprägt haben. Er hat große Liebe und Zuneigung erfahren und auf der anderen Seite schlimmes Leid mitansehen müssen. Wie damals, als ein junger Mann zu ihm kam, um ihm für alles zu danken, was er für ihn und seine Kinder getan hatte. Die Tafel sei ein Trost in der schrecklichen Verzweiflung, die sie durchlebten. Überwältigt und müde habe sich dieser Mann aber entschieden, den Kampf aufzugeben und sich das Leben zu nehmen. Er sei nur gekommen, um sich von Tony zu verabschieden. Der Koch versuchte, den Mann von seiner Idee abzubringen und ihm neue Hoffnung zu schenken, doch es war zu spät:  Der Mann hatte bereits ein paar Stunden vorher eine Flasche Gift genommen. Er starb. Es war für Tony ziemlich schwierig, danach wieder Mut zu fassen, aber sein Glaube und der Pfarrer halfen ihm sehr.

Tony ist davon überzeugt, dass es trotz der Krise und allem Leiden in Venezuela viele gute Menschen gibt. Er hält sich für einen Senfkorn in dieser Arbeit. Am Eingang zur Pfarre San Sebastian steht ein Schild, das die Gläubigen dazu einlädt, ihren „kleinen Tropfen der Liebe“ zu geben. „Kleine Tropfen der Liebe“, so haben Tony und die anderen Mitarbeiter die Initiative getauft. Sie bitten jeden Einzelnen, einen „Tropfen“ von etwas, das er zu Hause hat, mitzubringen. Das ist der Tropfen der Liebe zu den Mitmenschen. Der Chefkoch erzählt dankbar von Carmen, Berta und Ana. Sie sind einige der Frauen, die ihm bei allem helfen. Auch von den vielen anderen Freiwillige, die mittags oder am Wochenende kommen, um die Mahlzeiten zu servieren. Er dankt für die große Unterstützung der Diözese La Guaira und seitens einzelner Unternehmen, etwa Teixeira Duarte – das ist Tonys Arbeitgeber und der größte Sponsor in dem Projekt.

Am Nachmittag ruht sich Tony nach seiner Arbeit etwas aus. Danach bereitet er den sogenannten mise en place vor, was im Fachjargon die Zusammenstellung der Zutaten bedeutet, um alles für den nächsten Morgen da zu haben. Er stellt fest, was noch fehlt, und überlegt, woher er es bekommen kann. Und dann fährt Tony mit seinem alten Motorrad zur Bäckerei. Dort „schenkt“ er, so seine Worte, ein paar Stunden seiner Fähigkeiten, um dafür zehn oder fünfzehn Brote als Gegenleistung zu bekommen. In dünne Scheiben geschnitten, reichen sie  aus, damit jedes Kind am nächsten Tag etwas Brot bekommt. Es ist ein sehr wichtiger „Tropfen der Liebe“, betont Tony. Denn das Brot ist inzwischen so teuer, dass kaum noch jemand welches zu Hause hat.

Nach einem langen Tag fährt er mit seinem  Motorrad heim. Die Maschine ist schon zehn Jahre alt und hat einige Schäden, aber sie zieht immer noch. Bevor Tony sich schlafen legt, bittet er Gott um die nötige Kraft und Gesundheit, morgen seine Arbeit fortsetzen und so seinen Mitmenschen bis zum letzten Tag seines Lebens helfen zu können.

Tony Pereira wird keinen Michelin-Stern erhalten, obwohl er tagtäglich preiswürdige Herausforderungen und Schwierigkeiten meistert. Er wird auch wahrscheinlich keinen Kochwettbewerb gewinnen; aber zweifelsohne  würde der Koch aus La Guaira jeden Tag den Titel „Masterchef“ verdienen, weil er das Leben vieler Menschen wirklich geschmackvoller macht.

KIRCHE IN NOT unterstützt mehrere Projekte in Venezuela. Sie sollen den Bistümern helfen, die in hunderten Pfarren bestehenden Tafeln am Leben zu erhalten. Für die Diözese La Guaira spendete KIRCHE IN NOT elf Kühlschränke und eine Küche. Mitarbeiter des Hilfswerkes besuchten während ihrer letzten Reise nach Venezuela mehrere Tafeln, darunter jene in der Pfarrre San Sebastian, wo sie Tony, Pfarrer Martin und die Freiwilligengruppe der Gemeinde kennenlernten. „Kirche in Not“ unterstützt auch mittellose Priester und ihre Gemeinden mit Messstipendien.

Es wird Abend im Tal der Christen. Die große Festung Krak des Chevaliers, erbaut im 11. und 12. Jahrhundert, beobachtet aus der Höhe, wie Gäste ankommen. Heute ist ein Festtag in der Kirche von Haret Saraya in Al-Husn. Eine Gruppe aus Hornbläsern und Trommelspielern musiziert ununterbrochen.

Die der Gottesmutter geweihte Kirche erstrahlt mit ihren frisch gestrichenen weißen Wänden und ihrer leuchtend bunten Ikonostase. „Sie wurde genauso wiederaufgebaut, wie sie vorher war“, sagt mit leuchtenden Augen der Ortsbischof Nikolas Sawaf, melkitisch griechisch-katholischer Erzbischof der Erzdiözese Latakia.

2012 wurde die Kirche von Dschihadisten, die das Tal eingenommen hatten, geplündert und niedergebrannt. Sie hatten in der vom Johanniterorden gegründeten Festung Stellung bezogen. Sie schlugen das Kreuz nieder, entweihten die Ikone und verstümmelten heilige Bilder. Sie verschonten weder das Pfarrhaus noch die Gemeinderäume – aus deren Wänden verschwanden sogar die Stromleitungen.

Aber sieben Jahre später – und symbolisch passend am Fest der Kreuzerhöhung – wird der Tag zu einem Fest für die Gemeinde. Die kleine Kirche ist während der Einweihung überfüllt. An der Feier nehmen katholische und orthodoxe Priester der Region teil. Die Kirche und die Herzen strahlen wieder. Draußen im Hof vor den jubelnden Gläubigen singt der Orthodoxe Chor Our Lady Al-Wadi Lieder der Hoffnung, des Friedens und der Vergebung. Sie erinnern an diejenigen, die verschwunden sind, die getötet oder vom Krieg vertrieben wurden, und laden die Christen ein, in ihrer Heimat zu bleiben.

„Nachdem die Kirche wiederaufgebaut wurde, müssen nun die lebendigen Steine, unsere Herzen, erneuert werden“, so der anwesende Vertreter von KIRCHE IN NOT (ACN), Pater Andrzej Halemba, der bei der Stiftung für Projekte im Nahen Osten zuständig ist. „Unsere Herzen sind wegen der Gewalt gebrochen. Sie sind gespalten und wütend wegen der Geschehnisse. Nun müssen sie in der Liebe Christi erneuert werden. Lasst uns für den Frieden in Syrien beten“, sagt er zu der Gemeinde.

KIRCHE IN NOT hat nicht nur den Wiederaufbau der Kirche in Haret Saraya, sondern auch der Gemeinderäume und des Pfarrhauses unterstützt. Darüber hinaus wurden unweit der Kirche und in der Nähe des Krak des Chevaliers weitere Gästezimmer und Geschäftsräume eingerichtet, sodass bald wieder Besucher kommen werden. Auf diese Weise soll der christliche Glaube an seinen Ursprungsorten lebendig gehalten werden. „KIRCHE IN NOT ist für uns wie ein Simon von Cyrene, der uns hält und hilft, das Kreuz zu tragen“, erklärt Erzbischof Sawaf zum Abschluss des Festtages dankbar.

Die von KIRCHE IN NOT mit mehr als 170.000 Euro unterstützten Wiederaufbauprojekte in den christlichen Gebieten des Dorfes Al-Husn sind Teil des Programms der Stiftung zum Wiederaufbau der vom Krieg betroffenen christlichen Gebiete in den verschiedenen Diözesen Syriens.

„Die Lebenssituation für Christen in unserer Diözese ist schwierig – es gibt immer wieder Einschränkungen bei der Ausübung unseres Glaubens“, resümiert Dr. Stephen Antony. Der 67-jährige Bischof der Diözese Tuticorin im Süden Indiens war kürzlich anlässlich des Ad-limina-Besuches zusammen mit 53 weiteren indischen Bischöfen bei Papst Franziskus in Rom zu Gast und hat in diesem Rahmen auch die internationale Zentrale der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) besucht.

Die Regierung sei bestrebt, aus dem hinduistisch geprägten Indien ein einheitliches Land mit einer Sprache und einer Politik zu machen, so der Bischof. Ein schwieriges bis unmögliches Vorhaben in einem heterogenen Land mit 29 Bundesstaaten, das mit 1,37 Milliarden Einwohnern zweitbevölkerungsreichster Staat der Welt ist. Prognosen sagen sogar voraus, dass Indien schon im kommenden Jahr Spitzenreiter China überholen könnte. Die in diesem Jahr stattgefundene Parlamentswahl, bei der die nationalistische Regierungspartei BJP (Bharatiya Janata Party) von Premierminister Narendra Modi überraschend deutlich gewann, habe die Lage weiter verschärft: „Unsere aktuelle Situation ist nicht besonders ermutigend. Die Regierung trifft viele vorschnelle Entscheidungen, sodass Dinge unvorhersehbar werden. Politik wird nur noch für die Reichen der Bevölkerung gemacht. Die Armen haben das Nachsehen“, beklagt Bischof Antony.

In der Diözese Tuticorin leben rund 450.000 Katholiken, was einem Bevölkerungsanteil von etwa 17 Prozent entspräche. Neben gezielten Angriffen auf Gläubige und Pilgergruppen hätten es in seiner Diözese vor allem auch die Krankenhäuser und über 200 von der Kirche betriebenen Schulen immer schwerer. Hohe Arbeitslosigkeit mache sich nicht nur bei Lehrern, sondern aufgrund mangelnder Unterstützung durch die Regierung auch bei vielen Kleinbauern und Fabrikarbeitern bemerkbar. Viele Menschen in der Region seien derart verzweifelt, dass sie Selbstmord als einzigen Ausweg wählen, macht der Bischof deutlich.

Doch nicht zuletzt der Besuch bei Papst Franziskus in Rom sei ein Zeichen der Hoffnung gewesen: „Wir geben nicht auf im Kampf um Gleichheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit“, sagt Stephen Antony. „Wir hoffen, dass es zwischen Hindus und Christen bald wieder toleranter zugeht und die Gewaltbereitschaft im Land abnimmt. Zutiefst dankbar bin ich KIRCHE IN NOT und allen Wohltätern, die uns in allen Bereichen der Seelsorge immer wieder mit allem Nötigen unterstützen und uns mit ihren Gebeten begleiten.“

Einer der führenden Bischöfe des Landes verurteilt den plötzlichen Anstieg der Zahl  minderjähriger christlicher und hinduistischer Mädchen in Pakistan, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam überzutreten.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, Berichte über Entführungen von gerade einmal 14-jährigen Mädchen, die er als „Verbrechen“ scharf verurteilte.

Der Bericht des Bischofs deckt sich mit den Ergebnissen von Nachforschungen in der pakistanischen Provinz Punjab, die besagen, dass bis zu 700 Mädchen innerhalb eines Jahres verschleppt worden seien. Er sagte: „In letzter Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Entführungen sind Verbrechen und müssen entsprechend geahndet werden. Nur so können sie gestoppt werden. Die Mädchen sind normalerweise etwa 14 oder 15 Jahre alt. Die Männer sind oft schon verheiratet. Sie sind 25 Jahre und älter.“

Laut Erzbischof Shaw spielt Religion bei den Entführungen sicher eine Rolle, zumal die Mädchen überwiegend hinduistisch oder christlich seien. Dennoch glaubt er, dass dies nicht die einzige Erklärung sei. „Es ist Begierde. Sie denken: , Sie sieht toll aus und ich will sie.‘ Es ist ein Delikt. Doch da ist auch eine möglicher religiöser Aspekt dabei.”

Er berichtete, dass christliche Würdenträger aufgrund der Zunahme der Entführungen die Polizei eingeschaltet hätten, „doch die hörte überhaupt nicht zu.” Also wandten sie sich direkt an die Regierung. „Wir sprachen über die Vorfälle mit der Regierung und sie nahm die Sache ernst. Zusammen mit dem islamischen Rat organisierte sie ein Treffen zwischen mir und Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinschaften. Ich war bei dem Treffen dabei. Ein junger islamischer Gelehrter kritisierte die Entführungen und sagte, Zwangsbekehrungen seien nicht erlaubt.“

Trotz allem ist Erzbischof Shaw optimistisch, was die Zukunft Pakistans anbelangt. Seiner Meinung nach bewegt sich die aktuelle Regierung unter Premierminister Imran Khan in die richtige Richtung. Er sagte: „Die derzeitige Regierung setzt sich für Gleichheit ein. Alle Menschen sollten ein Gefühl der Zugehörigkeit haben.” Auch was die Kirche in Pakistan angeht, zeigte sich Shaw optimistisch. Er sagte: „Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Wir verhelfen den Menschen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung, zu Professionalität. Das ist neu, vor allem für die Katholiken. Wir haben guten Katechismus-Unterricht und erklären ihnen, warum sie Christen sind. Wir bilden sie aus für den Dialog mit den Muslimen. Wir bringen ihnen den Unterschied zwischen Dialog und Debatte bei.”

Erzbischof Shaw lobte die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan und sagte: „Ich bin KIRCHE IN NOT dankbar, denn KIRCHE IN NOT unterstützt uns vor allem in unseren pastoralen Aktivitäten. KIRCHE IN NOT hilft auf der ganzen Welt und jedes Mal, wenn wir uns an das Werk wenden, bekommen wir Hilfe. Wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung, Gebete und Mut machende Worte.“

Im Jahr 2018 hat KIRCHE IN NOT in Pakistan 61 Projekte finanziert, darunter den Bau von Kirchen, die Ausbildung von Ordensleuten und die Bildung von Laien.

Laut KIRCHE IN NOT-nahen Quellen werden Christen im Norden von Burkina Faso von muslimischen Extremisten ausgerottet und aus ihrer Heimat vertrieben. Hitté und Rounga waren die letzten Dörfer, die verlassen wurden, nachdem Terroristen ein Ultimatum gesetzt hatten: Die Bewohner mussten entweder konvertieren oder ihre Häuser aufgeben.

„Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des Plans der Dschihadisten, die Terror verbreiten, Mitglieder der christlichen Gemeinschaften töten und anschließend die Hinterbliebenen mit der Drohung  vertreiben, nach drei Tagen wiederzukommen und dann keinen Christen oder Katechumenen mehr vorfinden zu wollen,“ so die Informationsquelle.

Toulfé war die erste angegriffene Gemeinde. Ende Mai töteten Dschihadisten dort während des Gottesdienstes fünf Menschen, darunter einen Katecheten. Außerdem verwundeten sie einen zweiten Katecheten. „Von Touflé aus rückten die Extremisten in den Ort Babo vor, der ebenfalls ein Ultimatum erhielt. Viele flohen. Diejenigen, die dort  blieben, wurden Zeugen der Ermordung dreier Menschen durch die Terroristen, darunter Jean-Paul, der die verbliebene Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte.“

Der letzte Ort, der bedroht wurde, ist Hitté. „Anfang September kamen 16 Männer ins Dorf und warteten auf die Bewohner, die vom Feld zurückkehrten. Während die einen die Christen in die Kirche zwangen und ihnen drohten, innerhalb von drei Tagen ihre Häuser zu verlassen, verbrannten die anderen alles, was sie auf ihrem Weg fanden. In Hitté leben nun keine Christen oder Katechumenen mehr“, bestätigen die Quellen.  Anschließend rückten die bewaffneten Männer nach Rounga vor, das ebenfalls evakuiert ist.

Allein aus diesen beiden Orten seien fast 2.000 Menschen geflohen. Sie wurden in einer Grundschule in Ouindigui aufgenommen.

Eine weitere nahegelegene Stadt, die seit Beginn der Verfolgungen Menschen aufgenommen hat, ist Titao, wo fast 7.000 Vertriebene sowie Opfer von Gewalt und Verfolgung Zuflucht gefunden haben. Hier hat die katholische Kirche [durch die Caritas] die soziale und pastorale Hilfe, die Betreuung von Kranken und Alten sowie die Begleitung der traumatisierten Bevölkerung in die Hand genommen.  „Die Situation ist schwer zu bewältigen, hat aber die Solidarität der übrigen Bevölkerung von Titao – einschließlich der Muslime – hervorgebracht, die die Sicht der radikalen Extremisten nicht teilt und aktiv mit Nahrung und Wasser hilft, damit die Ortsgemeinde die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge befriedigen kann.

Die lokalen Behörden in Titao sind von der schmerzlichen und dramatischen Situation in der Region bewegt. Allerdings „reagieren Verantwortliche auf Berichte lediglich mit Schweigen.“

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Zusammenarbeit der Ordnungskräfte, sowohl der Gendarmerie als auch der Polizei, bei der Bergung von Leichen ermordeter Christen, stellen die KIRCHE IN NOT – Quellen fest: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen zurückzubekommen, damit sie würdig begraben werden. Sie sagen, es sei nicht sicher. Deshalb gestaltet es sich als sehr schwierig. Mitunter haben Sicherheitskräfte ihre Zustimmung verweigert. In einem Fall mussten die Töchter von Verstorbenen all ihren Mut zusammennehmen und mit einem Dreirad losfahren, um die Leichen ihrer Väter zu holen und zu begraben. Auch in Babo war es nicht einfach:  Verwandte mussten mit Motorrädern fahren, um die Leichen wie Räuber in der Nacht abzuholen. Da bereits der Verwesungsprozess begonnen hatte, hatten viele Menschen danach gesundheitliche Probleme. Das ist unmenschlich.“

Die herangezogenen Quellen weisen darauf hin, dass nicht alle Fulani (Peuls) gebrandmarkt werden sollten, obwohl die Mehrheit der Terroristen zu dieser Gruppe gehöre Außerdem stecke hinter den Angreifern eine größere Kraft: „Jemand drängt diese Menschen dazu, sich zu bewaffnen, und gibt ihnen Waffen, um ihre Brüder zu töten, mit denen sie lange Zeit zusammenlebten. Denn obwohl es Ausländer unter den Terroristen gibt, sind die Mehrheit keine Fremden. Es sind Fulani, die lange Zeit in der Gegend lebten. Ihre Familien sind bekannt, und über Nacht sind sie zu Feinden der Bevölkerung geworden. Diese Menschen werden manipuliert.“

Der erste Verantwortliche für die Krise und die Zunahme der Gewalt im Land sei jedoch außerhalb zu finden: „Diese Waffen werden nicht in Burkina Faso hergestellt. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der eigene Profit zählt. Diejenigen, die die Waffen liefern, kennen nicht den Wert der Menschheit, den Wert des Menschen. Wir fordern das Vernichten der Waffen. Dann erst wird Friede nach Burkina zurückkehren.“

Es müsse sich sofort um Frieden bemüht werden, sonst drohen Vergeltungsmaßnahmen, erklären die Quellen. Denn die Menschen wissen: „Das ist derjenige, der meinen Vater oder meinen Bruder getötet hat. Es ist sehr schwierig. Nach so viel Barbarei ist man eher unempfindlich für den Frieden. Außerdem haben die Menschen alles verloren – auch die Ernte, was zu einer Hungersnot führen wird. Die Situation ist kritisch. „Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen berührt und der Friede zurückkehrt.“

Am 15. September, der in der katholischen Kirche als „Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens“ begangen wird, wurde in Rom wie in zahlreichen christlichen Kirchen Syriens der im Syrienkrieg getöteten Christen gedacht und ein Zeichen des Trostes für die Hinterbliebenen gesetzt. Im Vatikan segnete Papst Franziskus eine Ikone; auf der die „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ zu sehen ist.

Gestaltet wurde sie von dem griechisch-orthodoxen Priester Spiridon Kabbasch aus Homs speziell für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ gemeinsam mit den katholischen und orthodoxen Christen in Syrien auf den Weg gebracht hat. Ziel der Aktion ist es, den syrischen Christen nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen – besonders auch den Menschen, deren Angehörige im Krieg getötet oder entführt worden sind.

Papst hat die Syrienaktionen von „Kirche in Not“ wiederholt unterstützt

Bei der Segnung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta war auch der Internationale Präsident der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, der Ikonen-Künstler sowie Mitarbeiter des Hilfswerks anwesend. Papst Franziskus setzte mit der Segnung seine Unterstützung für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“ fort. Bereits am 15. August hatte der Heilige Vater beim Angelusgebet 6000 Rosenkränze gesegnet, die von christlichen Kunsthandwerkern aus Bethlehem und Damaskus hergestellt wurden. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der Papst beim Angelusgebet eine große Kerze entzündet und damit seine Teilnahme an der Gebetskampagne „Kerzen für den Frieden in Syrien“ ausgedrückt.

„Der Heilige Vater hat erneut seine liebende Nähe zu den Menschen in einer Weltregion gezeigt, wo viele Tränen getrocknet werden müssen. Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte der Präsident von „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, nach der Segnung. Der Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens gebe eine Lektion von wahrem und tiefen Mitgefühl, das die Welt auch heute dringend brauche, so Piacenza. „Maria leidet wegen Jesus, aber sie leidet auch mit Jesus. Die Passion Christi ist eine Teilhabe am Leid aller Menschen.“ Diesen Menschen beizustehen, wisse sich „Kirche in Not“ weiterhin verpflichtet.

Die vom Papst gesegneten Rosenkränze wurden nun am 15. September als Zeichen der besonderen Nähe des Papstes bei Gottesdiensten in katholischen und orthodoxen Kirchen Syriens an Hinterbliebene von Kriegsopfern verteilt. Auch ein aus dem Heiligen Land stammendes Kreuz aus Olivenholz und Bibeln in arabischer Sprache, die von „Kirche in Not“ gestiftet wurden, haben die Angehörigen als äußeres Zeichen der Anteilnahme und des Trostes erhalten.

Ikone besucht katholische und orthodoxe Kirchen Syriens

Neben den Gottesdiensten fanden an diesem Tag auch zahlreiche Prozessionen statt, bei denen hunderte Gläubige für ihre getöteten und entführten Mitchristen und ihre Familien gebetet haben. Auch die neue Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ wird in den kommenden Wochen in allen 34 Diözesen Syriens zu Gast sein.

Um weiterhin die pastorale wie humanitäre Arbeit der christlichen Kirchen Syriens unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX

Verwendungszweck: Syrien

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