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Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abzumildern, stellt das internationale päpstliche Hilfswerk “Kirche in Not”, das der verfolgten und leidenden Kirche in aller Welt dient, Nothilfen für Priester und Ordensfrauen zur Verfügung.

Angesichts der weltweiten Zunahme sozialer Not aufgrund von COVID-19 hilft diese großzügige Unterstützung Ordensleuten, die ihre materielle Lebensgrundlage verloren haben, damit sie weiterhin ihren seelsorglichen und sozialen Dienst ausüben können. Die finanzielle Hilfe unterstützt insbesondere Hilfsprojekte im Nahen Osten, in Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika.

Ordensschwestern auf den Philippinen versorgen bedürftige Menschen. Foto: KIRCHE IN NOT
„Da in Folge der COVID-19-Pandemie eine Welle menschlichen Leids weltweit spürbar wird, ist der Bedarf an sozialer und geistlicher Fürsorge gestiegen“, sagt Thomas Heine-Geldern, der Geschäftsführende Präsident von “Kirche in Not”. „Diese Hilfe, die dank vieler Wohltäter möglich wird, soll dazu beitragen, die Last der zahlreichen mutigen Ordensleute und Priester zu erleichtern, die an vorderster Front stehen und unseren leidenden Brüdern und Schwestern Gottes Liebe und Erbarmen bringen. Nun werden mehr denn je das Licht und die Hoffnung des Herrn benötigt.“
Menschen warten auf die Essensausgabe vor einer Kirche in Venezuela. Foto: KIRCHE IN NOT
Besonders die Menschen in Entwicklungsländern, die nur über sehr begrenzte Mittel verfügen, sind besonders gefährdet. Häufig sind bei der Gesundheitsfürsorge vom Einsatz der Kirche abhängig.

„Wir sind im Gebet verbunden mit den tapferen und engagierten Priestern und Ordensfrauen und mit allen leidenden Menschen in der Welt“, fährt Heine-Geldern fort. „Dies ist angesichts dessen, was gebraucht wird und was noch benötigt werden wird, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Kirche spielt jedoch eine besonders wichtige Rolle im Alltag der christlichen Gemeinden der Welt. Mein Dank gilt vor allem unseren Wohltätern, die oft trotz ihres eigenen Leids und ihrer eigenen Bedrängnis die Hand nach ihren Mitchristen ausstrecken und helfen, den Glauben lebendig zu halten.“

Um den Einsatz von Priester und Ordensfrauen weltweit im Kampf gegen Covid-19 unterstützen zu können, bitte „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN:AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nothilfen Covid-19

In Indien ruht aufgrund der Corona-Pandemie das gesamte öffentliche Leben. Dennoch herrscht eine noch nie dagewesene Völkerwanderung im Land: Millionen Wanderarbeiter sind durch den Ende März verhängten „Shutdown“ des Landes nun arbeitslos und wollen so schnell wie möglich nach Hause.

Gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT schildert die indische Ordensschwester Christin Joseph die Situation: „Es ist ein nicht enden wollender Strom von Zehntausenden von Menschen, die zu Fuß in ihre teilweise mehr als tausend Kilometer entfernten Heimatdörfer zurückkehren.“ Der Verkehr sei weitgehend eingestellt, Pensionen und viele Läden geschlossen. So könnten sich die Menschen nur mit wenig Lebensmitteln eindecken. Einen Platz zum Rasten oder Schlafen gebe es nicht. Hinzu kämen Temperaturen von an die 40 Grad.

Mitglieder der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ verteilen während der Corona-Krise Lebensmittel an bedürftige Familien. © Kirche in Not
In Indien zwingen Arbeitsmangel und Armut vor allem viele Einwohner aus den nördlichen Bundesstaaten zur Abwanderung in die großen Städte im Süden. „Tausende von ihnen sind einfache Tagelöhner, die viele Stunden täglich für ein paar Dollar am Tag arbeiten, ohne soziale Absicherung. Nun wollen sie wegen der Schließungen in ihre Heimat zurück“, erklärt Schwester Christin, die der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz angehört.

Abgeschnitten von Lebenswerk, aber geistig verbunden

Sie leitet die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, eine indische Laienbewegung. Die Gemeinschaften bilden sich in Regionen, die sehr abgelegen sind, wo selten ein Priester hinkommt oder wo es nur sehr wenige Christen gibt. Gläubige treffen sich mit einem Katecheten zu Wortgottesdiensten, Gebet und Austausch. In ganz Indien gibt es etwa 85 000 „Kleine christliche Gemeinschaften“.

Indische Katholiken, besonders im Norden des Landes, gehören oft zu den unteren Gesellschaftsschichten. Sie sind mit einer zunehmend gewalttätigen Diskriminierung konfrontiert. Unter normalen Umständen reist Schwester Christin monatlich tausende Kilometer, um diese benachteiligte Minderheit zu unterrichten und zu ermutigen.

Schwester Anne Christin Joseph, Leiterin der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Indien. © Kirche in Not
Vater und Sohn mit einem Lebensmittelpaket während der Corona-Krise. © Kirche in Not
Durch Corona hat sich jedoch die Lage geändert. Schwester Christins Schmerz ist spürbar, als sie KIRCHE IN NOT erzählt: „Ich bin über 65 Jahre alt und mein Gesundheitszustand ist schlecht. Deshalb darf ich nicht raus, ich darf nichts tun. Wenn ich höre, was mit unseren armen Menschen geschieht, fühle ich mich hilflos und unfähig, ihnen zu helfen. Ich kann nichts Anderes tun, als auf das Kreuz zu schauen und alles dem Herrn anzuvertrauen, der den menschlichen Schmerz am besten versteht.“

Hohes karitatives und geistliches Engagement in der Krise

Neben diesem Schmerz erreichen Schwester Christin aber auch hoffnungsvolle Nachrichten: „Zu meinem Trost reagieren unsere Gemeinschaften mit vielen kleinen Initiativen auf die aktuelle Lage. Immer unter Berücksichtigung der angeordneten Vorschriften helfen sie notleidenden Menschen und verteilen Lebensmittel, und zwar an alle, ob Katholiken, Protestanten, Hindus oder Muslime, ohne Unterschied.“ Im Bundesstaat Sikkim im äußersten Norden Indiens an der nepalesischen Grenze, helfen Mitglieder der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Zusammenarbeit mit staatlichen Helfern bei der Verteilung von Desinfektionsmitteln und Schutzmasken.

Darüber hinaus unterstützen sich die Gläubigen gegenseitig durch digitale Nachrichten, sie veröffentlichen Gebete und Leitfäden, um besonders für ein Ende der Pandemie und ihre Folgen zu beten, berichtet Schwester Christin: „Wir müssen uns mit dieser neuen Art des Kirche-Seins arrangieren und zeigen, wie wir in dieser Zeit der Ausgangssperre ,Liebe in Aktion‛ sein können“.

In der Hauptstadt Neu-Delhi seien die von der Regierungsbehörde auferlegten Beschränkungen sehr streng, berichtet Emmanuel Johnson, Leiter einer „Kleinen christlichen Gemeinschaft“. Dennoch helfen er und seine Mitchristen bei der Verteilung von Lebensmittelrationen an Tagelöhner und Familien in Not. „Außerdem haben wir während der Ausgangssperre das Familiengebet eingeführt“, erklärt Johnson. Täglich um 19:00 Uhr versammelt sich die Familie und betet den Rosenkranz in Solidarität mit den an Corona erkrankten Menschen.

Auch Schwester Christin betet viel und hält via WhatsApp Kontakt mit den ihr liebgewordenen Gemeinschaften, die sie nun nicht mehr besuchen kann. Sie dankt KIRCHE IN NOT für die Unterstützung über all die Jahre, so dass die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ jetzt in der Zeit der Krise eine Quelle des Trostes für ihre Mitmenschen sein könnten. „Aber die Tragödie ist groß“, richtet Schwester Christin das Wort direkt an die Wohltäter. „Indien braucht Ihr Gebet. Vergessen Sie uns nicht!“

Um die Arbeit der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“ in Indien weiterhin unterstützen kann, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden– online unter: www.kircheinnot.at/helfen/spenden

Wegen der Coronavirus-Pandemie mussten ausländische Pilger das Heilige Land verlassen. Vermutlich werden auch zu Ostern die Jerusalemer Straßen menschenleer sein. Die Stornierung aller Pilgerreisen wirkt sich gravierend auf die Tourismusindustrie aus, von der zahlreiche christliche Familien in Israel und in den palästinensischen Gebieten abhängig sind.

 

Im Heiligen Land zwang die Coronavirus-Pandemie Tausende von Pilgern zur Abreise. Zweifelsohne werden „zahlreiche Christen aufgrund der ausbleibenden Pilger leiden, weil viele von ihnen in der Tourismusbranche arbeiten“, bedauert Bruder Ibrahim Faltas gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. Der Franziskaner arbeitet für die Kustodie des Heiligen Landes, die zahlreiche heilige Stätten betreut. Bruder Ibrahim ist unter anderem für die Beziehungen zur Palästinensischen Autonomiebehörde und zu Israel verantwortlich.

Leere Ladenzeile in der Altstadt von Jerusalem. © A. H. Fritsch/Kirche in Not

Existenzen durch einbrechende Einnahmen vor dem Aus

„Ohne Pilger gibt es für niemanden hier Arbeit“, bedauert er. Dies gilt umso mehr, als bei den Christen im Heiligen Land alles miteinander verflochten ist: die Einnahmen aus dem Tourismus dienen dazu, die sozialen und pastoralen Aufgaben der christlichen Einrichtungen wie Pfarreien, Schulen, Hospize und Seniorenwohnheime zu finanzieren.

Alle von den Franziskanern im Heiligen Land geführten Gästehäuser sind ebenfalls geschlossen. Bruder Alberto Joan Pari, ein weiteres Mitglied der Kustodie, erklärt: „Durch die Schließung aller Hotels, Bars und Restaurants haben die meisten unserer Angestellten keine Arbeit und wir wissen nicht, wie wir über eine längere Zeit all diese Leute bezahlen sollen. Solche Situationen gab es bislang nur zur Zeit der Intifadas“.

Die Souvenir- und Kunsthandwerksgeschäfte sowie die Transportunternehmen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen. „Die Menschen, die kleine Familienunternehmen aufgebaut haben, sind finanziell nicht stabil genug aufgestellt, um einem solchen Schock standhalten zu können“, erklärt Bruder Alberto. Während der kriegerischen Konflikte, die das Heilige Land in der Vergangenheit erlebt hat, hätten einige Menschen immerhin in anderen Bereich als dem Tourismus Arbeit finden können. Doch die Pandemie betreffe nun alle Branchen und es sei unmöglich, das Risiko eines Ortswechsels einzugehen, um eine andere Arbeit anzunehmen.

Ordensfrau entzündet Kerzen in der Grabeskirche. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not

Fehlende Karfreitagskollekte bremst Hilfeleistungen

„In den letzten Tagen haben wir bereits damit angefangen, die am stärksten betroffenen Familien zu unterstützen“, sagt Bruder Ibrahim und gibt zu: „Auch für uns als lokale Kirche wird es schwer werden, den Menschen zu helfen“. Auf die Frage von „Kirche in Not“wie diesen Menschen geholfen werden kann, antwortet Bruder Ibrahim: „Es hilft uns sehr, wenn Ihr uns im Gebet unterstützt und die Pilger anregt, wieder in das Heilige Land zu kommen, sobald es möglich ist.“ Auch Spenden und Mess-Stipendien seien willkommen. Bruder Alberto versichert, dass die Franziskaner im Heiligen Land ebenfalls an den heiligen Stätten für jene Menschen beten, die unter dem Virus leiden.

Der Ordensmann befürchtet, dass die Karfreitagskollekte, die jedes Jahr für die Christen im Heiligen Land gehalten wird, dieses Jahr ausfällt. In zahlreichen Ländern finden ohnehin keine öffentlichen Gottesdienste statt. Die Karfreitagskollekte sichert den Unterhalt der heiligen Stätten und die seelsorgerische Betreuung der Pilger. Gleichzeitig fördert die Kollekte die Hilfsmaßnahmen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem im Nahen Osten, damit die Christen dort in ihrer Heimat bleiben können. „Falls die Karfreitagskollekte ausfällt, fehlen uns bis zu 80 Prozent unserer Einnahmen“, warnt Bruder Alberto.

Fünfte Kreuzwegstation an der Via Dolorosa ohne den üblichen Pilgerstrom. © A. H. Fritsch/Kirche in Not

Geburts- und Grabeskirche geschlossen

Seit dem 12. März hat das Wallfahrtsbüro der Franziskaner in Jerusalem Gottesdienste von Pilgergruppen storniert. Die Palästinensische Autonomiebehörde hat bereits Anfang März die Stadt Bethlehem unter Quarantäne gestellt. Die dortigen Schulen und Universitäten, Moscheen und Kirchen haben komplett geschlossen – auch die Geburtskirche. „In der Vergangenheit wurde sie ausschließlich im Falle eines Krieges oder einer Belagerung geschlossen“, stellt Bruder Alberto fest.

In Jerusalem waren Mitte März noch ein paar wenige Lebensmittelgeschäfte offen. Doch die meisten Straßen sind leer. Weit und breit kein einziger Pilger. Mittlerweile ist auch die Grabeskirche, eine der heiligsten Stätten der Christenheit, geschlossen. „Wenn man bedenkt, dass es noch vor einem Monat keine einzige Unterkunft gab, wo die Pilger übernachten konnten! Die Besucherzahlen waren sehr hoch. Heute ist hier niemand mehr, die letzten amerikanischen Pilger sind vergangene Woche abgereist“, bedauert Bruder Ibrahim.

Das Heilige Grab in Jerusalem ohne Pilger. © A. H. Fritsch/Kirche in Not

Normalität erst wieder im Herbst?

Wird die Grabeskirche in Jerusalem anlässlich der Osterfeierlichkeiten wieder öffnen? Das ist alles andere als sicher. Obgleich das Programm für die Karwoche noch nicht veröffentlicht wurde, vermutet Bruder Alberto, „dass es vermutlich keine öffentlichen Gottesdienste geben wird“.

Die Verantwortlichen im Heiligen Land hoffen, dass zumindest zur zweiten Pilgersaison des Jahres im Herbst die Normalität zurückkehrt. Eine seit Jahren in Jerusalem lebende Mitarbeiterin einer Pilgeragentur drückt es gegenüber „Kirche in Not“ so aus: „Lasst uns in den Herrn vertrauen, alles liegt in seinen Händen, auch wenn wir gegenwärtig eine Zeit erleben, in der es schwieriger ist, es zu verstehen und zu akzeptieren.“

„Kirche in Not“ unterstützt die christliche Minderheit in Israel und den Palästinensergebieten seit Jahrzehnten. Helfen Sie mit Ihrer Spende – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Heiliges Land

KIRCHE IN NOT unterstützt christliche Familien in Bethlehem, die von der Produktions von Olivenholzprodukten leben. Durch regelmäßige Aufträge wird rund 50 Familien geholfen. Unser Olivenholzangebot finden Sie hier: … zum Shop 

Die Karwoche und das Osterfest stehen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie unter ungewöhnlichen Vorzeichen. Der Geistliche Assistent des internationalen päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT, Pater Martin Barta, hat sich deshalb mit einem geistlichen Gruß an die Freunde und Wohltäter gewandt.

Liebe Freunde,

mit dem Palmsonntag, dem Einzug Jesu nach Jerusalem, beginnt die Karwoche, in der wir eines der größten Feste unseres Glaubens feiern. Auf dem Weg nach Jerusalem hat Jesus oft mit seinen Aposteln über das bevorstehende Leiden und Kreuz gesprochen. Er wollte sie darauf vorbereiten. Sie aber hatten Angst und konnten nicht verstehen, dass die Erlösung der Welt durch Passion und Kreuz vollbracht wird.

Pater Martin Barta, Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International.

„Auf dem Weg nach Ostern mit dem Leid konfrontiert“

Auf unserem Weg nach Ostern wurden auch wir in diesem Jahr in besonderer Weise und sehr konkret mit der Frage des Leidens konfrontiert. Die weltweite Pandemie, verursacht durch ein nur mikroskopisch sichtbares Virus, hat schon tausende Menschen in den Tod gerissen. Durch die täglichen Berichte über die Verbreitung des Virus und stets neue Schutzmaßnahmen sind wir alle, ganz persönlich und spürbar, in das überwältigende Geheimnis des Kreuzes hineingenommen.

Unser Denken und Fühlen werden von Unsicherheit, Angst und Sorge um die Zukunft geleitet. Jesus hatte auch Angst vor dem Leiden und erlebte Todesnot. Aber die Liebe zu seinem Vater und die Liebe zu den Menschen waren stärker als Angst und Tod. Mit dieser Liebe öffnete er uns die göttliche „Quelle“, aus der wir Einsicht und Zuversicht schöpfen können. Gott ist in jeder Situation unsere Zuflucht, von Ihm kommt die Kraft der Liebe, die alles erträgt und jede Angst vertreibt.

Kraft schöpfen in Gebet und Kreuz

Um aus dieser Quelle schöpfen zu können, brauchen wir wie die Apostel das Gebet. Jesus hat uns ermahnt, zu wachen und zu beten, damit wir in der Prüfung bestehen können. Durch das Gebet kommen Hilfe und Heil zu uns. Auch wenn dieses Heil, so paradox es klingen mag, zuerst Kreuz bedeutet. Das Kreuz ist das größte Zeichen, das Jesus wirkte. Es ist das zentrale Symbol unseres Glaubens, denn der Gekreuzigte hat durch seinen Tod am Kreuz das Böse besiegt.

In der Kraft der göttlichen Liebe hat Er den Tod in Auferstehung verwandelt. Das ist die Frohbotschaft vom Kreuz. Seit der Auferstehung wohnt unserem Leiden eine göttliche, verwandelnde Kraft inne, wenn es mit dem Kreuz Christi vereint wird. Das Kreuz war für Jesus „seine Stunde“, für die Er in die Welt gekommen ist. Auch wir sind gefragt, heute, in diesen Zeiten, unsere „Stunde“ zu sehen, um Gott, der uns im Übermaß liebt, unsere Liebe zu zeigen.

Das Kreuz steht nicht nur im Logo von KIRCHE IN NOT, sondern es ist auch die eigentliche Mission unseres Hilfswerkes, das sich für leidende und verfolgte Christen einsetzt. Jetzt, da wir das Kreuz selber hautnah spüren, sollten wir noch mehr auf das Kreuz Christi schauen und unser Kreuz fest in die Hand nehmen. Je schwerer das Kreuz wird, desto mehr müssen wir lieben.

Ein Mann aus dem syrischen Homs stützt ein beschädigtes Steinkreuz (Foto: Ismael Martinez-Sanchez/KIRCHE IN NOT).

„Im Zeichen des Kreuzes werden wir siegen“

Wenn die gegenwärtige Krise von uns viele kleine Opfer abverlangt und bei manchen auch großes Leid mit sich bringt, sollten wir nicht die eigenen Wunden betrachten, sondern unser Kreuz mit den Millionen anderer Menschen teilen, die schon immer in einer Not- und Krisensituation lebten und leben.

„Nicht nur die eigenen Wunden betrachten”

Mögen wir mit neuem Eifer und reinem Herzen für das Heil der Welt beten, die Nächstenliebe üben und unser Kreuz gläubig tragen! Denn nur so kann das Böse vernichtet und der „Herrscher dieser Welt“ besiegt werden. Im Zeichen des Kreuzes werden wir siegen.

„Mögen wir mit neuem Eifer und reinem Herzen für das Heil der Welt beten, die Nächstenliebe üben und unser Kreuz gläubig tragen! “

Nehmen wir auch Zuflucht bei der Gottesmutter, die Jesus uns vom Kreuz herab zur Mutter gab, indem wir jeden Tag ihre „Corona“, den Rosenkranz, treu beten. Sie hat schon vor fünfhundert Jahren, 1531 in Guadalupe, dem heiligen Juan Diego diese einzigartig zärtlichen und tröstenden Worte gesagt: „Höre und lasse es in dein Herz dringen, mein liebster Sohn: Nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben. Dein Herz beunruhige sich nicht. Fürchte nicht diese Krankheit noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer. Bin ich denn nicht hier, deine Mutter? Bist du denn nicht in meinem Schatten, unter meinem Schutz? Bin ich nicht der Brunnen deiner Freude, dein Heil? Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme? Bist du nicht in meinem Schoß? Brauchst du noch mehr als das?“ Ja, ihr makelloses Mutterherz, das unter dem Kreuz zusammen mit dem Herrn gelitten hat, wird am Ende über das Böse triumphieren.

Im Logo von KIRCHE IN NOT sehen wir, dass das Kreuz auch ein Pfeil ist, der die Mauer des Hasses, der Trennung und des Bösen durchbricht. Tragen wir das Kreuz Christi freudig mit. In ihm ruhen die Weisheit und die Kraft Gottes (1 Kor 1,24).

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Karwoche und frohe Ostern.
Ihr

Pater Martin Barta
Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International

Schwester Annie Demerjian, eine der Hauptprojektpartnerinnen von „Kirche in Not“ in Syrien, hat den Wohltätern des weltweiten päpstlichen Hilfswerks und allen von der Corona-Pandemie betroffenen Menschen eine Grußbotschaft zukommen lassen. „Was die Welt im Augenblick erlebt, ist sehr schmerzlich. Lassen Sie sich in dieser durch das Coronavirus hervorgerufenen Situation nicht durch die Nachrichten in Panik versetzen. Folgen Sie den Anweisungen der Gesundheitsbehörden”, rief Schwester Annie auf.

Die Ordensfrau der „Kongregation von Jesus und Maria“ dankte den Wohltätern von „Kirche in Not“ für die Hilfe in Form von Lebensmittelpaketen und Hygieneartikeln, Heizöl und Medikamenten, die seit fast zehn Jahren den ärmsten und schwächsten Menschen in Aleppo und anderen Orten in Syrien zugutekommen. Außerdem versichert sie alle Wohltäter in dieser internationalen Notlage ihres Gebetes.

„Das Leid ist da, aber die Auferstehung auch“

Schwester Annie erklärte, dass sie und ihre Mitschwestern jeden Tag den Rosenkranz „für die ganze Welt” beten, und fügte hinzu: „Unser Glaube besteht nicht darin, eine Art ,Zauberknopf‛ zu drücken und zu hoffen, dass alles geregelt wird. Der Schmerz und das Leid sind da, aber wir dürfen auch nicht vergessen, dass die Auferstehung ebenfalls jeden Tag da ist.”

Auf dem Hintergrund der Erfahrungen, die sie während des Krieges im nordsyrischen Aleppo gemacht hat, sagte die Ordensfrau: „Wir müssen den bedürftigsten Menschen helfen. Wir müssen einander aufrichten, und alles wird vorübergehen.”

Besuchsdienst für Ältere, Einkaufsgutscheine für bedürftige Familien

lickt mit Sorge auf die Auswirkungen des Virus in Syrien, das durch neun Jahre Krieg geschwächt ist. „In Aleppo besuchen unsere Gruppen von Freiwilligen weiterhin die Häuser. Wir helfen insbesondere den alten Menschen, da viele von ihnen keine andere Unterstützung haben. Auch in Damaskus helfen unsere Schwestern den alten Menschen. Sie erledigen die Einkäufe für diese besonders gefährdeten Personen, damit sie nicht aus dem Haus gehen müssen. Die Leute haben nichts, womit sie sich schützen könnten. Wie sollen sie überleben?”, fragte die Ordensfrau besorgt.

Eine wirksame Hilfe sei das Gutscheinprogramm, das 260 Familien den Einkauf im Supermarkt ermögliche und die Unterstützung bei Mietzahlungen für besonders bedürftige Menschen. Schwester Annie fügte hinzu: „Allen unseren Wohltätern sagen wir ein aufrichtiges Dankeschön für ihre Großzügigkeit. Sie helfen uns seit so vielen Jahren und tun dies noch immer. Möge Gott sie weiterhin segnen und Sie und ihre Familien beschützen und gesund erhalten.”

Helfer mit Lebensmittelgutscheinen für bedürftige Menschen in Aleppo.

„Was hier geschieht, ist eine Schande“, klagt der Bischof von Pemba nach dem jüngsten Angriff in seiner Diözese.

Am vergangenen Montag, den 23. März, hat eine bewaffnete Gruppe die Stadt Mocímboa da Praia, die Bezirkshauptstadt der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks mit etwa zwanzigtausend Einwohnern, angegriffen und besetzt. Der Angriff ging über mehrere Stunden.

Nach Angaben lokaler Medien steckten die Angreifer öffentliche Gebäude in Brand, ließen Häftlinge aus dem örtlichen Gefängnis frei und patrouillierten sogar frei auf den Straßen. Als weiteres Zeichen ihrer Machtdemonstration hissten die Aufständischen die schwarze Flagge, Kennzeichen dschihadistischer Gruppen.

In einem Telefongespräch mit dem international Hilfswerk KIRCHE IN NOT bestätigte Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba die Vorkommnisse: „Sie gingen ein und aus, wie sie wollten. Es gab keine entschlossene Reaktion der Sicherheitskräfte. Viele der Sicherheitskräfte flohen, weil die Angreifer zahlreicher waren, so dass diese Kleidung, Waffen, Lebensmittel, Autos und Militärkleidung mitnehmen konnten. Einige [der Angreifer] waren mit militärischen [Uniformen] bekleidet. Die so genannte Verstärkung der Verteidigungskräfte kam erst, nachdem sich die Angreifer zurückgezogen hatten“, sagte der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT.

„Es ist ein Skandal. Was in Mosambik geschieht, ist eine Schande. Es ist wirklich traurig, dass unsere Bevölkerung auf diese Weise gedemütigt wird“, betonte der Bischof.

Ein Wendepunkt?

Der Angriff könnte einen Wendepunkt in der wachsenden Instabilität darstellen, die im Norden Mosambiks seit Oktober 2017 zu spüren ist. Bislang fanden die Angriffe vor allem in ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten statt. Diesmal haben die Aufständischen eine Machtdemonstration in der Bezirkshauptstadt gewagt.

In Folge dessen hat die Angst in der Bevölkerung zugenommen: „Sie haben die Botschaft hinterlassen, dass sie zurückkehren werden“, unterstrich der Bischof. „Die Menschen haben Angst. Nachdem Mocímboa, die größte Stadt in dieser Region, angegriffen wurde, fühlt sich [die Bevölkerung] von Palma, von Mueda, von Macomia in Gefahr. Die Menschen haben Angst; sie hatten zwar schon vorher Angst, aber jetzt ist es noch schlimmer geworden.“

Lokalen Presseberichten zufolge gab es während der Machtübernahme in Mocímboa Szenen von „Chaos und Panik“, als die Angreifer selbst an den wichtigsten Gebäuden schwarze Flaggen hissten, die die Gruppen als Dschihadisten ausweisen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat kürzlich die Verantwortung für weitere Anschläge in der Provinz Cabo Delgado übernommen. Anfang März bekannte sie sich über das Internet nach Zusammenstößen mit Regierungstruppen schuldig am Tod von mosambikanischen Armeesoldaten. Und am 19. Februar wurden mindestens vier Soldaten in dem Dorf Chiculua im Bezirk Palma getötet, wo der Islamische Staat vermeintlich mehrere Häuser niederbrannte und einige Geschäfte plünderte.

Die katholische Kirche verfolgt die Entwicklung natürlich mit Sorge. „Der Angriff in dieser Woche hat das Gefühl der Unsicherheit noch verstärkt. Die katholische Kirche wird weiterhin den Menschen zur Seite stehen, trotz des offensichtlichen Risikos weiterer bewaffneter Zwischenfälle“, sagte Bischof Luiz Fernando gegenüber KIRCHE IN NOT.

Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba ©Leandro Martins

Liebe Freunde und Wohltäter,

als wir uns alle am Aschermittwoch auf die diesjährige Fastenzeit einstellten, hat keiner von uns daran gedacht, dass diese Bußzeit uns so herausfordern würde. In kürzester Frist haben wir erfahren, dass unsere irdische Sicherheit und Freiheit durch eine Pandemie erschüttert wird.

Eine solch außergewöhnliche Situation hat keiner von uns bisher bewusst so erlebt. Behördliche Maßnahmen, die für uns noch vor einigen Wochen undenkbar waren, halten wir jetzt für gut und vernünftig. Aber wie gut halten unser Glaube und unser Wissen um die Geborgenheit in Gott diese unerwarteten Erschütterungen aus?

Verständlich ist, dass wir uns zunächst Sorgen um uns bekannte Kranke und Opfer der Seuche machen. Dass wir an die Alten, die wir nicht mehr besuchen sollen, denken; oder an die Enkelkinder, die Ältere von uns nicht mehr aufnehmen dürfen. Für viele Menschen, sicherlich einige von Ihnen, kommen jetzt auch wirtschaftliche Sorgen hinzu.

Wir bemerken auch, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass wir eine Heilige Messe besuchen und die Heilige Kommunion empfangen dürfen. So ergeht es vielen unserer Brüder und Schwestern in Missionsgebieten oder auch in Diktaturen. Sie ringen um Messen und Sakramente. Und wir verstehen jetzt auch viel klarer, was es heißt, mit unseren Kindern Hauskirche zu halten und gemeinsam zu beten. So beten sie da, wo es keine Gotteshäuser gibt. Wir haben immerhin die Technik, die es uns ermöglicht, an Gottesdiensten durch Livestream oder andere Übertragungen teilzunehmen. So wird es uns erleichtert, nicht nur mit Gott, sondern auch mit unseren Freunden und mit der globalen Gemeinschaft der Gläubigen verbunden zu sein. Viele unserer leidenden und verfolgten Brüder und Schwestern müssen diese technischen Möglichkeiten entbehren.

Wir folgen Jesus Christus in dieser Fastenzeit viel unmittelbarer in die Wüste. Wir erfahren deutlicher in unseren Ängsten, was es bedeutet, sich auch von Gott zeitweise verlassen zu fühlen. Aber wir können uns immer wieder im Gebet füreinander aufrichten. Wir dürfen uns auf die Gewissheit stützen, dass die Brücke der Liebe und des Glaubens zwischen den Wohltätern, den Mitarbeitern von KIRCHE IN NOT und unseren Projektpartnern in aller Welt hält und unser gemeinsames Gebet diese globale Krise zu überwinden hilft. So haben wir gerade in den letzten Tagen unzählige Nachrichten aus Senegal, Burkina Faso, Brasilien, Haiti oder von den Philippinen erhalten, in denen uns das Gebet für alle Wohltäter von KIRCHE IN NOT zugesichert wird.

Unser gewohnter Alltag hat sich dramatisch verändert. Aber lassen wir uns von dem bewährten Grundsatz leiten, dass jede Krise eine Chance in sich birgt. Diese besteht darin, die plötzlich zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen, um innerlich zu wachsen, um Gott näher zu kommen und dabei alle mitzunehmen, die uns am nächsten sind: unsere Ehepartner, Kinder, Geschwister und Eltern. Und dann auch unsere Geschwister im Glauben – in der Nachbarschaft und in der Welt.

Das geschieht im Gebet, allein oder gemeinsam, und es geschieht, indem wir Mühsale und Bedrängnisse der nun zu erwartenden Wochen für all jene aufopfern, denen wir momentan nicht direkt helfen können oder deren Situation durch Krankheit oder Einsamkeit härter ist als unsere. Denken wir auch an die Familien, die jetzt durch beengte Wohnungen besonders gefordert sind. Und vergessen wir bitte nicht unsere Brüder und Schwestern in jenen Ländern, in denen Christen auch jetzt verfolgt und diskriminiert werden – sie haben oft weitaus größere Sorgen als den Virus. Lasst uns zum Beispiel alle Priester in unseren Partnerländern, die für uns die Heilige Messe feiern können, weiterhin durch Messstipendien unterstützen.

Immer wieder durfte ich mich in den vergangenen Jahren bei Ihnen für Ihre Großzügigkeit und Ihre Hilfe für unsere bedrängten Brüder und Schwestern bedanken! Heute darf ich Sie auffordern, dass wir die drei Pfeiler von KIRCHE IN NOT, Gebet, Information und Aktion in kreativer Treue zu unserer Aufgabe weiterentwickeln und so die Krise als Chance nutzen, Zeugnis für Jesus Christus zu geben.

Vielleicht dauert dieses Jahr die Fastenzeit länger als im Kalender vorgesehen, aber Ostern kommt. Lasst uns gemeinsam die Zeit der Bedrängnis so nutzen, dass wir dann das Geheimnis der Auferstehung tiefer erfassen.

Dies wünscht uns allen
Ihr im Gebet verbundener

Thomas Heine-Geldern
Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International

Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International
Die Coronavirus-Pandemie ist auch in Venezuela angekommen: Mehr als 70 Personen wurden positiv auf Covid-19 getestet. Da Corona-Tests knapp sind, liegt die Zahl der Infizierten wohl höher. Das Land schloss seine Grenzen und befindet sich seit dem 16. März unter offizieller Quarantäne. Diese Situation bringt die Bevölkerung in große Gefahr, denn die medizinische wie humanitäre Versorgung in Venezuela ist schon seit Längerem desolat.

Die venezolanische Bischofskonferenz hat ebenfalls vorbeugende Maßnahmen ergriffen: Unter anderem dürfen Priester die heilige Messe nur noch ohne Gläubige feiern. „Dies ist eine harte Zeit und eine Prüfung, aus der wir siegreich hervorgehen müssen. Glaube und Hoffnung sind das Mittel dazu. Sie müssen in unserer Nächstenliebe und Solidarität zum Ausdruck kommen. In diesen Zeiten der Gesundheitskrise müssen wir uns daran erinnern, dass der Herr in unserer Mitte ist und uns nicht im Stich lässt. Er ist der Fels, der uns rettet“, schreiben die Bischöfe in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Angst vor Hungersnot

Die leeren Straßen in Venezuela sind nicht nur ein Zeichen, dass die Quarantäne-Vorschriften befolgt werden. Sie drücken auch die ernste Sorge Menschen aus über die Folgen, die eine fortschreitende Ansteckung nach sich ziehen könnte. Doch es kommen noch andere Sorgen hinzu: Viele Menschen in Venezuela sind aufgrund der sozialen Isolierung nicht in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. „Ich weiß nicht, wie lange wir die Quarantäne ertragen werden, aber wenn das Virus uns nicht tötet, werden wir an Hunger sterben“, sagte Ester Chacón, eine Straßenhändlerin.

Ein in einem der wichtigsten Krankenhäuser des Landes tätiger Arzt, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“: „Das venezolanische Gesundheitssystem ist nicht auf die große Notlage vorbereitet, die durch steigende Corona-Infektionen hervorgerufen werden könnte. Die prekäre Situation der Krankenhäuser und der Mangel an Medikamenten sind weltweit hinlänglich bekannt.“

Eucharistie auf die Straßen getragen

Die Kirche versucht den Menschen auch in dieser Zeit nahe zu sein. Eine besondere Aktion gab es am Sonntag, 22. März in der Diözese San Cristobal, die nahe der kolumbianischen Grenze liegt: Bischof Mario Moronta hatte die über 150 Priester seiner Diözese aufgerufen, mittags die Glocken zu läuten und – unter Berücksichtigung der Quarantäne-Vorschriften – die Eucharistie vor die Türen ihrer Kirchen zu tragen, „um von dort aus die Stadt, das Land, das Nachbarland Kolumbien und die ganze Welt mit dem Allerheiligsten zu segnen und Gott zu bitten, dass er uns von dieser Pandemie befreit.“

Bischof Moronta forderte außerdem die Behörden auf, dafür zu sorgen, dass die Menschen Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischer Betreuung haben, sowie dafür zu sorgen, dass es nicht an Strom, Wasser und anderen unentbehrlichen Dienstleistungen mangelt. Moronta erklärte: „Wir bitten darum, der unmoralischen Praxis einiger Menschen zu begegnen, die unter Ausnutzung des Gesundheitsnotstands die Preise unvernünftig erhöhen. Diejenigen, die so handeln, haben keine Gottesfurcht.“

„Kirche in Not“ unterstützt die Krisenarbeit der Kirche in Venezuela. Das Hilfswerk leistet Existenzhilfe für Priester und Ordensleute, die über wenig Einkommen verfügen und fördert Ausbildung, seelsorgerische Aktivitäten sowie Armenspeisungen in den Pfarrgemeinden. Auch der Betrieb von Trinkwasserbrunnen und kleine lokale Kraftwerke gehören zu den geförderten Projekten. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Verwendungszweck: Venezuela

Bischof Mario Moronta aus San Cristobal trägt das Allerheiligste auf die Straßen.

Als erstes von rund 5000 Hilfsprojekten des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hat die Tafel „Johannes der Barmherzige“ in Zahlé/Libanon ihre Arbeit als Reaktion auf die Corona-Krise umstellen müssen. „Die Pandemie hält die Welt in Atem. Wir erhalten Nachrichten der Anteilnahme aus aller Welt. Doch auch unsere Projektpartner leiden unter den Auswirkungen der Krise. Das macht uns Sorgen“, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland.

Die Tafel „Johannes der Barmherzige“ wird von der melkitischen griechisch-katholischen Erzdiözese von Furzol, Zahlé und der Bekaa-Ebene betrieben. Normalerweise werden dort jeden Tag rund 1000 Personen mit einem Mittagessen versorgt. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge; die syrische Grenze liegt nicht weit. Nun musste die Essensausgabe den Bewirtungsbetrieb in den eigenen Räumen einstellen, nachdem die libanesische Regierung umfangreiche Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie getroffen hatte.

Essenslieferung an 400 Personen

Die Arbeit geht auch unter den veränderten Umständen weiter: Helfer bringen die Mahlzeiten nun zu rund 400 besonders bedürftigen Personen, die ihre Häuser nicht mehr verlassen können. „Ich danke dem Team der Freiwilligen für ihren Einsatz. Sie tun Gutes und helfen den Menschen in dieser außergewöhnlichen Situation“, erklärte der zuständige melkitisch griechisch-katholische Erzbischof Issam John Darwish. Er rief die Menschen auf, zu Hause zu bleiben sowie Gebete und Gottesdienste über Radio oder Internet zu verfolgen. Im Libanon gelten ähnlich wie in zahlreichen europäischen Ländern Versammlungsverbote.

Krisenländer trifft Corona noch härter

„Länder, deren Gesundheitswesen wenig Schutz bietet oder die, wie der Libanon, durch Flüchtlingsströme und Krisen bereits geschwächt sind, trifft die Ausbreitung des Corona-Virus noch viel härter als uns“, erklärte Florian Ripka. Im Libanon herrscht eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Seit Herbst 2019 kam es zu Massenprotesten. „Kirche in Not“ nutzt die bestehenden Kontakte zu den lokalen Kirchenvertretern, damit die Hilfsleistungen gesichert bleiben.

Mittlerweile träfen bei „Kirche in Not“ auch aus Venezuela und den Palästinensergebieten Nachrichten ein, die über Auswirkungen der Corona-Pandemie berichten, sagte Ripka: „Wir alle werden in der Zeit des Corona-Virus geprüft, aber wir können auch etwas tun: Unser Gebet und unsere Solidarität müssen weitergehen.“

Um die Tafel „Johannes der Barmherzige“ im libanesischen Zahlé weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.kircheinnot.at/helfen/spenden oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon

Vorbereitung der Essensauslieferung
Während ihres Aufenthalts in Frankreich beantragte Asia Bibi politisches Asyl. Die pakistanische Christin, deren Schicksal KIRCHE IN NOT seit ihrer Verurteilung im Jahr 2010 verfolgt, gewährte uns ein Interview. 

Offensichtlich ist Asia Bibi müde. Interviews und offizielle Treffen nehmen die wenigen Tage in Anspruch, die sie in Frankreich verbringt. Doch sie lächelt den Fotografen zu, die unablässig Bilder machen, und gibt tapfer eine Reihe Interviews: „Es ist den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, versichert sie.

Opfer eines absurden Gesetzes

Das Ende ihres Leidensweges verdankt sie vor allem der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die sie „ihre Schwester“ nennt und die ihr bei der Veröffentlichung des Buches „Enfin libre!“ (Endlich frei! erschienen bei du Rocher) geholfen hat. Diese Autobiografie erzählt, wie die pakistanische, katholische Bäuerin zu einer weltweiten Ikone des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Von ihren muslimischen Nachbarn der Blasphemie beschuldigt, verbrachte Asia Bibi neun Jahre im Gefängnis, unter Androhung der Hinrichtung, nachdem sie zum Tode verurteilt worden war. Das pakistanische Antiblasphemie-Gesetz wird häufig zur Beilegung einfacher Nachbarschaftsstreitigkeiten herangezogen und hat schlimme Folgen. Die Angeklagten werden oft von einem wütenden Mob gelyncht oder „verschwinden“, „begehen Selbstmord“ im Gefängnis. Die Medienberichterstattung über Asia Bibi hat sie vor diesem Schicksal bewahrt.

Am 31. Oktober 2018 wurde sie vom pakistanischen Obersten Gerichtshof auf Berufung freigesprochen und konnte nach vielen Höhen und Tiefen am 8. Mai 2019 – dank des internationalen Drucks – endlich nach Kanada ausreisen. Es gibt jetzt eine „Asia-Bibi-Rechtsprechung“, die es den der Blasphemie Beschuldigten erlaubt, sich gegen ihre Ankläger zu wenden. Das Antiblasphemie-Gesetz existiert in Pakistan immer noch, aber es ist zu einem Risiko geworden, es zu benutzen, um jemandem zu schaden.

Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich berühmt werden würde”, sagt Asia Bibi mit ihrer leisen Stimme. Sie erzählt von einer glücklichen Kindheit in ihrer Heimat Pakistan: „Ich habe mit meinen muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung“, erinnert sie sich nostalgisch. Im Alter von acht Jahren getauft, kann sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Was ihr religiöses Erbe angeht, erinnert sie an die lange Geschichte der pakistanischen Christen: „Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“ Mit der Zeit wird Asia Bibi jedoch bewusst, dass es doch Unterschiede zwischen Christen und Muslimen in ihrem Land gibt. Sie erfährt von Angriffen gegen Christen. Einige werden von wütenden Mobs gelyncht. Es gibt auch Vorfälle von Muslimen, die junge christliche Frauen entführen und sie zwingen, zum Islam überzutreten, um sie zu heiraten.

Christen sind „unrein“.

Asia Bibi entdeckt auch, dass Muslime Christen als „unrein“ betrachten. Wegen dieses Irrglaubens wird ihr Leben an einem heißen Tag, dem 14. Juni 2009, auf den Kopf gestellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie gehorcht, holt das Wasser und trinkt dann aus einer Tasse, bevor sie den anderen den Behälter bringt. Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia die Flüssigkeit „unrein“ gemacht hätte. Asia Bibi verteidigt sich, indem sie sagt, dass sie nicht glaubt, dass der Prophet Mohammed dem zustimmen würde. Ihr wird gesagt, dass sie gerade Blasphemie begangen hat! Es folgen das Gefängnis, die von Fundamentalisten herbeigeführte Flucht ihrer Familie, die Verurteilung zum Tode durch den Strang… Eine Gerichtsodyssee, die 2019 ein glückliches Ende findet. Wenn sie über diese  schwierige Zeit ihres Lebens spricht, ist kein Ärger zu spüren, nur Traurigkeit und Müdigkeit.

Es gibt andere „Asia Bibi“…

Aber Asia weiß, dass sie in ihrer Lage nicht allein ist, und sie will das Mikrofon nutzen, um für diejenigen zu sprechen, die in ihrem Heimatland noch immer der Blasphemie beschuldigt werden. Sie wird lebendiger und ihre bis dahin leise Stimme wird drängender: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich standhaft geblieben bin. Habt keine Angst!“ Hinter ihrer neu gewonnenen Lebendigkeit können wir die Stärke einer Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall bringen konnten. Dieselbe Frau, die sich immer geweigert hat, ihre Familie zu verlassen oder ihrem Glauben abzuschwören, wie man es nach ihrer Verhaftung verlangt hatte; so hätte sie einer Verurteilung entgehen können.

Trotz allem hat sie ihr Land verlassen müssen. Sie hofft, eines Tages zurückzukehren: „Dies ist meine Heimat, ich liebe Pakistan von Herzen!“, sagt sie. In Erwartung Ihrer Rückkehr würde sie gerne in Frankreich leben: „Mir ist hier viel Liebe entgegengebracht worden, ich glaube, ich würde mich bei euch sehr wohl fühlen.“

Asia Bibi

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara von Port-Bergé im Norden von Madagaskar spricht in einem Interview, das anlässlich seines Besuchs am 20. Februar am Hauptsitz des weltweiten Hilfswerks KIRCHE IN NOT geführt wurde, über die Herausforderungen für die Kirche in seinem Land, zu denen sowohl die Islamisierung der Insel als auch der Einfluss der Hexerei gehören. Das Interview führte Amelie de La Hougue.

KIRCHE IN NOT: Sind die Christen, die ja die Mehrheit im Land ausmachen, auf der gesamten Insel präsent?

Mons. Georges Varkey: Ihre Präsenz ist von Diözese zu Diözese sehr unterschiedlich. Der Katholizismus ist besonders in der Hochebene verbreitet. Die Region wurde ja vor 160 Jahren evangelisiert. Aber in meinem Bistum ist das nicht der Fall: Von den 800 000 Einwohnern sind nur 25 000 bis 30 000 Katholiken, und dann gibt es noch einige wenige Gläubige anderer Glaubensrichtungen. Fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung meines Bistums können jedoch als Animisten bezeichnet werden.

Ist unter der Bevölkerung die Hexerei immer noch stark verbreitet?

Ja, sehr sogar! Wegen des Glaubens an die Hexerei ist es mir verboten, bestimmte Dörfer zu betreten. Ein Beispiel: In ein Dorf meiner Diözese, in das ich nicht gehen kann, kam eine Frau, um Katechismus-Unterricht zu geben. Ihr Haus wurde zweimal niedergebrannt. Sie musste umziehen. Die Hexerei ist in den Dörfern im Urwald immer noch allgegenwärtig; aufgrund der mangelnden Bildung wissen es die Menschen nicht anders.

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara
Wie sind die Beziehungen zum Islam?

Früher war das Verhältnis zu den Muslimen gut. Seit einiger Zeit treten jedoch Islamisten auf. Wir werden mit der Islamisierung des Landes konfrontiert. Die Zahl der Muslime nimmt stark zu: Früher gab es nur Komoren, Pakistanis und einige wenige madagassische Muslime, aber jetzt kommen Islamisten aus dem Ausland, wie, wissen wir nicht. Außerdem gibt es Rekrutierungen im Land. Überall werden Moscheen gebaut, und mit der Regierung besteht eine Vereinbarung über den Bau von 2400 (!) Moscheen. In meiner Diözese gibt es beispielsweise keine Muslime, aber es werden viele Moscheen gebaut. Die Muslime kommen auch, um Menschen zu bekehren. Sie eröffnen Koranschulen und geben den Kindern Stipendien, die zu ihnen kommen. Wir haben auch erfahren, dass an den Universitäten junge, nicht muslimische Frauen drei Euro pro Tag dafür erhalten, die Burka zu tragen. Sie nutzen die Armut der Menschen aus, vor allem der Studenten, die Geld brauchen! Hier leben 85% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Was ist heute die größte Herausforderung für die Kirche in Madagaskar?

Für uns besteht eine der wichtigsten Herausforderungen in der Bildung. In meinem Bistum sind etwa 70% der jungen Menschen Analphabeten, weil es in der Nähe keine Schulen und nicht genügend Transport- und Verkehrsmittel gibt. Ich versuche, Ordensgemeinschaften dazu zu bewegen, zu uns zu kommen. Aber es ist schwierig. Dreiundfünfzig Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Wir wollen junge Menschen ausbilden, um ihnen ihre Würde zurückzugeben, um ihnen zu helfen, Arbeit zu finden, um ihnen zu helfen, damit sie ihrerseits dann ihre Kinder besser erziehen können. Wir wollen mit ihnen über Gott sprechen, ihnen helfen, ihre Berufung zu finden … Aber es ist schwierig, Lehrer zu finden, die bereit sind, in abgelegene Gebiete zu ziehen.

Stimmt es, dass in Ihrem Land auch viel Korruption herrscht?

Ja, die Korruption ist etwas Schreckliches. Die Regierung hat zu deren Bekämpfung Pläne aufgestellt. Dies erweist sich jedoch als schwierig, weil sie fest in der Gesellschaft verankert ist …

Andererseits versuchen wir, gegen die sogenannte „Volksjustiz“, also Selbstjustiz, zu kämpfen. Obwohl die Armut in den Großstädten abnimmt, wird sie in den Dörfern großer. Deshalb kommt es manchmal dazu, dass jemand wegen des einfachen Diebstahls eines Huhns von den anderen Dorfbewohnern gelyncht wird. In der Kirche arbeiten wir daran, durch unsere Predigten, durch die Verbreitung des Katechismus und auch durch die in allen Diözesen vertretenen Ausschüsse für Gerechtigkeit und Frieden den Menschen Bildung zu geben. Wir versuchen, den Madagassen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben, so nahe wie möglich zu sein, um ihnen zu helfen und ihnen Hoffnung im Kampf gegen die Korruption zu geben.

Madagaskar plant, 100 Millionen Bäume zur Bekämpfung von Naturkatastrophen zu pflanzen.

Ja, denn in Madagaskar haben wir es mit zwei Extremsituationen zu tun: Überschwemmungen im Norden (in meinem Bistum wurden kürzlich 1600 Häuser dadurch beschädigt) und Dürren im Süden. Die Kirche und die Regierung ermutigen die Menschen, Bäume zu pflanzen, um gegen die Abholzung der Wälder anzugehen. So soll beispielsweise auf dem Land, das für die Feier der großen heiligen Messe mit dem Papst im vergangenen September zur Verfügung gestellt wurde, eine Baumschule eingerichtet werden. Ich ermutige das madagassische Volk, Obstbäume, aber auch Reis, Maniok usw. zu pflanzen, damit es sich selbst ernähren kann.

Hat der Besuch von Papst Franziskus im vergangenen September Hoffnung geweckt?

Der Papstbesuch war wirklich ein Segen für das ganze Land. Menschen aller Konfessionen wollten den Heiligen Vater hören, sogar diejenigen, die der Kirche kritisch gegenüberstanden. An der Messe nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Alle vergaßen in seiner Gegenwart ihre Probleme; sie erkannten in Papst Franziskus wirklich einen Mann Gottes, der sich allen zuwendet. Seine Ankunft hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Herzen.

Möchten Sie unseren Wohltätern etwas mitteilen?

Ja, ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Dank KIRCHE IN NOT konnten wir in dem Gefängnis, in dem ich Kaplan war, eine Kapelle bauen und einen Raum einrichten, den wir als Bibliothek nutzen und in dem wir den Katechismus lehren und gegen den Analphabetismus vorgehen. Dies hat den Gefangenen Hoffnung gegeben; sie konnten das barmherzige Gesicht der Kirche sehen, einer Kirche, die ihnen helfen und ihre Lebensbedingungen verbessern will.

Ich bitte Sie, für mein Bistum zu beten: Es umfasst 33 367 km2, aber ich habe nur 33 Priester. Ich brauche wirklich Berufungen, Missionare, um zu evangelisieren und die Frohe Botschaft zu verkünden. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber Gott und die Jungfrau Maria geben uns Mut, weiter zu arbeiten. Wir tragen unser Kreuz, aber wir vertrauen weiterhin auf Gott. Und wir beten auch für alle unsere Wohltäter.

Die Angriffe im Norden von Mosambik haben bereits mehr als 500 Tote und Tausende von Vertriebenen verursacht, so Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba in einem Exklusivinterview mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Die Welle der Gewalt, die seit Oktober 2017 den Norden Mosambiks erschüttert, wird offensichtlich nicht so bald enden. Der Bischof bestätigte, dass am 29. und 30. Januar in der Provinz Cabo Delgado „sechs Angriffe“ stattfanden, die eine allgemeine Flucht der Bevölkerung zur Folge hatten und eine große Spur der Zerstörung in den Dörfern der Verwaltungsposten Bilibiza und Mahate hinterließen. Die beiden gehören zum Bezirk Quissanga, der etwa 120 Kilometer von der Stadt Pemba entfernt ist. Für Bischof Luiz Fernando Lisboa sind diese Anschläge „eine Tragödie“. Ein Anschlag „traf die Landwirtschaftsschule in Bilibiza, eine Hochschule mit mehr als 500 Studenten“.

„Ich hörte, dass die Schule niedergebrannt wurde, dann wurden nahe gelegene Geschäfte zerstört“, so schildert der Bischof den Anschlag. „Es ist eine sehr traurige Realität, dass die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte ohne internationale Hilfe die Angriffe nicht eindämmen können. Es sind bereits zwei Jahre und drei Monate vergangen … Wenn die Regierung von Mosambik bessere Bedingungen hätte, wäre dies vielleicht schon gelöst worden, aber viele Menschen sterben …“, sagte der Bischof.

In einem Interview mit dem Hilfswerk im Rahmen seines Besuchs in Portugal räumte Bischof Luiz Fernando Lisboa ein, dass es zwar keine offiziellen Statistiken über die Zahl der Menschen gibt, die ihr Leben verloren haben. Es habe aber sicher bereits 500 Tote gegeben, seit Ende 2017 die gewalttätigen Angriffe auf Dörfer, Verwaltungs- und Militärposten ausgebrochen und enthauptete Opfer als Zeichen des grausamen Terrros unter der Bevölkerung zurückgeblieben sind.

„Es wird Hunger geben…“

Die Situation hat unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. „Die Dörfer leeren sich, die Einwohner säen nicht. Das bedeutet, dass es Hunger geben wird und wir Tausende von Binnenvertriebenen haben“, führt der Bischof aus. Laut der UNO wurden infolge von Angriffen auf Dörfer im Norden Mosambiks etwa 60 000 Menschen vertrieben. Aber der mosambikanische Bischof ist der Meinung, dass zu den Opfern ebenfalls die Vertriebenen etwa durch den Wirbelsturm Kenneth gezählt werden müssen. „Meiner Meinung nach könnten annährend 100 000 Menschen vertrieben worden sein“.

Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus in der Region

Die Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks hat zahlreiche Angriffe von bewaffneten Gruppen erlitten. Bischof Fernando Luiz Lisboa erinnert daran, dass zu Beginn, im Oktober 2017, die Führer der örtlichen muslimischen Gemeinde sich deutlich davon distanzierten und die Anschläge ablehnten. „Als die Angriffe begannen, hieß es, es handele sich um eine radikal-islamische Gruppe. Die Muslime selbst distanzierten sich davon, und sagten: ‚Das sind nicht unsere Leute, das sind Banditen’. Aber wir sind besorgt und traurig, denn es scheint, dass sie wohl das Werk radikal-islamischer Gruppen sind.“

Die Verschärfung der Angriffe könnte eine Bedrohung für die Sicherheit auf regionaler Ebene darstellen. Es gibt Anzeichen dafür, dass auch die Behörden im benachbarten Tansania in Alarmbereitschaft sind, wird Tansania doch von Terrorismus-Experten als Zufluchts- und Rekrutierungsort für extremistische Kämpfer betrachtet, die sich problemlos über die Grenze zwischen den beiden Ländern hin und her bewegen.

Laut dem Bischof von Pemba „wäre dies sehr besorgniserregend“. Denn: „Wenn es ein internationales oder transnationales Netzwerk gibt, bedeutet das, dass die Terroristen stärker sind und es viel schwieriger ist, sie aufzuhalten.“

„Ich habe keine Angst“

Die tatsächliche Größenordnung der im Norden Mosambiks operierenden terroristischen Gruppen ist nicht bekannt. Die christliche Gemeinschaft fühlt sich aber bedroht. Der Bischof selbst weiß, dass er das Ziel eines dieser Angriffe sein könnte: „Ich bin mir bewusst, dass dies geschehen könnte. Aber ehrlich gesagt: Ich habe keine Angst. Ich versuche, meine Aufgabe zu erfüllen. Sie besteht darin, die Missionare zu unterstützen, die in den Bezirken, in denen es Angriffe gibt, in der Schusslinie stehen. Sie sind sehr mutig. Ich preise Gott, ich danke ihnen für ihren Mut, denn oft sind sie die ‘Oase’, die die Menschen brauchen, jemand, zu dem sie gehen können, um zu weinen, sich zu beschweren, ihre Probleme zu erzählen, Hilfe zu suchen… Keiner von ihnen hat seinen Posten verlassen. Sie sind da, und ich kann und darf keine Angst haben. Ich versuche, meine Mission auf die bestmögliche Art und Weise zu erfüllen, um sie dadurch zu unterstützen, damit sie ihrerseits weiterhin ihre Mission erfüllen können.

Unterstützung durch KIRCHE IN NOT

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT kurz vor seinem Rückflug nach Mosambik, brachte Bischof Fernando Lisboa auch seine Wertschätzung für die Projekte zum Ausdruck, die die Stiftung in seiner Diözese unterstützt: „KIRCHE IN NOT hat viel geholfen, beispielsweise durch  Fahrzeuge für Missionare, Hilfen für die Aus- und Weiterbildung von Seminaristen… Diese Unterstützung ist wichtig, denn ohne die Hilfe internationaler Organisationen wäre es für arme Diözesen wie unserer, wie die meisten afrikanischen, einige asiatische und lateinamerikanische Diözesen, sehr schwierig, ihre Arbeit zu machen.“

Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba

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