Aktuelles Archive - Seite 48 von 50 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Ein gemeinsamer Sommerurlaub ist für viele Familien auf der Krim in Anbetracht ihrer finanziellen Situation nur ein Wunschtraum. Sobald in den Schulen Ferien sind, müssen viele Kinder ihre Zeit auf der Straße verbringen, während die Eltern den Lebensunterhalt verdienen. Um Kindern und Jugendlichen in Regionen, wo Christen unter schwierigen Bedingungen leben, eine sinnvolle Beschäftigung und Perspektive zu bieten, finanziert die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) in jedem Sommer Ferienlager, die begeistert und dankbar angenommen werden.

Die schlechte wirtschaftliche Lage auf der Krim spitzt sich immer mehr zu: Seit die Halbinsel im Schwarzen Meer von Russland annektiert wurde, sinken die Löhne und Einkommen, während insbesondere die Lebensmittelpreise steigen. Eine Situation, unter der besonders die einfache Bevölkerung leidet.

„Im Vergleich zu 2013 sind die Gehälter in der ersten Jahreshälfte 2017 um 18 Prozent und die Renten um 14 Prozent niedriger“, berichtet der römisch-katholische Bischof von Odesa-Symferopol, Mgr. Jacek Pyl, OMI. „Die Durchschnittsrente auf der Krim beträgt nur etwa 8500 Rubel, das sind 110 Euro. Jeder Dritte muss mit dem Risiko leben, in naher Zukunft in die Armut zu rutschen.“ Im Gegensatz zum gesunkenen Einkommen jedoch sind die Lebenshaltungskosten durch Einfuhrverbote für Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Gemüse, Obst und Nüsse, die Russland als Reaktion auf Sanktionen verhängt hatte, stark gestiegen: „Innerhalb des Landes haben sich die Preise für diese und andere Produkte seit 2014 verdoppelt, und manche Preise für Alltagsgüter sind auf der Krim sogar dreimal höher“, beklagt der Bischof.

Insbesondere die Zahl der Familien der Krim, die unterhalb der Armutsgrenze leben muss, wachse rasant, so Bischof Pyl. Das Armutsrisiko betrage für Familien mit bis zu zwei Kindern 66 Prozent, bei Familien mit drei oder mehr Kindern sogar bis zu 78 Prozent. Viele Familien können sich keinen Urlaub leisten. „Doch vor allem für Kinder und Jugendliche, die ihre Ferien gelangweilt auf der Straße verbringen müssen, stellt Abhängigkeit von Computer, Internet, Drogen oder Alkohol eine potenzielle Gefahr da“, sagt der Bischof dankbar dafür, dass KIRCHE IN NOT zwei Ferienlager auf der Krim unter dem Motto „Ferien mit Gott“ unterstützt. Diese KIRCHE IN NOT-Projekte richten sich an junge Leute unabhängig von ihrer Konfession und bieten ihnen während der Ferien eine sinnvolle Beschäftigung.

Einer der Teilnehmer, Bogdan Loginov, berichtet über die Ferientage, die von Ordensschwestern betreut worden sind: „Neben den vielen schönen Unternehmungen haben wir im Ferienlager viel Neues in der Katechese gelernt. Es war nie langweilig und ich habe viele neue Freunde gefunden. Wenn es das Camp nicht gegeben hätte, wäre der Sommer völlig sinnlos an mir vorbeigegangen. Hoffentlich findet es im nächsten Jahr wieder statt.“

„Gerade in diesem Alter haben junge Menschen viele offene Fragen: Wie soll ich leben, wer will ich sein und wofür soll ich leben? – In den Sommercamps geht es nicht nur um Erholung, sondern auch um die Zukunft des Landes und der Kirche, weil die Vermittlung und das Leben christlicher Werte eine große Bedeutung haben“, erzählt Bischof Pyl.

Genau diese Erfahrung hat der 15-jährige Andrej Prospunov gemacht: „Im Teenageralter tauchen immer wieder Fragen auf. Man nimmt die Welt anders und intensiver wahr. Das Hinterfragen vieler Dinge wirkt sich jedoch nicht immer positiv auf den eigenen Glauben aus. Doch dank des Sommerlagers konnten meine Freunde und ich verstehen, dass man trotz mancher Zweifel gläubig bleiben kann – mehr noch: dass der Glaube an Gott und die Erfahrung von Gemeinschaft mit gleichaltrigen Gläubigen eine großartige Sache sind. Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Gemeinden. Trotzdem haben wir durch unseren Glauben gemerkt, dass wir alle eins sind. Danke an alle Organisatoren und ganz besonders alle Menschen, die durch ihre finanzielle Unterstützung diese Zeit für uns möglich machen!“

Allein im aktuellen Jahr hat die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) dank der Wohltätigkeit ihrer Unterstützer auf der ganzen Welt 30 Sommercamp-Projekte für Kinder und Jugendliche mit über 330.000 Euro finanziert. 

In den englischsprachigen Regionen im Nordwesten und Südwesten Kameruns verschärft sich die gesellschaftspolitische Krise immer weiter. Besonders stark davon betroffen ist die Diözese Buea. Zu dieser Schlussfolgerung kommt die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) laut Berichten von Partnern vor Ort.

Nach Schätzungen lokaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen wurden in der Diözese Buea mehr als 200 Zivilisten – nicht nur Katholiken – getötet, inklusive Frauen und Kinder. Laut den Quellen von KIRCHE IN NOT wird geschätzt, dass es mehr als 20.000 Vertriebene gibt. Seit der Verschärfung der Krise im November 2016 sind mindestens acht Ortschaften niedergebrannt worden, 70 wurden angegriffen und geplündert. Insgesamt haben Bewohner 25 Dörfer auf die Suche nach Zuflucht in Farmen und im Dschungel verlassen.

Wegen der anhaltenden Unsicherheit sahen sich zehn Pfarren und Missionsstationen, vor allem in den Dörfern Muyuka und Muea, gezwungen, ihre pastorale Arbeit einzustellen. Andere wurden bei Konflikten zwischen staatlichen Sicherheitskräften und Unabhängigkeitskämpfern angegriffen, zum Beispiel Bolifamba (Meile 16) an Heiligabend 2018 sowie Muyuka, Ekona und Muea am 25. März dieses Jahres. Auch das Leben der Priester in der Diözese ist in großer Gefahr, wie die brutale Ermordung von Pater Alexander Sob aus der Pfarre Bomaka am 20. Juli 2018 in Muyuka zeigt, so die Quelle.

Den Berichten nach leidet nicht nur die Seelsorge, sondern auch die von der Diözese unterstützten Bildungsaktivitäten unter den Folgen des Konfliktes: Seit 2016 sind 40 katholische Grundschulen geschlossen worden. Andere wurden angegriffen und Opfer von Vandalismus, wie das College of Our Lady of Grace in Muyuka und das College of Our Lady of Mount Carmel in Muea am 22. September 2017. Auch die bekannte Sant Joseph High School in Sasse wurde von bewaffneten Zivilisten überfallen. Dieser Angriff hatte 20 verletzte Schüler und Lehrer sowie die vorübergehende Schließung sämtlicher katholischer Schulen in der Diözese zur Folge.

Darüber hinaus wurde KIRCHE IN NOT informiert, dass in den diözesanen Krankenhäusern wie dem Mount-Mary-Hospital und dem Regina-Pacis-Hospital in Muntengene die Zahl der Patienten wegen der massiven Flucht in andere Gebiete drastisch gesunken sei. Außerdem seien Sicherheitskräfte mit Schusswaffen in katholische Gesundheitszentren eingedrungen, um nach Unabhängigkeitskämpfern zu suchen, die dort angeblich aufgenommen wurden. Es gäbe auch Fälle, bei denen Frauen ohne ärztliche Hilfe ihre Kinder zur Welt bringen mussten, beklagt KIRCHE IN NOT.

Laut Bericht seien die gravierende Nahrungsmittelknappheit und die steigenden Preise besorgniserregend. Wegen der Vertreibung der Bauern von ihren Äckern sei in naher Zukunft die Ernährung der Bevölkerung nicht mehr gesichert, bestätigen die Quellen. Unterernährung und weitere gesundheitliche Probleme seien unvermeidbar.

Die aktuelle Krise begann sich in der Diözese Buea im Oktober 2016 zu verschärfen, als Sicherheitskräfte scharfe Munition bei weitgehend friedlichen Protesten der englischsprachigen Bevölkerung einsetzten, die seit der Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1961 von den überwiegend französischsprachigen Behörden ausgegrenzt wurden. Die Demonstranten warfen vor, dass ihnen die französische Sprache und Traditionen aufgezwungen wurden, und forderten mehr Autonomie und Respekt für ihre Bräuche.

Den bei KIRCHE IN NOT eingegangenen Berichten zufolge nehmen Geistliche und Gläubige trotz all der Herausforderungen weiterhin beharrlich ihre pastoralen Aufgaben wahr und kommen von tiefem Glauben bewegt zu großen Gottesdienstfeiern wie der diesjährigen Chrisammesse in der Kathedrale von Small Soppo.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 25 Jahren mehr als 20 Projekte in der Diözese Buea gefördert. Im aktuellen Jahr kommt der Großteil der Unterstützung den von der Krise betroffenen Frauen-Ordensgemeinschaften zugute.

In dem von Armut, Stagnation und Korruption geprägten Land wird die Ankunft des Heiligen Vaters als großes Ereignis erwartet. 58 Prozent aller Madagassen sind Christen. In Androhibe Soamandrakizay haben die Behörden ein 60 Hektar großes Gelände für die Heilige Messe zur Verfügung gestellt, die Papst Franziskus am Sonntag, den 8. September feiern soll. Zuletzt hatte mit Johannes Paul II. vor 30 Jahren ein Papst die Insel besucht.

Der Vinzentinerpater Pedro Opeka lebte damals bereits auf Madagaskar und konnte den polnischen Papst empfangen. In einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) versichert er, dass der jetzige Papst mit Spannung erwartet wird. „Das wird der Wahnsinn“, sagt er schmunzelnd. „Er wird an den Ort gehen, an dem sich früher eine alte Müllhalde befand, die wir in ein Dorf verwandelt haben. Es ist, als würde er es weihen!“ Es handelt sich um ein Werk zugunsten der Ärmsten, dessen Bau im Jahr des letzten Papstbesuches 1989 begonnen wurde. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat die Initiative mehr als 500.000 Menschen in Not geholfen.

Das fünftärmste Land der Welt

Pater Pedro kennt die madagassische Gesellschaft seit 1975. Er zeichnet ein Bild mit Licht und Schatten. Madagaskar war bereits arm, als er dort ankam. Doch seitdem ist das Elend noch größer geworden. Die Kleinbauern, die früher die Mehrheit der Inselbewohner ausmachten, leben heute neben den Stadtbewohnern und haben große Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Die sozialen Spannungen nehmen zu. „Vor 30 Jahren“, erinnert sich Pater Pedro, „bin ich hier auf der Insel hingegangen, wohin ich wollte. Heute ist dies nicht mehr möglich, weil wir uns in einer bürgerkriegsähnlichen Situation befinden“. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds ist Madagaskar derzeit das fünftärmste Land der Welt. Die Kirche und ihre Missionare sind ein zerbrechliches Bollwerk gegen die Lawine der Armut, die das Land heimsucht. Aber „sie sind es, die verhindern, dass das Land untergeht“, so Pater Pedro.

Der Geistliche versichert jedoch, dass das madagassische Volk über Ressourcen verfügt, und dass sich die Situation zum Besseren entwickeln kann. „Wohin ich auch gehe, fragen mich die Menschen, ob ich Arbeit für sie habe. Das ist alles, was sie wollen. Sie haben genug Kraft, eine unglaubliche Kraft!“. Seiner Ansicht nach hat die Insel am meisten unter dem Versagen der Politik gelitten. Der Boden der Insel enthält geologische Schätze – hauptsächlich Aluminium und Nickel – aber kaum ein Prozent dieses Reichtums kommt dem Land wirklich zugute. „Was die Zukunft Madagaskars weiterhin untergräbt, sind eine fortschrittsfeindliche Mentalität und institutionalisierte Korruption“, bedauert Pater Pedro.

Für die Insel ist der Augenblick der Wahrheit gekommen

Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer mit dem neuen madagassischen Präsidenten Andry Rajoelina, der 2018 gewählt wurde. Das junge Staatsoberhaupt (Jahrgang 1974) hat vor allem von der Stimme einfacher Bevölkerungsschichten profitiert. Er versichert, dass „er sie nicht vergessen wird“. Pater Pedro seinerseits glaubt ihm, warnt aber: „Ich gebe ihm zwei Jahre Zeit, um zu sehen, was er wirklich tut. Wenn es ihm nicht gelingt, die Dinge voranzubringen, werde ich nie wieder an einen Politiker glauben.“ Viele Menschen scheinen Pater Pedros Ansicht zu teilen, dass das Land mit dem Rücken zur Wand steht. „Wenn keine Reformen durchgeführt werden, wird die madagassische Gesellschaft auseinanderbrechen.“

Der Franziskaner Jacques Tronchon koordiniert mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT ein eindrucksvolles Projekt zur Wiedereingliederung madagassischer Familien in den ländlichen Raum, die in absoluter Hilfsbedürftigkeit am Rande der Hauptstadt zusammengepfercht und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Auch er ist besorgt über die Lage im Land: „Der Kampf gegen die extreme Armut, die in Madagaskar seit langem verbreitet ist, bleibt bis heute eine große Herausforderung. Die Exzesse mehrerer Regierungen haben die Schwierigkeiten verschärft, obwohl dieses riesige Land über ein großes Potenzial verfügt und in mehreren Regionen große Erfolge erzielen könnte. Die Gegensätze zwischen den Regionen des Landes und die Umstände im Zusammenhang mit den Machtkämpfen zwischen den Hauptmächten machen eine harmonische Entwicklung dieses schönen Landes sehr unsicher – ganz zu schweigen von den klimatischen Bedrohungen im Zusammenhang mit saisonalen Wirbelstürmen.“

Das Land ist in der Tat geteilt, auch auf religiöser Ebene. Religion hat einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. Zusammen mit den großen christlichen Konfessionen gibt es eine starke Verbreitung aller Arten von Kirchen, die oft miteinander konkurrieren. Pater Jacques: „Die führende Stellung der katholischen Kirche erscheint mir dennoch offensichtlich dank der starken Präsenz der Diözesen und aller möglichen Ordensgemeinschaften, die Sozialwerke in allen Bereichen fördern.“

Trotz aller Unterschiede ist der Franziskanerpater überzeugt, dass „letztlich das ganze Volk Gottes in Madagaskar, das sich aus Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammensetzt, kommen wird, um Papst Franziskus willkommen zu heißen und gemeinsam mit ihm Gott zu danken.“

Im Rahmen des Besuchs von Papst Franziskus in Madagaskar ist eine Gebetszeit mit kontemplativen Ordensschwestern von der ganzen Insel geplant. Dieses Gebetstreffen findet in der Kapelle der Karmelitinnen vom heiligen Josef in der Hauptstadt Antananarivo statt. Das Dach der Kapelle wurde mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT wiederaufgebaut, so dass der Heilige Vater gebührend empfangen werden kann. Schwester Maria Maddalena, Priorin des Karmels vom heiligen Josef in Antananarivo, teilt der Stiftung ihre Freude mit: „Ich möchte dies mit Ihnen teilen, um Ihnen noch einmal für alles zu danken, was Sie und Ihre Wohltäter für unsere Gemeinschaft getan haben, und damit auch Sie sich mit uns darüber freuen können, dass wir den Heiligen Vater empfangen können.“ Die Ordensschwester fügt hinzu: „Die Ankunft von Papst Franziskus ist bereits jetzt eine große Gnade, denn jeden Tag kommen mehr Menschen zu uns. Ich glaube, dieser Besuch wird sehr fruchtbar werden.“

Allein im Jahr 2018 unterstützte die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT die Kirche in Madagaskar mit über 1,1 Millionen Euro.

„Das wertvollste Gut der Kirche ist der Glaube der Menschen“. Vor zehn Jahren begann die islamistische Gruppe Boko Haram Terroranschläge in Nigeria zu verüben. Die Gruppe radikaler Islamisten entstand im Jahr 2009 mit dem Hauptziel, einen strengen islamischen Staat in Nordnigeria zu gründen. Seitdem führen sie unaufhörlich tödliche Angriffe durch, zerstören ganze Dörfer, töten und verstümmeln wahllos. Sie legen Bomben, stecken Kirchen und öffentliche Gebäude in Brand, und entführen vor allem Frauen und Mädchen, die sie zwingen, zum Islam zu konvertieren.

Nährboden für diese terroristische Gruppe ist der Nordosten Nigerias. Dort befinden sich die katholischen Diözesen Maiduguri, Yola und Taraba. Von ihnen ist Maiduguri am stärksten betroffen, da die Terroristen ihren Hauptsitz im Bundesstaat Borno haben – Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Im Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht der katholische Bischof der Diözese Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, über die aktuelle Situation und die Fortschritte der Kirche in den letzten Jahren.

Wie steht es nach zehn Jahren Terrorismus durch Boko Haram aktuell um dieKirche in der Diözese Maiduguri?

Seit zehn Jahren wird die Kirche in der Diözese Maiduguri von der gefürchteten islamischen Sekte Boko Haram schwer verfolgt. Die Sektenmitglieder haben eine gewaltige Zerstörung an Leben und Eigentum verursacht. Boko Haram ist der Ansicht, dass westliche Bildung eine Sünde ist. Da das Christentum eine Verbindung zur westlichen Bildung unterhält, soll es beseitigt werden.

Inzwischen hat sich die Lage sehr verbessert: Viele unserer Vertriebenen sind zu ihren Häusern zurückgekehrt, der Glaube wächst und einige der zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Trotz allem, was geschehen ist, danken und preisen wir Gott für seine Barmherzigkeit und Güte uns gegenüber.

Zu den vor wenigen Wochen wiederaufgebauten Gebäuden gehört auch die von Boko Haram zerstörte Kathedrale St. Patrick. Am 10. Juli 2019 wurde der Neubau von Erzbischof Antonio Guido Filipazzi, dem Apostolischen Nuntius in Nigeria, geweiht. Was bedeutet das für die Kirche in Ihrem Bistum?

Unsere Kathedrale und benachbarte Gebäude wurden durch zwei Bomben beschädigt, die im Jahr 2012 zu verschiedenen Zeiten explodierten. Gott sei Dank kam kein Mensch zu Schaden, denn es waren keine Leute in der Nähe der Kathedrale. Allerdings wurden die Kathedrale, das Priesterhaus und das bischöfliche Generalvikariat von den Explosionen stark betroffen. Die Weihe der wiedererrichteten Kathedrale von Maiduguri ist ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Sieg für sein Volk errungen hat, und markiert den Beginn der Erholung aus der Krise. Im Jahr 2014 stand mehr als die Hälfte der zu unserer Diözese gehörenden Gebiete unter der Kontrolle von Boko Haram. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir jemals wiedereine neue Kathedrale in der Stadt Maiduguri haben würden. Einige unserer Laien, die aus der Diözese flohen, sind bisher nicht zurückgekehrt. Das wertvollste Gut, das die Kirche inmitten dieser Verfolgung besitzt, ist der Glaube der Menschen. Diejenigen jedoch, die geblieben sind, haben die Kirche sehr unterstützt. Überraschenderweise gelang es den Gemeindemitgliedern der Kathedrale St. Patrick in Maiduguri, bis zu drei Viertel der für den Bau der neuen Kathedrale benötigten Mittel aufzubringen. Wir danken der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT für die restliche Unterstützung.

Boko Haram hat auch viele kirchliche Gebäude in verschiedenen Teilen Ihres Bistums zerstört. Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Die Liste ist sehr lang. Ich werde versuchen, sie zusammenzufassen. Unser kleines Seminar in Shuwa wurde von den Terroristen in ein Lager verwandelt, in dem sie die Rekruten sammelten und die Beute ihrer Plünderung aufbewahrten. Als sie das Seminar verließen, zündeten sie den größten Teil des Gebäudekomplexes an. Gott und auch der Unterstützung von KIRCHE IN NOT verdanken wir den Wiederaufbau. Auch unser katechetisches Bildungszentrum in Kaya wurde 2014 von Terroristen zerstört und geplündert. Dazu kommen zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, 15 Missionsschulen, mehr als zehn Pfarrhäuser und über 250 Kirchen oder Kapellen.

Sie haben erwähnt, dass einige Laien, Ordensleute und Priester aus ihren Häusern, Pfarren und Klöstern vertrieben wurden. Sind sie alle zurückgekehrt?

Der Höhepunkt der Angriffe von Boko Haram wurde 2014 erreicht. In diesem Jahr übernahmen Mitglieder der Sekte viele Bereiche unserer Diözese. Die Folge: Mehr als 25 Priester wurden vertrieben, mindestens 45 Ordensfrauen mussten ihre Klöster verlassen, über 200 Katecheten wurden von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und mehr als 100.000 Katholiken mussten ihre Häuser verlassen.

Wir danken Gott jedoch für die enorme Verbesserung der Sicherheit. Alle Priester sind an die Orte ihres Apostolates zurückgekehrt. Einige unserer Priester sind aber auch außerhalb unserer Diözese im Einsatz. Von den zur Diözese gehörenden 44 Pfarren und Pastoralgebieten sind nur drei Pfarren noch nicht funktionsfähig, weil sie im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Einige Ordensfrauen könnten in ihre Klöster zurück, – andere jedoch noch nicht, weil ihre Klöster nicht wiederaufgebaut wurden. Mehr als 90 Prozent unserer Laien sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt. Gott sei Dank!

Was ist Ihre Botschaft an KIRCHE IN NOT und ihre Wohltäter? 

KIRCHE IN NOT war das Rückgrat der Kirche in unserer Diözese. Ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre die Kirche in unserer Diözese schon längst zusammengebrochen. KIRCHE IN NOT hat der Diözese geholfen und hilft ihr weiterhin in verschiedenen Bereichen, unter anderem mit der Förderung unserer jährlichen Priesterexerzitien, der Ausbildung unserer Priester und Priesteramtskandidaten, den Messstipendien, dem Wiederaufbau des kleinen Seminars und einiger Priesterwohnungen. Wir sind den KIRCHE IN NOT-Mitarbeitern und ihren vielen Unterstützern sehr dankbar für die große Hilfe, die sie der leidenden Kirche in der Diözese geleistet haben: Die leidende Kirche betet für euch alle. Möge der liebe Gott, der nicht an Großzügigkeit übertroffen werden kann, euch alle mit seinem Frieden in dieser Welt und mit dem ewigen Leben in seinem Königreich belohnen.

KIRCHE IN NOT hilft auch weiterhin der notleidenden Kirche in Nigeria. Um diese Hilfe auch weiterführen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Verwendungszweck: Nigeria

„Der neue Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung ist ein wichtiger Schritt, um verfolgten Christen künftig mehr Gehör zu verschaffen“, resümiert Dr. Thomas Heine-Geldern. Der Geschäftsführende Präsident des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ zeigt sich zufrieden, dass in diesem Jahr der 22. August erstmals als „Internationaler Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben“ begangen werden kann. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte im Mai eine entsprechende Resolution dazu verabschiedet.

Initiative von „Kirche in Not“ inspiriert

Die Anwältin und Autorin Ewelina Ochab ergriff im September 2017 nach einer von „Kirche in Not“ veranstalteten internationalen Konferenz in Rom die Initiative, um die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken. Seitdem sprach sie auf vielen Konferenzen, um ein Netzwerk aus Unterstützern zu bilden. Der Resolutionsvorschlag wurde schließlich von Polen in die UN-Vollversammlung eingebracht. Die USA, Kanada, Brasilien, Ägypten, Irak, Jordanien, Nigeria und Pakistan hatten den Vorschlag unterstützt. „Es war ein langer Prozess mit vielen Beteiligten, aber ,Kirche in Not‛ war die Inspiration dafür“, sagte Ochab.

„Als Organisation, die sich seit über 70 Jahren für notleidende Christen einsetzt, freuen wir uns von ,Kirche in Not‛ sehr, dass die Vereinten Nationen diesen Tag anerkannt haben. Das war ein überfälliger Schritt“, sagte Heine-Geldern. „Allen Glaubensgemeinschaften widerfährt regelmäßig Gewalt. Doch internationale Berichte zur Religionsfreiheit bestätigen leider immer wieder, dass Christen am stärksten verfolgt werden.“ Allein in den letzten fünf Jahren habe es zwei Fälle von Völkermord an religiösen Minderheiten gegeben: Im Irak und in Syrien durch die Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ an Christen, Jesiden und anderen religiösen Gruppen, sowie an der muslimischen Minderheit der Rohingya in Myanmar. Hinzu kämen die systematisch organisierten Gräueltaten, denen zunehmend insbesondere Christen in Afrika zum Opfer fallen, so Heine-Geldern.

UN-Plattform und Tribunal für religiöse Gewaltakte gefordert

Der Präsident von „Kirche in Not“ sieht den neuen Gedenktag als wichtigen Meilenstein, der aber nur ein erster Schritt sein dürfe: „Der 22. August darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss einen Prozess anstoßen, der die internationale Gemeinschaft zu einem koordinierten Aktionsplan bewegt, um religiöse Verfolgung zu beenden und künftig zu verhindern. Es ist eigentlich die Pflicht der Vereinten Nationen, der Regierungen und politischen Akteure dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit Geltung zu verschaffen. Dem symbolischen Tag müssen jetzt Taten folgen.“

Ein notwendiges Instrument sei unter anderem die Einrichtung einer UN-Plattform, um den Austausch mit Vertretern der verfolgten religiösen Gruppen zu fördern, erklärte Heine-Geldern. Zudem müssten die Vereinten Nationen auf die Einrichtung eines internationalen Tribunals für Gewaltakte hinarbeiten, die sich gegen Gläubige richten.

Auftakt zu geistlicher Initiative von KIRCHE IN NOT. Am 15. August, dem Festtag Mariä Himmelfahrt, hat Papst Franziskus beim Angelusgebet auf dem Petersplatz 6000 Rosenkränze für Syrien gesegnet. Sie werden nun Menschen überreicht, deren Angehörige im Syrienkrieg entführt oder getötet wurden. Das ist Teil einer ökumenischen Initiative des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchen im Land. „Die Rosenkränze, die auf Initiative von `Kirche in Not´ hergestellt wurden, sollen für unsere Brüder und Schwestern in Syrien ein Zeichen meiner Nähe sein“, sagte Papst Franziskus. „Wir wollen weiterhin den Rosenkranz beten für den Frieden im Nahen Osten und auf der ganzen Welt.“

Die Rosenkränze sollen am 15. September, dem Gedenktag der „Sieben Schmerzen Mariens“, in verschiedenen syrischen Kirchengemeinden verteilt werden. Die ökumenische Initiative unter Mitwirkung von „Kirche in Not“ steht unter dem Leitwort „Tröstet mein Volk“ und widmet sich dem Gedenken an die Opfer des Syrienkriegs und der geistlichen Unterstützung für die Hinterbliebenen.

Papst unterstützt Engagement von „Kirche in Not“

Bei einer vorhergehenden Begegnung mit dem Papst im vatikanischen Gästehaus Santa Marta waren der Geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“, Dr. Thomas Heine-Geldern, sowie mehrere Direktoren von europäischen Nationalbüros des Hilfswerks anwesend, darunter auch Herbert Rechberger von „Kirche in Not-Österreich“ . Bei der Audienz lobte Papst Franziskus die Arbeit von „Kirche in Not“ und diese ökumenische Initiative: „Ich danke ,Kirche in Notʻ für alles, was Ihr tut. Wenn wir mit den Menschen in Syrien beten, kommen wir ihnen nahe.“

Präsident Thomas Heine-Geldern zeigte sich bewegt von der Unterstützung des Papstes für die Gebetsaktion: „Der Heilige Vater hat unser Engagement in Syrien und dem Nahen Osten bei verschiedenen Begegnungen gutgeheißen und unterstützt. Das hat er auch heute wieder zum Ausdruck gebracht. Die gesegneten Rosenkränze zeigen den Hinterbliebenen der Kriegsopfer: Der Papst und die ganze Kirche sind bei uns, sie beten für uns und stehen uns zur Seite. Das ist ein großer Trost.“

Die Hilfe für die notleidende Bevölkerung in Syrien sei seit Kriegsausbruch im Jahr 2011 ein Schwerpunkt der Arbeit von „Kirche in Not“, betonte Heine-Geldern. Dank der Großzügigkeit der Wohltäter konnte das Hilfswerk in dieser Zeit mit 35 Millionen Euro insgesamt 850 Projekte für Menschen in Syrien unterstützen und somit vielen christlichen Familien ermöglichen, in ihrer Heimat zu bleiben. Diese Hilfeleistung sei von Anfang an in enger ökumenischer Zusammenarbeit zwischen katholischer und orthodoxer Kirche erfolgt – das gelte auch für die aktuelle Initiative, so Heine-Geldern: „Geld ist nicht genug. Neben der materiellen Hilfe brauchen die Menschen in Syrien geistliche und moralische Unterstützung, denn sie leben in einer verzweifelten Situation. Dafür steht „Kirche in Not“ zusammen mit den Wohltätern weltweit ein.“

Die geistliche Initiative „Tröstet mein Volk“ wird am 15. September an zahlreichen Orten Syriens stattfinden. Bei Andachten und Prozessionen werden die Gläubigen für die Getöteten beten. Familien, deren Angehörige im Krieg getötet oder entführt worden sind, werden als spezielles Zeichen des Trostes unter anderem die vom Papst gesegneten Rosenkränze erhalten. Sie wurden in Bethlehem und Damaskus gefertigt. Auch Papst Franziskus nimmt weiterhin Anteil an der Initiative: Er wird beim Angelusgebet am 15. September eine Ikone segnen, die „Unsere Liebe Frau von den Schmerzen, Trösterin der Syrer“ zeigt.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz in der Zentralafrikanischen Republik ist der Auffassung entgegengetreten, dass es sich bei dem seit 2012 anhaltenden Bürgerkrieg im Kern um einen Religionskonflikt von Christen und Muslimen handeln. „Das stimmt nicht“, erklärte Bischof Néstor Nongo-Aziagba gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Das anhaltende Blutvergießen sei vielmehr die Folge der wirtschaftlichen Ausbeutung und des Konflikts um die Diamant- und Goldvorkommen des Landes.

„Die Religion darf nicht dazu benutzt werden, die Ausbeutung zu vertuschen“, erklärte Nongo-Aziagba. Dies sei „ein Ablenkungsmanöver, das von den wirklichen Problemen wegführt: Armut, Analphabetismus und mangelnde Gerechtigkeit.“ Letzteres zeige sich daran, dass die Mitglieder der Rebellengruppen weitgehend straffrei ausgingen, obwohl schlimme Gräueltaten auf ihr Konto gingen. „Die Zentralafrikanische Republik steckt in einer politischen und nicht in einer religiösen Krise“, fügte der Bischof hinzu.

Rebellentruppen aus dem Ausland gefördert?

Den Séléka-Truppen, die sich 2012 gebildet hatten und mittlerweile in verschiedene Gruppen zersplittert sind, gehörten zwar mehrheitlich Muslime an. Aber ihr Ziel sei „nicht die Bevölkerung zu bekehren, sondern das Land auszubeuten“, sagte Nongo-Aziagba. Mehr als zwei Drittel der Milizionäre seien Söldner aus dem Tschad, Niger, Kamerun und anderen Nachbarstaaten. Viele von ihnen seien keine praktizierende Muslime. „Sie verfolgen keine islamistischen Ziele. Ihr Augenmerk gilt dem Mineralienreichtum des Landes.“

Als Reaktion auf die Angriffe der Séléka bildete sich die Gruppe der sogenannten Anti-Balaka, der auch zahlreiche Christen angehören. Diese gäben vor, die Interessen der Christen im Land zu verteidigen, die etwa 75 Prozent der Bevölkerung stellen. „Damit verdrehen sie jedoch die Wahrheit“, erklärte der Bischof. Er wirft mehreren Rebellengruppen vor, von der direkten oder indirekten Unterstützung einiger ausländischer Nationen zu profitieren. Dazu zählt Vorsitzende der Bischofskonferenz China, Russland und einige westliche Ländern. Diesen gehe es ausschließlich darum, den Bodenreichtum der Zentralafrikanischen Republik abzuschöpfen. „Die Milizen schaden Christen und Muslimen gleichermaßen“, sagte Nongo-Aziagba.

Derweil hält die Flüchtlingswelle weiter an: Human Rights Watch zählte für 2018 mehr als 640 000 Binnenflüchtlinge in der Zentralafrikanischen Republik. Und die Vereinten Nationen beziffern die Zahl der Menschen, die ins Ausland geflüchtet sind, mit rund 570 0000. Im Februar 2019 hat die Regierung der Zentralafrikanischen Republik ein Friedensabkommen mit mehr als einem Dutzend Rebellengruppen unterzeichnet. Bischof Nongo-Aziagba hat jedoch Zweifel an der Wirksamkeit, da die verschiedenen Milizen „das Abkommen widersprüchlich auslegen.“ Die Erfahrungen mit den UN-Truppen im Rahmen der seit 2014 anhaltenden Mission MINUSCA sei bestenfalls „unregelmäßig“ zu nennen. ´

„Wo bleibt die Souveränität unseres Staates?“

Auf die Frage, warum sich weitern viele Menschen, darunter auch Kinder und Jugendliche, den Milizen anschließen, nennt der Bischof drei Gründe: steigende Armut, fehlende Bildung und den Willen der Menschen, sich gegen weitere Angriffe zu wappnen. Die Menschen seien frustriert über den zunehmenden Zerfall des Landes. Schwäche der Regierung zeige sich laut Nongo-Aziagba unter anderem darin, dass „etwa 80 Prozent des Landes von Rebellengruppen kontrolliert werden und es kein funktionierendes Straßen- oder Transportsystem gibt“. Im Nordosten der Zentralafrikanischen Republik orientiere sich die Bevölkerung wirtschaftlich Richtung am Sudan und verwende dessen Währung, im Südosten ist Wirtschaft und Währung der Demokratischen Republik Kongo der Fixpunkt. „Wo bleibt die Souveränität unseres Staates?“, fragt der Bischof.

Die katholische Kirche in der Zentralafrikanischen sei fest entschlossen, den christlich-muslimischen Dialog weiter zu fördern. „Es ist entscheidend, dass Christen und Muslime zeigen, dass sie vereint sind“ und sich damit der Gewalt wiedersetzten, die in ihrem Namen ausgeübt werde, zeigt sich Nongo-Aziagba überzeugt. „Als Christ habe ich Hoffnung für die Zukunft“, führte der Bischof aus, „aber ich muss realistisch bleiben: Es ist sehr schwer, die Gewalt der letzten Jahre zu überwinden.“

„Kirche in Not“ steht der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren bei: von der Nothilfe für Kriegsopfer, die Arbeit von Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden bis hin zur Friedensarbeit. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Verwendungszweck: Zentralafrikanische Republik

Vor drei Monaten rissen Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Es war der Ostersonntag. Der Inselstaat, in dem die Christen rund acht Prozent der Bevölkerung stellen, steht seitdem unter Schock.

Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die katholische Kirche hat viele haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen.

Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Hauptstadt-Bistum Colombo. Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert materielle Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier, Korrespondent der katholischen Zeitung „Die Tagespost“, mit dem Priester.

Stephan Baier: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?

Prasad Harshan: Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen. Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Terroropfern arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. Die Menschen sind verwundet: physisch, mental und spirituell. In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?

Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt. Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.

Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst. Früher sahen sich etwa 4 000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest! Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …

Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst? 

Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute: Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?

Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?

Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“ haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns. So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

Um den kirchlichen Einsatz für die Überlebenden der Terroranschläge und die pastorale Arbeit auf Sri Lanka weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Der chaldäische Erzbischof Bashar Warda von Erbil, Kurdistan, ist die treibende Kraft hinter zwei wichtigen neuen christlichen Einrichtungen in der Region. 2016 öffnete die Katholische Universität ihre Pforten und im Spätsommer 2019 wird das Maryamana – ein neues, der Jungfrau Maria gewidmete Katholische Krankenhaus – offiziell eröffnet. Seit mehr als drei Jahren leben in der Erzdiözese von Erbil über 120.000 Christen, die im Jahr 2014 vor dem Überfall des Islamischen Staates auf die Ninive-Ebene im Norden des Irak geflohen waren. Während ca. 40.000 Gläubige inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt sind, ist Kurdistan für viele tausend Menschen zum ständigen Domizil geworden. Die einzige katholische Universität im Irak und das Krankenhaus werden den wiederhergestellten christlichen Gemeinschaften der Ninive-Ebene und den Christen in Kurdistan einen starken Impuls geben. Der Erzbischof sprach mit KIRCHE IN NOT (ACN) über die Bedeutung der beiden Projekte.

Welche Vision haben Sie für das neue katholische Krankenhaus?

Das Hauptziel des Krankenhauses ist es, eine effektive und erschwingliche Gesundheitsversorgung in einer vom Krieg geplagten Region zu gewährleisten, in der es an Ressourcen und moderner Ausrüstung mangelt. Dies ist zum Teil auf jahrzehntelange Konflikte zurückzuführen, aber auch auf die Untätigkeit der Regierung. Es ist wahrscheinlich, dass es im nächsten Jahrzehnt noch mehr Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge und ältere Menschen in Not geben wird. Wir werden in der Lage sein, die bedürftigsten Patienten zu unterstützen und ihnen Preisnachlässe von bis zu 60 Prozent anzubieten.

In einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit spielt das Krankenhaus doch sicher auch eine wichtige Rolle als Arbeitgeber, oder?

Christen und anderen Minderheiten wird oft der Arbeitsplatz verweigert und sie werden aufgrund eines von Vorurteilen behafteten politischen Systems bei Beförderungen übergangen. Es gibt nur wenige oder gar keine Politiker, die bereit sind, sich für die Rechte der Christen einzusetzen. Dies ist ein Grund, warum Menschen das Land verlassen. Das Schaffen von Arbeitsplätzen wird den Christen zeigen, dass wir für sie in Erbil eine Zukunft aufbauen. Das Maryamana-Krankenhaus ist neben der Universität ein wichtiges und zentrales Projekt, das darauf abzielt, Christen zu motivieren, in Erbil und in der Ninive-Ebene zu bleiben. Beide Einrichtungen zeigen, dass Christen ein fester Bestandteil der irakischen Gesellschaft sind.

Wird das Krankenhaus nur Christen versorgen?

Die Aufgabe des Krankenhauses steht im Einklang mit dem Auftrag der Kirche. Alle Menschen, unabhängig von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit, können im Maryamana-Krankenhaus behandelt werden. Diejenigen, deren medizinischen Bedürfnisse am dringendsten sind, werden vorrangig behandelt. Es ist allgemein bekannt, dass Muslime christlichen Gesundheitsexperten vertrauen. Hoffentlich wird das Maryamana-Krankenhaus auch unsere Bemühungen um eine gesellschaftliche Wiederaussöhnung erleichtern, indem es sich ebenfalls der gesundheitlichen Probleme der Angehörigen anderer Religionen annimmt.

Welche medizinischen Leistungen wird das Krankenhaus anbieten?

Das Krankenhaus wird über 70 Betten und sieben Operationssäle verfügen, die voraussichtlich alle ständig genutzt werden. Das Krankenhaus wird 300 ambulante Patienten pro Tag versorgen können und die meisten medizinischen Dienstleistungen anbieten. Neben der Betreuung von Schwangeren und Frühgeborenen wird es Abteilungen für ein breites Spektrum an Fachgebieten geben. Das Krankenhaus wird über eine moderne Laborausstattung verfügen und das gesamte Spektrum an diagnostischen Untersuchungen (z.B. MRT, CT) durchführen können. Es gibt zwei Notaufnahmen sowie eine Apotheke. Wir hoffen, dass Maryamana in circa drei Jahren als Lehrkrankenhaus arbeiten kann. Auch die Einrichtung eines Zentrums für Onkologie im Krankenhaus ist geplant.

Welche Aufgabe verfolgt die katholische Universität in Erbil?

Die Katholische Universität Erbil wurde gegründet, um unseren jungen Menschen Bildungs- und Berufschancen zu bieten, damit sie ermutigt werden, im Irak zu bleiben und die zukünftigen Führer der christlichen Gemeinschaft hier und anderswo im Land werden. Wenn unsere jungen Menschen durch gute universitäre Bildung attraktive Arbeitsplätze in einem mehrheitlich muslimischen Land bekommen, motivieren sie andere Christen, den gleichen Weg einzuschlagen. Die Universität kann religiöse Minderheiten inspirieren und ihnen beweisen, dass sie hier eine lebensfähige und erfolgreiche Zukunft haben. Wir versuchen, Erbil als langfristiges Zuhause für die christliche Gemeinschaft zu etablieren – und dass die Menschen sich zum Bleiben entschließen, wenn es Arbeitsplätze, eine starke Infrastruktur mit Dienstleistungen und Institutionen gibt. Die Schule wird der christlichen Gemeinschaft ein wichtiges Gefühl von Wert und Zugehörigkeit vermitteln.

Wie viele Studenten hat die Universität jetzt und welches Ziel streben Sie an?

Derzeit sind 108 Studenten eingeschrieben, darunter zehn Muslime. Die akademischen Grade werden in den Bereichen Buchhaltung, Englisch, Internationale Beziehungen, Informationstechnologie und Informatik verliehen. Unser Ziel für das akademische Jahr 2022-2023 sind 825 Studenten – 615 irakische Christen, 125 Muslime und 85 Jesiden – die aus anderen Teilen des Irak kommen, nämlich aus Kurdistan, Mossul, der Ninive-Ebene, Duhok, Kirkuk, Bagdad und Basra. Um Studenten zu gewinnen, wollen wir zusätzliche Abteilungen in weiteren akademischen Kernfächern einrichten: Wirtschaft, Ingenieurwesen, Gesundheits- und Medizinwissenschaften sowie Erziehungswissenschaften.

Darüber hinaus wollen wir die Universität als internationales Ankerprojekt etablieren, um das Christentum im Irak zu erhalten. Wir bauen hier Beziehungen zu den zuständigen Ministerien auf und arbeiten international mit vielen Universitäten zusammen, um die Katholische Universität Erbil als Marke zu etablieren. Irakische Christen und andere Minderheiten zieht es zur Universität, weil der Unterricht auf Englisch stattfindet und weil die Universität in Ankawa, dem christlichen Viertel von Erbil, liegt. In einer Umgebung also, die Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Das neue Maryamana-Krankenhaus befindet sich ebenfalls in Ankawa.

Was sind Ihre größten Sorgen im Zusammenhang mit diesen Initiativen, mit dem Krankenhaus und der Universität?

Die größte Herausforderung bestand darin, beide Institutionen zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Beim Krankenhaus steht die Rückzahlung unserer Kredite im Vordergrund, aber wir wissen, dass das Krankenhaus voll ausgelastet und profitabel sein wird. Der Bedarf ist vorhanden. In Kurdistan gibt es über eine Million Flüchtlinge und Hunderttausende alter Menschen. Kliniken in Erbil und Duhok versorgen pro Monat mehr als 1.000 Patienten. Nicht weniger als 2.000 chronisch kranke Patienten sind auf unsere hiesige Klinik St. Joseph und sehr teure Medikamente angewiesen.

Die noch junge Universität benötigt mehr Hilfe, da die meisten unserer Studenten – viele von ihnen aus Karakosch auf der Ninive-Ebene – Vollstipendien haben. Wir müssen das Studienangebot erweitern, denn die Zahl der Abteilungen hängt von der Zahl der Bewerber ab. Es ist schwierig, englische Muttersprachler als Lehrer zu gewinnen, da die Konsulate sagen, dass Kurdistan unsicher ist. Wir können Menschen nur durch Mundpropaganda und Erfahrungsberichte von Besuchern gewinnen, aber ich glaube, dass wir Erfolg haben werden. Derzeit absolvieren 14 junge Menschen aus unserer Region Masterstudiengänge in den USA, Großbritannien, Italien und Australien. Nach ihrer Rückkehr nach Hause werden sie sowohl an der Universität als auch im Krankenhaus eine Schlüsselrolle spielen.

Ich danke allen unseren Wohltätern von ganzem Herzen und mit meinen Gebeten. Sie leisten eine großartige Arbeit für uns alle hier. Gott segne sie alle.

Seit zwei Jahren unterstützt KIRCHE IN NOT die Katholische Universität Erbil und das Maryamana-Krankenhaus mit der Finanzierung von Stipendien und dem Kauf modernster medizinischer Geräte. Von 2014 bis 2017 stellte KIRCHE IN NOT mehr als 40 Millionen Dollar für Projekte zur Unterstützung der chaldäischen Erzdiözese Erbil zur Verfügung. Diese stellt Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Unterkünfte und Bildung für die Binnenflüchtlinge bereit, die die Ninive-Ebene verlassen mussten, nachdem der IS die Region erobert hatte.

Um die geflohenen christlichen Familien und die Kirche im Irak weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen“, erklärte der Direktor von KIRCHE IN NOT Philippinen, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk unterhält seit 2016 ein Nationalbüro in dem südostasiatischen Land.

In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche. 20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Nur ein halbes Jahr nach dem Attentat ist die Kirche wieder geöffnet

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist, wie Jonathan Luciano beobachten konnte: „Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen.“

Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato. „Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano: „Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: Zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Terroropfer und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. So zum Beispiel auf der benachbarten Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch: Dialog unabdingbar

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte. Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

Auch der Direktor des philippinischen Zweigs von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Eine Delegation des Moskauer Patriarchates hat in diesen Tagen die internationale Zentrale des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT besucht, um weitere gemeinsame Hilfsaktionen im Nahen Osten zu besprechen.

Am 16. und 17.Juli besuchte eine Delegation des Moskauer Patriarchates die internationale Zentrale der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Thema der Besprechungen war die Entwicklung weiterer gemeinsamer Projekte in Syrien und im Irak als Antwort auf den Aufruf, den Papst Franziskus und Patriarch Kirill im Februar 2016 bei ihrem historischen Treffen in Havanna an ihre beiden Kirchen gerichtet hatten. Im Mittelpunkt ihrer Botschaft stand die Zusammenarbeit beider Kirchen, um den leidenden Christen vor allem im Nahen Osten zu helfen.

Die Delegation aus Moskau bestand aus Hieromonach Stefan (Igumnov), dem Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Ioann (Kopeykin), dem Prorektor des Postgraduierteninstitutes der Hll. Cyrill und Methodius in Moskau sowie Ekaterina Myazdrikova, der Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates, der syrischen Kindern hilft, die durch Explosionen schwer verletzt wurden.

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT, die seit mehr als 25 Jahren für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche engagiert ist, hatte bereits unmittelbar nach dem Treffen der beiden Kirchenoberhäupter gemeinsam mit dem Moskauer Patriarchat erste Initiativen zugunsten der Christen im Nahen Osten gestartet. Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet soll nun intensiviert werden. Regina Lynch, Direktorin der Abteilung Projekte bei KIRCHE IN NOT, betonte in diesem Zusammenhang, die Katholische und die Russisch-Orthodoxe Kirche hätten „viele gemeinsame Anliegen, von denen das schmerzlichste die Sorge um die Christen im Nahen Osten und in anderen Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt werden“ seien.

Hieromonach Stefan (Igumnov) betonte, diese Zusammenarbeit werde möglich durch die „bereits seit vielen Jahren bestehenden guten und fruchtbaren Beziehung zu KIRCHE IN NOT“, die auf „wirklichem Vertrauen“ beruhe. Wörtlich sagte er: „Wir sind nicht nur Partner, sondern Freunde.“ KIRCHE IN NOT habe das Moskauer Patriarchat in „verschiedenen Stadien seiner Geschichte“ unterstützt. Jedoch sei zuvor „nie daran gedacht worden, gemeinsame Projekte auch in anderen Teilen der Welt durchzuführen“.
Nach dem historischen Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill in Havanna jedoch habe die Zusammenarbeit „eine neue Phase erreicht.“ Laut Igumnov war es „ein Wunder, das Gott uns geschenkt hat, dass wir bereits zwei Monate nach dem Treffen unserer Kirchenoberhäupter in Havanna ihrem Aufruf folgen und gemeinsam in Syrien tätig werden konnten.“

Die Gespräche über die gemeinsamen Projekte werden weiter fortgesetzt. Es ist geplant, gemeinsame Initiativen ins Leben zu rufen, die dazu dienen, Jugendlichen in Syrien und im Irak unabhängig von ihrer Konfession eine Zukunft zu ermöglichen. Diese gemeinsamen Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, wie die Vertreter des Moskauer Patriarchates und der Stiftung KIRCHE IN NOT übereinstimmend erklärten.

Foto:

v.l.n.r.: Peter Humeniuk, Projektleiter für Russland von KIRCHE IN NOT,
Fr. Ioann (Kopeykin), Prorektor des Cyril und Methodius Institutes für Post-Graduate Studien des Moskauer Patriachats in Moskau,
Ekaterina Myazdrikova, Geschäftsführerin von “Poznanie”, ein karitativer Fond des Moskauer Patriachats,
Regina Lynch, KIRCHE IN NOT, Leitung der Projektabteilung,
Fr. Stefan (Igumnov), Sekretär für den interchristlichen Dialog,
P. Martin Barta, internationaler geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT

Pierbattista Pizzaballa hat bereits über drei Jahrzehnte seines Lebens im Heiligen Land verbracht. Seit 2016 ist der Franziskaner zudem Erzbischof und Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem und damit Oberhaupt von rund einer Viertelmillion Katholiken in Israel und den Palästinensergebieten – Heimat Jesu und Ursprungsregion des Christentums, aber auch einer der langwierigsten Konfliktherde der Menschheit.

Obgleich die Christen im Heiligen Land nur rund ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind Sie im öffentlichen Leben präsent. Gleichzeitig müssen sie mit vielfältigen Problem ringen. Das betrifft besonders die arabischen Christen, die die Mehrheit der Gemeinden stellen.

Pizzaballa war kürzlich bei „Kirche in Not“ zu Besuch. Weshalb aktuelle weltpolitische Entscheidungen den Konflikt im Heiligen Land verschärfen und warum die Kirche auf die Kraft der kleinen Schritte setzt, erklärte der Erzbischof im Gespräch mit Daniele Piccini.

KIRCHE IN NOT: Herr Erzbischof, wie ist die aktuelle Situation der Christen im Heiligen Land?

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa: Es wird oft gesagt, dass es in dem Gebiet, das als Heiliges Land im engeren Sinne gilt, drei Gruppen gibt: Israelis, Palästinenser, Christen. Aber die Christen sind kein „drittes Volk“. Die Christen gehören zu dem Volk, in dem sie leben. Wir haben als Christen keine Gebietsansprüche. Für einen Juden oder einen Muslim ist es niemals eine Gefahr, einen Christen zu treffen. Dennoch ist das Leben für die Christen nicht einfach: Es ist schwieriger für die Christen, eine Arbeit oder eine Wohnung zu finden. Die Lebensbedingungen sind erschwert.

Also ist die Religionsfreiheit für die Christen im Heiligen Land stark eingeschränkt?

Da muss man differenzieren. Die Freiheit der Religionsausübung ist eine Sache, die Gewissensfreiheit eine andere. Die Freiheit der Religionsausübung ist gegeben: Die Christen können ihre Gottesdienste feiern und ihr Gemeindeleben gestalten. Gewissensfreiheit bedeutet, dass jeder Gläubige sich frei ausdrücken kann und dass sich Angehörige anderer Religionen frei entscheiden können, wenn sie Christen werden möchten. Da wird es sehr viel komplizierter.

Im Heiligen Land spielt Politik immer eine große Rolle. Wenn man beschließt, einen bestimmten Ort zu besuchen, kann das schnell eine politische Frage werden. Ein Beispiel: Christen aus Bethlehem möchten die Grabeskirche in Jerusalem besuchen, um dort zu beten. Häufig geht das nicht, weil sie eine Genehmigung brauchen. Ist das also eine Frage der Religionsfreiheit oder ist es einfach Politik und sie können die Grabeskirche nicht besuchen, weil sie Palästinenser sind? All das ist miteinander verwoben.

Vor kurzem hat die US-Regierung von Donald Trump die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegt. Rumänien ist einige Monate später diesem Beispiel gefolgt. Wie stark machen sich diese politischen Maßnahmen bemerkbar?

Im Alltag hat sich erst einmal nicht viel verändert. Dennoch ist die Verlegung der US-amerikanischen Botschaft eine politische Sackgasse. Alle Fragen, die Jerusalem betreffen und nicht beide Seiten – Israelis und Palästinenser – einbeziehen, sorgen für einen tiefen Riss auf politischer Ebene. Und genau das ist geschehen. Nach der Verlegung der Botschaft haben die Palästinenser jede Verbindung zur US-Regierung abgebrochen und die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensergebieten, die ohnehin nur schleppend verliefen, ganz zum Erliegen gebracht.

Die neuen Eskalationen führen dazu, dass sich junge Menschen vermehrt radikalisieren, gerade auch unter den Palästinensern. Hat dies auch Konsequenzen für die Christen?

Es gibt Palästinenser, die fundamentalistischen Bewegungen angehören. Aber es gibt auch viele, die die Gewalt ablehnen. Ein Großteil der Christen im Heiligen Land sind Palästinenser. Sie leben also unter denselben Bedingungen wie die palästinensischen Muslime. Der religiöse Fundamentalismus stellt die Christen klar an den Rand der Gesellschaft. Wir erleben also sowohl Zusammenarbeit und Solidarität, aber auch Ausschluss und Diskriminierung.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Abwanderung von Christen …

Die Abwanderung ist kein Massenphänomen, sonst wären die Christen längst aus dem Heiligen Land verschwunden. Es ist ein stetiges Tröpfeln. Jedes Jahr berichten mir die Priester bei meinen Besuchen in den Pfarrgemeinden: „Dieses Jahr haben wir zwei, drei Familien verloren.“

Kann die Kirche in dieser verfahrenen politischen Situation etwas tun?

Die Christen machen rund ein Prozent der Bevölkerung aus. Wir können daher nicht verlangen, dasselbe politische Gewicht zu haben wie andere Gruppen.

Nun hat die Kirche aber natürlich starke weltweite Beziehungen. Hinzu kommen die Millionen christlichen Pilger aus aller Welt. Dadurch ist die Kirche im Heiligen Land sehr viel sichtbarer, als es die Zahlen vermuten lassen. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen zu vermitteln: Es gibt eine christliche Art, in diesem Land zu leben. Es gibt eine christliche Art, unter diesem Konflikt zu leben. Im Augenblick ist nicht die Zeit für große Gesten. Die Kirche muss versuchen kleine Verbindungen herzustellen, kleine Brücken zu bauen.

Der Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2014 war eine der großen Gesten in der jüngeren Vergangenheit. Hat das die politische Situation, aber auch das Verhältnis der katholischen und orthodoxen Christen beeinflusst? 

Die Papstbesuche sind wichtige Mosaiksteine auf dem Weg zum Frieden, auch wenn sie natürlich nicht die große Wende bringen können. Im Blick auf die Ökumene ist das anders: Papst Franziskus hat mit seinem Besuch an die berühmte Begegnung von Papst Paul VI. mit Patriarch Athenagoras im Jahr 1964 in Jerusalem angeknüpft. Vor diesem Hintergrund war der Besuch von Papst Franziskus, vor allen Dingen das ökumenische Gebet in der Grabeskirche, ein entscheidender und spürbarer Wendepunkt in der Beziehung von katholischen und orthodoxen Christen.

„Kirche in Not“ ist den Christen im Heiligen Land seit vielen Jahren verbunden. In Jerusalem zum Beispiel finanziert das Hilfswerk ein interreligiöses Seminar mit dem Titel „Vergebung aufbauen, den Hass überwinden“, an dem hunderte Christen, Juden und Muslime teilnehmen. Können Sie uns kurz etwas zu dieser Initiative sagen?

In erster Linie bedanke ich mich bei „Kirche in Not“, weil das Hilfswerk viele Dinge im Heiligen Land tut. Sie unterstützen viele Projekte, auch dieses Seminar, das vom „Rossing-Center“ veranstaltet wird. Daniel Rossing war Jude und davon überzeugt, dass besonders Jerusalem ein Ort sein muss, an dem sich alle Religionen zu Hause fühlen. Dieses Zentrum organisiert eine Fülle von Begegnung. Viele Jugendliche, die an diesen Kursen teilgenommen haben, nehmen ihre Erfahrungen in ihre Berufe mit. So wird die Religion, die im Heiligen Land oft ein Element der Trennung ist, zu einem Element der Gemeinsamkeit.

Um die Arbeit der christlichen Minderheit im Heiligen Land weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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