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In Nigeria sind zwischen 2015 und 2025 mindestens 212 katholische Priester entführt worden. Das geht aus einer Auswertung der Katholischen Bischofskonferenz von Nigeria hervor, die dem päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT vorliegt. Die Zahlen verdeutlichen das dramatische Ausmaß der Sicherheitskrise in dem westafrikanischen Land und die besondere Gefährdung katholischer Geistlicher.

Die Ende November vorgestellte Auswertung dokumentiert Entführungen in 41 der insgesamt 59 katholischen Diözesen und Erzdiözesen Nigerias. Die Ergebnisse bestätigen die Erkenntnisse des im Oktober erschienen Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT, der Nigeria als eines der gefährlichsten Länder für Geistliche und kirchliche Mitarbeiter einstuft.

Wie die Untersuchung angibt, ereigneten sich viele Entführungen direkt in den Pfarrhäusern, auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe oder bei Reisen in entlegene Pfarrgebiete. Von den 212 entführten Priestern wurden 183 wieder freigelassen oder konnten entkommen, zwölf Priester wurden ermordet, weitere drei starben später an den Folgen der Gefangenschaft. Zudem wurden laut Bericht mindestens sechs Geistliche mehrfach entführt.

Priester demonstrieren gegen die anhaltende Gewalt in Nigeria (Archivbild).

Hohe Dunkelziffer

Die tatsächliche Zahl der Entführungen dürfte noch deutlich höher liegen. Aus 18 nigerianischen Diözesen liegen bislang keine vollständigen Daten vor. Darüber hinaus registrierte KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren weitere Entführungsfälle in mindestens fünf Diözesen, die in der Studie nicht erfasst sind. Entführungen von Ordensleuten sind in den vorliegenden Zahlen ebenfalls nicht enthalten. Die Entführungen halten nach wie vor an; es ist zu befürchten, dass die Zahl der verschleppten Geistlichen in den vergangenen Wochen nochmals gestiegen ist.

Die Gewaltwelle in Nigeria hat auch gravierende Auswirkungen auf die katholischen Gemeinden. Allein in der Diözese Minna im Bundesstaat Niger wurden aufgrund von Terror und anhaltender Unsicherheit mehr als 90 Kirchen geschlossen, wie Projektpartner von KIRCHE IN NOT berichten. Auch in anderen Landesteilen mussten aus Sicherheitsgründen Pfarreien ihre Arbeit einstellen.

Ein Priester im Bistum Makurdi feiert die heilige Messe unter freiem Himmel. © KIRCHE IN NOT

Entführungen als Geschäftsmodell

Terror und Bandengewalt in Nigeria betreffen auch die muslimische Bevölkerung. Dennoch sind Christen in vielen Regionen gezielt wegen ihres Glaubens bedroht, insbesondere im Norden durch dschihadistische Gruppen sowie in Zentralnigeria durch bewaffnete Milizen. Hinzu kommt eine strukturelle Benachteiligung christlicher Gemeinden, die vielerorts kaum wirksamen staatlichen Schutz erfahren.

Zugleich haben sich Entführungen in Nigeria zu einem Geschäftsmodell für kriminelle Banden entwickelt. Geistliche gelten als besonders verwundbare Ziele, da sie aufgrund ihrer Kleidung leicht erkennbar und meist ungeschützt sind und ihre Gemeinden große Anstrengungen unternehmen, um Lösegeld aufzubringen.

Unterstützen Sie notleidende Priester und Christen in Nigeria

Landesweiter Sicherheitsnotstand

Angesichts der eskalierenden Gewalt, darunter zuletzt auch Massenentführungen von Schulkindern, rief die nigerianische Regierung im November 2025 den Sicherheitsnotstand aus. Geplant ist unter anderem, 20 000 zusätzlichen Polizisten einzustellen und die Sicherheitsmaßnahmen vor kirchlichen Einrichtungen zu verstärken.

In Burkina Faso verstärken die Kirchen ihre Sicherheitsmaßnahmen rund um die Weihnachtsfeiertage; die Angst vor Anschlägen sei hoch. Das berichteten die Bischöfe Théophile Naré aus Kaya und Justin Kientega aus Ouahigouya bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT (ACN) in Königstein im Taunus. Beide Diözesen liegen im Norden des westafrikanischen Staates, wo es besonders häufig zu dschihadistischen Anschlägen kommt. Zwar habe sich die Lage in den vergangenen Monaten etwas entspannt, aber das könne sich schnell wieder ändern, betonten die Bischöfe.

Zum zehnten Mal würden die Christmetten vor Einbruch der Dunkelheit gefeiert, berichtete Bischof Naré: „Die Feierlichkeiten beginnen so früh, um Fahrten in der Dunkelheit zu vermeiden.“ Armee, lokale Sicherheitskräfte, Pfadfinder und Gläubige arbeiteten zusammen, um die Gottesdienstbesucher zu schützen und zum Beispiel Einlasskontrollen durchzuführen.

Bischof Justin Kientega während eines Besuchs der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT © Kirche in Not

Kritik an fehlendem Interesse für die Lage in Burkina Faso

Diese Kooperation habe sich in der Vergangenheit schon als äußerst effektiv erwiesen, erzählte Bischof Kientega. Als im August ein Priester während der heiligen Messe attackiert worden sei, hätten Gläubige einen „menschlichen Schutzschild“ gebildet, um die Angreifer abzuwehren. „Darüber wurde nie in den Medien berichtet, aber es ist ein starkes Symbol für Glauben und Solidarität“, betonte Kientega.

Beide Bischöfe kritisieren, dass im Ausland zu wenig Notiz von der Lage in Burkina Faso genommen werde. Teilweise seien ganze Dörfer menschenleer, weil sich die Bewohner vor Terrorangriffen in Sicherheit bringen mussten.

Fast die Hälfte des Staatsgebiets von Burkina Faso sei in den Händen der Terroristen; zahlreiche Pfarreien hätten aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden müssen, berichteten die Bischöfe. Lokalen Angaben zufolge wurden seit 2025 über 20 000 Menschen getötet, zwei Millionen sind auf der Flucht. Um die Lage und die Verfolgung der christlichen Gemeinden stärker ins Bewusstsein zu rufen, werden jetzt zwei Priester als Ansprechpartner für Medien ausgebildet; KIRCHE IN NOT unterstützt diese Initiative.

Rosenkranzgebet in einem Wallfahrtsort in Burkina Faso.

Kein Platz mehr frei

Vor allem aber fördert das Hilfswerk die Flüchtlingsarbeit der lokalen Kirchen. „Es geht ums Überleben. Wir versuchen die Grundbedürfnisse zu decken: Lebensmittel, Unterkunft, medizinische Versorgung“, betont Bischof Naré. Die Flüchtlingslager seien überfüllt. Vor seinem Bischofshaus kampierten Menschen unter freiem Himmel, weil kein Platz mehr im Gebäude frei sei. Die Diözesen versuchten auch den Unterricht für die vertriebenen Kinder zu stemmen; ebenso gelte es, traumatisierte und körperlich wie psychisch verwundete Menschen medizinisch wie seelsorgerisch zu betreuen.

Im aktuellen Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ warnt KIRCHE IN NOT mit Nachdruck vor der Misere in Burkina Faso. Betroffen von der Gewalt ist die gesamte Zivilbevölkerung; Beobachter stellen jedoch auch gezielte Übergriffe auf Christen fest, die etwas weniger als ein Viertel der Bevölkerung von Burkina Faso ausmachen.

Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.at

Unterstützen Sie bedrängte und verfolgte Christen in Burkina Faso

„Ich sehe jetzt, welche Rolle KIRCHE IN NOT hier spielt, und das ist sehr gut.“ Mit diesen Worten dankte Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin für den Einsatz unseres   Hilfswerks in Mosambik. Der „Außenminister des Vatikans“ hatte Anfang Dezember die umkämpfte Provinz Cabo Delgado im Norden des südostafrikanischen Landes besucht. Seit 2017 kommt es dort zu Angriffen dschihadistischer Gruppen. UN-Schätzungen gehen von über 6000 Toten und mehr als einer Million Vertriebenen aus.

Die Gewalt richtet sich gegen die gesamte Bevölkerung, die kirchlichen Stellen berichten aber auch von gezielten Übergriffen auf Christen. Bischof Antonio Juliasse von der lokalen Diözese Pemba berichtete beim Besuch der Vatikan-Delegation, dass in den vergangenen Jahren über 300 Katholiken ermordet worden seien, 2025 seien es 34 gewesen. Die meisten der Opfer wurden enthauptet. Der Bischof betonte, der Kardinalstaatsekretär habe bei seinem Aufenthalt Gelegenheit bekommen, aus erster Hand zu erfahren, was es bedeute „Kirche im Kontext dschihadistischer Gewalt zu sein, eine verfolgte und leidende Kirche“.

Cardinal Parolin's visit to Pemba in Mozambique.
Pietro Kardinal Parolin bei einer Begegnung mit Gläubigen in der Diözese Pemba. © Diego Menjibar/KIRCHE IN NOT

Schenken Sie Hoffnung – mitten im Terror im Ihrer Spende

„Euer Leid liegt der Kirche am Herzen“

Kardinal Parolin zeigte sich sichtlich bewegt, als er bei einer Begegnung mit Gläubigen unter anderem die Geschichte eines Christen hörte, der drei Brüder und einen Onkel bei terroristischen Überfällen verloren hat. Mehrere Ordensleute berichteten, welcher Lebensgefahr sie täglich ausgesetzt sind. „Ich bin gekommen, um euch allen zu sagen, dass Ihr nicht allein seid“, erklärte Parolin den Teilnehmern zufolge. „Euer Leiden, eure Ängste, aber auch eure Hoffnungen liegen der Kirche am Herzen.“ Auch Papst Leo XIV. gehe die Situation in Mosambik zu Herzen, betonte der vatikanische Staatssekretär.

KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die Diözese Pemba seit Beginn der Terrorwelle. Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem kirchliche Flüchtlingslager und die Versorgung von Vertriebenen in Pfarreien. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Schulung von Priestern und Ordensleuten, die traumatisierten Menschen pastoral und psychologisch beistehen. Parolin betonte bei der Begegnung, dass er mit KIRCHE IN NOT in seiner Zeit als Nuntius in Venezuela von 2009 bis 2013 eng zusammengearbeitet habe. Mit Blick auf die Lage in Mosambik erklärte der Kardinal: „Bitte helfen Sie diesen Gemeinden, die so bedürftig sind, auch weiterhin. Wir müssen diesen Menschen konkret die Solidarität der Weltkirche zeigen, und genau das tun Sie.“

Flüchtlinge in der Provinz Cabo Delgado (Mosambik).

Eskalation antichristlicher Gewalt

Kardinal Parolin hielt sich mit einer vatikanischen Delegation vom 5. bis 10. Dezember in Mosambik auf, zwei Tage davon in der umkämpften Region Cabo Delgado. Anlass der Reise war der 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Mosambik und dem Heiligen Stuhl. Vorausgegangen war das Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs; die katholische Kirche in Mosambik hatte beim Abschluss eines Friedensvertrags vermittelt.

Rund 60 Prozent der knapp 34 Millionen Einwohner Mosambiks sind Christen; im Norden des Landes sind sie eine Minderheit. Der im Oktober veröffentlichte Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT stuft Mosambik in die „Kategorie rot“ für schwere Verfolgung ein und bilanziert: „Insbesondere 2024 kam es zu einer drastischen Eskalation antichristlicher Gewalt (…). Vor dem Hintergrund des expandierenden Einflusses dschihadistischer Gruppen, der politischen Unruhen und einem schwachen Staat in einem Großteil des Nordens des Landes sind die Bedingungen für Menschenrechte und Religionsfreiheit weiterhin sehr prekär.“

Ein Kind in einem Flüchtlingslager im Bezirk Metuge © KIRCHE IN NOT

Der Pfarrer der katholischen Gemeinde „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt, Pater Gabriel Romanelli, hat im Gespräch mit KIRCHE IN NOT über „katastrophale hygienische Zustände“ und fehlende logistische Möglichkeiten zum Wiederaufbau berichtet. „Es gibt keinerlei Anzeichen für einen Wiederaufbau. Die fehlende Perspektive macht die Menschen unruhig“, sagte der Seelsorger. „Die Welt sollte wissen, dass es hier im Gaza-Streifen zwei Millionen Menschen gibt, die nichts haben und alles brauchen.“

In Pater Romanellis Pfarre halten sich nach wie vor 450 Menschen auf, die bei den Kriegshandlungen ihr Zuhause verloren haben. Die Zahl ist seit Beginn der israelischen Offensive als Reaktion auf den islamistischen Terror nahezu gleichgeblieben. Unter den Schutzbedürftigen finden sich auch Menschen mit Behinderungen. Rund 60 Menschen konnten seit Beginn des Waffenstillstands am 10. Oktober in andere Unterkünfte umziehen oder in ihre Häuser zurückkehren.

Trotz einzelner Luftangriffe habe der Waffenstillstand eine „spürbare Atempause“ geschaffen, berichtete Romanelli. Die Pfarrei erreichten nun regelmäßiger Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medikamente. Es gebe auch wieder Alltagsgüter zu kaufen, allerdings seien die Priese für die meisten Bewohner unerschwinglich.

Pfarrer Gabriel Romanelli aus Gaza-Stadt feiert die Hl. Messe.

Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medikamente

„Seit die Kämpfe aufgehört haben, konnte das Lateinische Patriarchat von Jerusalem uns wichtige Hilfsgüter schicken, mit denen wir über 12 000 Familien versorgen konnten“, betonte der Pfarrer. Die Güter würden neben den Bewohnern in den Räumen der Pfarrei an Menschen in der Nachbarschaft verteilt, darunter auch an muslimische Familien.

Die Menschen versuchten aktuell alles, um ihren Alltag wiederaufzunehmen: „Einige haben versucht, ihre Häuser oder das, was davon übrig ist, wieder aufzuräumen“, berichtete Romanelli. Doch es fehle an Baumaschinen, um Grundstücke freizuräumen. Vor allem aber seien Wasser- und Stromleitungen beschädigt.

Auch die Pfarrgemeinde versucht, den Menschen etwas Abwechslung vom Kriegsalltag zu bieten. Dreimal haben Pater Romanelli und seine Mitarbeiter Ausflüge ans Mittelmeer organisiert. Obwohl die Pfarre nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt liegt, sei es für „Kinder, die kurz vor dem Krieg geboren wurden“, das erste Mal gewesen, dass sie das Meer sahen, erzählte der Seelsorger.

Verteilung von Hilfsgütern des Lateinischen Patriachats im Gaza-Streifen. © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Helfen Sie den notleidenden Christen im Heiligen Land

Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest

Auch hätte der Schulunterricht für rund 150 Kinder an den drei katholischen Schulen im Gaza-Streifen wieder begonnen. Es könnten leider keine weiteren Schüler aufgenommen werden, da in den Gebäuden zahlreiche Flüchtlinge leben.

In diesen Wochen bereitet sich auch die kleine Gemeinde in Gaza auf Weihnachten vor. „Wir haben begonnen, Lieder und Tänze zu proben. Vielleicht können wir sogar eine kleine Aufführung außerhalb unserer Gemeinderäume veranstalten – wenn die Bedingungen es erlauben“, hofft der Pfarrer.

Fraglich sei, ob der Lateinische Patriarch Pierbattista Kardinal Pizzaballa zu Weihnachten eine Einreiseerlaubnis in den Gaza-Streifen erhalte – sein Besuch sei jedoch fest eingeplant. Auch dürften aktuell keine Bewohner ausreisen, um die Feiertage mit ihren Familien im Westjordanland oder in anderen Ländern zu verbringen.

Schokolade als Weihnachtsgeschenk

Pater Romanelli plant außerdem, rund um die Festtage ältere und kranke Gemeindemitglieder zu besuchen, die sich an anderen Orten aufhalten oder wieder in ihre Wohnungen zurückkehren konnten. Für alle möchte der Pfarrer als Weihnachtsgeschenk Schokolade besorgen „egal zu welchem Preis. Das wird allen gut tun.“

KIRCHE IN NOT startet in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem ein neues Projekt für die christliche Minderheit im Heiligen Land: KIRCHE IN NOT wird die Schulgebühren für 800 christliche Kinder an katholischen Schulen in Israel und den Palästinensischen Gebieten finanzieren.

Obwohl Christen nach Juden und Muslimen die kleinste der drei großen Religionsgemeinschaften im Heiligen Land sind, ist die katholische Kirche der größte konfessionelle Schulträger. „Wir haben mehr als 20 000 Kinder und Jugendliche an den kirchlichen Schulen“, betonte der Kanzler des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Davide Meli, bei einem Besuch der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Auch nicht christliche Eltern schätzten das Bildungsangebot der katholischen Kirche. „Unsere Schulen bieten Möglichkeiten für Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen, sich zu respektvoll zu begegnen und Beziehungen aufzubauen, die ein Leben lang halten“, betonte Meli.

George Akroush, Projektkoordinator des Lateinischen Patriarchats, hob hervor, dass die Schulen ein zentraler Faktor seien, weshalb christliche Familien trotz der aktuellen Schwierigkeiten sich dazu entschließen würden, im Heiligen Land zu bleiben. „Können Eltern ihren Kindern keine gute Bildung mehr bieten, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auswandern“, sagte Akroush. Doch gerade viele junge Christen seien entschlossen, sich ihr Leben im Heiligen Land aufzubauen.

Schüler einer katholischen Schule.

Unterstützen Sie die Christen im Heiligen Land – Ihre Spende bewirkt Wunder

Westjordanland: Arbeitslosenquote unter den Christen bei 72 Prozent

Doch die Auswirkungen der Covid-19-Pandeme auf den Pilger- und Tourismussektor, die politisch aufgeheizte Lage und vor allem der Gaza-Krieg infolge des islamistischen Terrors habe die Christen hart getroffen. „Im Westjordanland liegt die Arbeitslosenquote unter den Christen bei 72 Prozent, sie sind nahezu mittelos“, erklärte Akroush.

Das Lateinische Patriarchat stehe vor einem Dilemma: Viele Familien könnten die Schulgebühren für ihre Kinder nicht mehr zahlen. Die Kirche könne Lehrer, Unterrichtsmaterial und Gebäude nicht ohne Zuschüsse finanzieren. Eine Schließung der Schulen käme jedoch nicht infrage: „Eine Schule zu schließen ist das gleiche wie eine Pfarre zu schließen, das wäre das Ende des christlichen Lebens“, betonte der Projektverantwortliche.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, habe sich deshalb zu einer „Option der Hoffnung“ entschlossen, inspiriert vom Heiligen Jahr der katholischen Kirche, das 2025 begangen wird: „Da zur Praxis des Jubiläumsjahres gehört, Schulden zu erlassen, hat der Patriarch beschlossen, den Familien alle aufgelaufenen Schulden zu erlassen – mit Ausnahme derjenigen für das aktuelle Schuljahr.“ Dieser Schuldenerlass habe zwar aus finanzieller Sicht „für einige Unruhe gesorgt, aber er war das Richtige“, zeigte sich Davide Meli überzeugt. Für viele Christen bedeute dieser Schritt eine enorme Erleichterung.

Wichtiges Signal für Christen im Heiligen Land

Wie die beiden Verantwortlichen des Patriarchats betonten, hätten sich in der Folge zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen bereit erklärt, die katholischen Schulen im Heiligen Land intensiver zu unterstützen – darunter auch KIRCHE IN NOT.

Dies sei ein wichtiges Signal für die die Christen in der Heimat Jesu, betonte Kanzler Meli: „Viele unserer Familien hatten und haben große Sorgen“, doch diese Hilfsbereitschaft sei „ein Zeichen der Würde: dass die Kirche zu ihnen steht, dass sie sich um die Christen im Heiligen Land kümmert – denn Jerusalem ist die Heimat aller Gläubigen.“

Das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hat einen neuen Leiter: Papst Leo XIV. hat Kurt Kardinal Koch zum neuen Stiftungs-Präsidenten ernannt. Koch tritt die Nachfolge von Mauro Kardinal Piacenza an, der das Amt seit 2011 innehatte; der 81-Jährige hatte seinen altersbedingten Rücktritt erklärt.

„Wir freuen uns, Kardinal Koch als neuen Präsidenten zu haben, und auf die Führung, die er unserer Mission für verfolgte und notleidende Christen geben kann“, erklärte Regina Lynch, die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN). Das Hilfswerk sei Papst Leo dankbar für diese Ernennung und „sein Interesse an unserer Arbeit“.

Lynch dankte auch Kardinal Piacenza, der seit der Umwandlung von KIRCHE IN NOT zu einer päpstlichen Stiftung ihr erster Präsident war. „In Kardinal Piacenza hatten wir stets einen beständigen und vertrauenswürdigen Mentor. Er stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite.“ Sie hob das besondere Interesse des bisherigen Präsidenten für die Projektarbeit von KIRCHE IN NOT im Nahen Osten und die Begleitung der Gebetsaktion „Ein Million Kinder beten den Rosenkranz“ hervor.

Der neue Präsident Kurt Kardinal Koch wurde 1950 im Kanton Luzern in der Schweiz geboren und 1982 zum Priester geweiht. Seit 2010 ist er Präfekt des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen und Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Für KIRCHE IN NOT ist Kardinal Koch kein Unbekannter: Er war mehrfach bei Veranstaltungen des Hilfswerks zu Gast.

Mauro Kardinal Piacenza, der scheidende Stiftungspräsident von KIRCHE IN NOT (ACN).

Kardinal Koch kennt KIRCHE IN NOT gut

Der Kardinal ist für KIRCHE IN NOT kein Unbekannter und hat seit Jahren eng mit dem katholischen Hilfswerk zusammengearbeitet. Unter anderem hat er dabei an Konferenzen teilgenommen und Pilgerreisen geleitet.

Kardinal Koch ist seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen und Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Ökumenische und interreligiöse Beziehungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Mission von “Kirche in Not“, insbesondere in Ländern, in denen Christen oder Katholiken eine Minderheit darstellen.

Kardinal Kurt Koch, von Papst Leo XIV. ernannter internationaler Präsident der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Foto: Stift Heiligenkreuz/Elisabeth Fürst
Die Ernennung durch den Papst erfolgte nach dem Rücktritt von Kardinal Mauro Piacenza (81) von dem Amt, das er seit 2011 innehatte. In seinem letzten Jahr als Präsident von KIRCHE IN NOT sprach Kardinal Piacenza während der Jubiläumswallfahrt nach Rom im Mai zu Tausenden von Wohltätern und Mitarbeitern der Stiftung. Er erinnerte sie daran, dass „die Mission von KIRCHE IN NOT genau darin besteht: Christus in seinem Heilswerk zu unterstützen, ihm zu helfen, bekannt und geliebt zu werden, Christus dabei zu helfen, die Menschheit zu retten, indem wir das Leben der Kirche unterstützen, insbesondere dort, wo sie mit den größten Schwierigkeiten konfrontiert ist“.

34 Schwestern aus dreizehn verschiedenen Gemeinschaften kümmern sich in der Diözese Holguin um alte und kranke Menschen, begleiten Familien, trösten Einsame und Trauernde und bringen allen die Frohe Botschaft.

Bischof Emilio Aranguren Echeverria ist dankbar für den wertvollen und unverzichtbaren Dienst dieser Ordensfrauen. Er nennt sie „ein Zeichen der Hoffnung“ und berichtet, dass die Schwestern von allen Bürgern geschätzt werden.

In der Tat ist Hoffnung das, was die Menschen in Kuba am dringendsten benötigen. Denn viele sind resigniert und sehen keine Zukunft. Mitten in einer schweren Wirtschaftskrise wissen viele nicht mehr weiter. Es fehlt an allem, und der Alltag ist ein einziger Kampf ums Überleben. Viele Menschen wissen zudem kaum noch etwas vom Evangelium.

Aid for subsistence and travel for 40 religious beloging to 13 Communities, 2023. PHOTO ONLY IN LOW QUALITY AVAILABLE.
CUBA / HOLGUIN 23/00191
Aid for subsistence and travel for 40 religious beloging to 13 Communities, 2023
“Es gibt keine Worte, um unsere Dankbarkeit auszudrücken. Möge der Herr Sie immer segnen und Ihnen reiche Gnaden gewähren.“

Die liebevolle Fürsorge der Schwestern wird dringend gebraucht

Die liebevolle Fürsorge der Schwestern wird also dringend gebraucht. Aber auch sie sind von der Krise schwer betroffen, so dass sie Schwierigkeiten haben, die Kosten für Energie, Treibstoff, Lebensmittel, medizinische Versorgung und andere lebensnotwendige Dinge zu decken. Dank Ihrer Hilfe kamen 16.000 Euro zusammen, die es den Ordensfrauen ermöglicht haben, auch in diesem Jahr wieder „Zeichen der Hoffnung“ zu sein. Es ist ein wertvoller Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt.

Im Namen aller Ordensschwestern schreiben uns die Schwestern der Kongregation „Maria und Martha“: „Wir sind überaus dankbar für Ihre Unterstützung, insbesondere deshalb, weil Sie uns nicht nur materiell, sondern auch spirituell helfen. Entfernung und Zeit spielen keine Rolle, denn es ist die Liebe, die unsere Seelen verbindet. Wir versprechen Ihnen, Ihnen das Gute, das Sie uns tun, durch unsere Gebete zurückzugeben. Wir empfehlen Sie dem Schutzmantel Mariens an. Bitte fühlen Sie sich jetzt und für immer als Teil unserer geistlichen Familie. Es gibt keine Worte, um unsere Dankbarkeit auszudrücken. Möge der Herr Sie immer segnen und Ihnen reiche Gnaden gewähren.

In den vergangenen Tagen sind im Norden Mosambiks mindestens vier Christen von Dschihadisten ermordet worden – die jüngste Welle von Angriffen im Rahmen eines Aufstands, der 2017 begann.

Obwohl der Aufstand in der Provinz Cabo Delgado seinen Anfang nahm, betrifft er inzwischen auch die südlich angrenzende Provinz Nampula, wo sich die jüngsten Gewalttaten ereignet haben. Besonders dramatisch ist die Lage im Distrikt Memba, in dessen Nähe Schwester Maria De Coppi im September 2022 den Märtyrertod erlitt, als ihre Missionsstation angegriffen wurde.

Nach Angaben von Bischof Alberto Vera von Nacala, in dessen Diözese Nampula liegt, wurden seit dem 10. November mehrere Siedlungen angegriffen und Hunderte Häuser in Brand gesteckt. Zudem gibt es Berichte über Entführungen von Menschen, darunter auch Frauen und Kinder, durch die Terroristen, die sich zum „Islamischen Staat“ bekennen. „Es war eine Woche des Terrors und großen Leidens. Eltern und ihre Kinder mussten an sichere Orte fliehen. Tausende Familien leiden und versuchen, vor den Terroristen zu fliehen. Die Situation ist sehr unübersichtlich, in manchen Orten wurden die meisten Häuser niedergebrannt, und Menschen wurden getötet“, sagte der Bischof in einer Botschaft an das Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Ein Kind in einem Flüchtlingslager im Bezirk Metuge © KIRCHE IN NOT

Terror in Memba: Christen ermordet, Dörfer zerstört, Tausende auf der Flucht

„Im gesamten Distrikt Memba herrscht Terror, ebenso im Norden und Osten des Distrikts Eráti. Memba ist jetzt eine verlassene Stadt“, erklärte er.

In mindestens einem der Dörfer „wurden vier Christen getötet. Einer von ihnen wurde enthauptet“, fügt der Bischof hinzu. Außerdem gebe es Berichte über mindestens zwei Kapellen, die von den Aufständischen zerstört worden seien.

Nach Schätzungen des UN-Amtes für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sind rund 128.000 Menschen aus den betroffenen Regionen geflohen. Die Angst vor neuen Angriffen und die anhaltende Unsicherheit führen laut OCHA weiterhin zu neuen Fluchtbewegungen. Zudem weist das Amt auf einen Choleraausbruch hin, der ebenfalls Memba betrifft.

Bischof Alberto Vera, Bischof von Nacala in Mosambik

Terror, Angst, Verfolgung – bitte stehen Sie den Christen in Mosambik jetzt bei

Bischof Vera sagt: „Die Kirche unterstützt diejenigen, die sie erreichen kann. Am dringendsten brauchen wir Lebensmittel, Grundversorgung für die Bedürftigsten, insbesondere Frauen und Kinder, aber auch für unsere Priester. Bitte betet für uns, denn dies ist eine unbegreifliche und unerträgliche Situation. Wir bitten Gott, uns zu helfen und uns Frieden zu schenken, und wir bitten die mosambikanische Regierung, die Terroristen zu bekämpfen – nicht nur mit militärischen Mitteln, sondern auch durch Dialog und internationale Vermittlung.“

„Danke, und der Herr segne euch. Bitte betet inständig für uns, denn wir brauchen es dringend“, sagt Bischof Alberto Vera in seiner Botschaft an KIRCHE IN NOT.

Mosambik wurde im Bericht Religionsfreiheit weltweit 2025, der im Oktober veröffentlicht wurde, als Land der Verfolgung eingestuft. Die Lage in Cabo Delgado ist der Hauptgrund zur Sorge in dem Land mit etwas mehr als 32 Millionen Einwohnern.

KIRCHE IN NOT hat die Diözese Nampula durch verschiedene Projekte unterstützt, unter anderem durch Hilfe für Binnenvertriebene, psychosoziale Unterstützung für traumatisierte Gemeinschaften und die Anprangerung illegaler Landbesetzungen, von denen kirchliches Eigentum betroffen ist. Die Organisation arbeitet mit der katholischen Kirche zusammen, um den Gemeinden in Not sowohl geistliche als auch materielle Hilfe zukommen zu lassen.

Im Vorfeld der Reise von Papst Leo XIV. in die Türkei hat der Apostolische Vikar von Istanbul, Bischof Massimiliano Palinuro, die intensive ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Minderheit in der Türkei betont.

Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und dem orthodoxen Patriarchat von Konstantinopel seien „ausgezeichnet“, erklärte Palinuro im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Ich kann sogar sagen, dass die ökumenischen Beziehungen hier in Istanbul deutlich stärker sind als irgendwo sonst auf der Welt.“ Der 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa, der Anlass der ersten Auslandsreise von Papst Leo, sei darum auch ein wichtiges Signal der gemeinsamen Bemühungen aller Christen um „Einheit für die Menschheitsfamilie“.

Die christlichen Gemeinden in der Türkei hätten ein „enormes Potenzial, Brücken der Brüderlichkeit zu bauen“ und „Mauern einzureißen, die durch jahrhundertealte Vorurteile und ideologische Feindseligkeiten errichtet wurden“, sagte Palinuro. In einer „pluralen Welt“ bestehe die Gefahr, „die menschliche Brüderlichkeit und die Einheit der Kirche zu zerstören“. Oft neigten die Christen dazu, Unterschiede zu betonen, aber: „Wir sind nicht zur Einheitlichkeit, sondern zur Gemeinschaft in der Verschiedenheit berufen“, so der Bischof.

Bischof Massimiliano Palinuro, Apostolischer Vikar von Istanbul.

„Gemeinschaft in der Verschiedenheit“

Dass gerade die Ökumene in der Türkei große Fortschritte gemacht habe, sieht Palinuro als „Fügung des Schicksals“: „Genau hier, wo die große Spaltung ihren Ursprung hat, muss auch die große Versöhnung zwischen dem orthodoxen Osten und dem katholischen Westen ihren Anfang nehmen.“ Dieser Weg habe bereits in den 1930er-Jahren begonnen, als der spätere Papst Johannes XXIII. das Apostolische Vikariat in der Türkei leitete.

„Wir erwarten Papst Leo mit großer Freude und Zuversicht“, betonte Palinuro. Er wies hin auf die Renovierungsarbeiten der türkischen Behörden am historischen Ort des Konzils von Nizäa, dem ehemaligen Sommerpalast von Kaiser Konstantin im heutigen Iznik. Dort wird ein ökumenisches Gebetstreffen stattfinden. Der Papstbesuch sei ein „Zeichen der Einheit und der Hoffnung“.

Eine Taufe in der Türkei.

Papstbesuch als „Zeichen der Einheit und der Hoffnung“

Leo XIV. wird die Türkei von 27. bis 30. November besuchen, anschließend reist er bis zum 2. Dezember in den Libanon. Es ist seine erste Auslandsreise als Papst. Die Planungen zur Türkei-Visite gehen auf seinen Vorgänger Franziskus zurück. Die türkische Regierung hatte nach der Wahl von Papst Leo die Einladung wiederholt, zum 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa ins Land zu kommen. Das Konzil im Jahr 325 wird als einer der zentralsten Bezugspunkte der Christenheit vor den konfessionellen Spaltungen angesehen.

Die Zahl der Christen in der Türkei liegt laut dem von KIRCHE IN NOT kürzlich veröffentlichten Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ bei etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung, das sind etwa 170 000 Personen; viele von ihnen sind Migranten. Der Bericht stuft das Land im Hinblick auf Verstöße gegen die Religionsfreiheit in die Kategorie „Diskriminierung“ ein.

In der Türkei sind nur 0,2 Prozent der Einwohner Christen

KIRCHE IN NOT unterstützt das Apostolische Vikariat Istanbul und andere katholische Gemeinden im Land mit Messstipendien für Priester, Transportmittel für die Seelsorge sowie der Finanzierung von Renovierungsmaßnahmen, Sprachunterricht oder dem Betrieb der Universitätsseelsorge.

Sicher Sie das Überleben der christlichen Minderheit mit Ihrer Spende

Mit dem „Red Wednesday“ macht KIRCHE IN NOT auf das Schicksal von Millionen verfolgten, unterdrückten und bedrohten Christen weltweit aufmerksam. In vielen Ländern weltweit werden rund um diesen Tag hunderte berühmte Kathedralen, Kirchen, Klöster, Monumente und öffentliche Gebäude blutrot angestrahlt. Setzen Sie ein Zeichen und nehmen Sie teil!

Mehr Informationen finden Sie unter: www.red-wednesday.at

Termine und Veranstaltungen

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie teilnehmen könnten. Herzliche Einladung:

Laut dem römisch-katholischen Bischof von Charkiw, Pawlo Hontscharuk, leiden die Menschen in der Ukraine besonders unter der konstanten Präsenz von Drohnen und der psychischen Belastung nach knapp vier Jahren Krieg. „Wir tragen so viel Schmerz in uns, aber wir wissen, dass wir weiterleben müssen. Wir leben von einem Tag zum nächsten“, sagte er bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Besonders belastend sei das ständige Surren von Drohnen. Es sei so konstant, dass die Menschen Angst hätten, wenn sie es nicht mehr hörten. „Die größte Gefahr für uns ist die Stille. Wenn es ruhig ist, wissen wir nicht, was als Nächstes passieren wird“, so der Bischof. Am schlimmsten seien Glasfaser-Drohnen, die eine Reichweite von 50 Kilometern hätten. „Sie schießen auf alles, was sich bewegt und lebt. Wir leben in ständiger Anspannung.“ Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, liegt im Osten des Landes und dadurch ganz nah an der Frontlinie.

Knapp vier Jahre seit Beginn der russischen Invasion seien Traumata bei Soldaten und der Zivilbevölkerung weit verbreitet. Daher sei hier die Arbeit der Kirche sehr wichtig. Bischof Hontscharuk dankte KIRCHE IN NOT bei seinem Besuch für die Unterstützung bei der Finanzierung von Trauma-Therapie-Kursen. „Das ist ein wichtiger Teil meines Dienstes. Ich selbst und alle Priester und Schwestern erhalten eine kontinuierliche psychologische Ausbildung. Das ist wichtig, um Menschen bei psychischen Problemen, familiären Spannungen, Gewalt und Selbstmordprävention zu unterstützen“, so der Bischof. „Es ist essenziell, den Menschen zuzuhören und ihnen auf unterschiedliche Weise zu helfen.

Pawlo Hontscharuk, Bischof von Charkiw-Saporischschja, besucht Verwundete im Krankenhaus.

KIRCHE IN NOT fördert Trauma-Therapie-Kurse

Die Ukraine ist derzeit das Hauptförderland von KIRCHE IN NOT. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk dort mehr als 300 Projekte mit knapp 8,5 Millionen Euro gefördert. Besonders wichtig seien laut Bischof Hontscharuk Generatoren, da russische Streitkräfte oft gezielt die Stromversorgung angriffen, vor allem im Winter. „Ohne Generatoren gibt es keine Heizung – ohne diese Hilfe könnten wir nicht leben.“

Er dankte KIRCHE IN NOT für die großzügige und zuverlässige Unterstützung. „Das bedeutet uns sehr viel. Wenn wir Hilfe brauchen, melden wir uns, und KIRCHE IN NOT hilft sofort. Ich danke allen Wohltätern für ihre Gebete, ihre Solidarität und die finanzielle Unterstützung. KIRCHE IN NOT ist für uns wie eine Hand Gottes, die uns durch den Alltag trägt.“

Frauen vor einer Gedenkstätte für gefallene ukrainische Soldaten in Kiew. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not

Unterstützen Sie notleidende Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende:

Der syrisch-katholische Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, kritisierte gegenüber KIRCHE IN NOT  (ACN) die „unhaltbare rechtliche und politische Lage“ in Syrien. Die Menschen litten „unter Gewalt und Repressalien“, sagte Mourad und zog Parallelen zu Afghanistan: „Es gibt zwar nicht diese Gewalt wie in Afghanistan, aber wir sind nicht weit davon entfernt. Es wird viel Druck auf die Menschen ausgeübt. Glauben sie nicht, dass wir auf dem Weg zur Freiheit sind.“ Der Weg von einem „autoritären, unipolaren Regime“ hin zur Demokratie sei noch weit.
Erzbischof Jacques Mourad bei der Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“. © Kirche in Not

Ihre Nächstenliebe macht Hoffnung lebendig – für notleidende Christen in Syrien:

„Die Kirche in Syrien stirbt“

Immer mehr Christen würden aufgrund der aktuellen Lage das Land verlassen, stellte Mourad fest und warnte: „Die Kirche in Syrien stirbt. Es gibt keine Freiheit, weder religiöse Freiheit noch irgendeine andere.“  Die Kirche in Syrien versuche seit Jahren, die Abwanderung zu verhindern – auch dank Hilfe aus dem Ausland. Dies stoße jedoch an Grenzen, erklärte der Erzbischof im Hinblick auf die nach wie vor unklare Lage nach dem Sturz des Assad-Regimes: „Es ist nicht möglich, eine Migrationswelle einzudämmen, ohne zuvor ein klar definiertes Regierungssystem und ein solides Sicherheitssystem zu etablieren.“

Mourad forderte mit Blick auf die Anschläge und blutigen Auseinandersetzungen in den vergangenen Monaten die internationale Gemeinschaft auf, ein „klare Haltung zu den Ereignissen in Syrien“ einzunehmen.  Politische Vertreter, Hilfsorganisationen, Schulen, Universitäten und Kultureinrichtungen im In- und Ausland sollten zusammenarbeiten, „um die in der Gesellschaft herrschende Angst zu überwinden und Schulungen über die Rolle der Gesetzgebung und die Durchsetzung von Gerechtigkeit und der Unabhängigkeit der Justiz durchzusetzen.“

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Zerstörter Altarraum der griechisch-orthodoxen Kirche in Damaskus nach dem Anschlag am 22. Juni (Foto: Griechisch-katholisches Patriarchat von Antiochien).

„Christen fühlen sich wie Fremde“

Die Kirche gehe dabei mit gutem Beispiel voran: So würden zum Beispiel in Aleppo Christen ausgebildet um „eine politische Rolle zu übernehmen, wenn sich die Gelegenheit ergibt“, erklärte Mourad. Es sei „unerträglich“, dass sich die Christen in Syrien nach wie vor wie Fremde fühlten, obwohl sie seit Jahrhunderten Bürger des Landes seien.

Erzbischof Mourad äußerte sich bei der Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT (ACN) Ende Oktober in Rom. Der 57-Jährige war während des syrischen Bürgerkriegs 2015 von Kämpfern des „Islamischen Staats“ entführt und fünf Monate gefangen gehalten worden. Nach Schätzungen von KIRCHE IN NOT aufgrund lokaler Angaben lebten bei Kriegsbeginn 2011 rund 2,1 Millionen Christen im Land, heute sind es noch um die 500 000. Das sind etwas mehr als zwei Prozent der syrischen Bevölkerung.

Erzbischof Jacques Mourad: Verschleppt vom „Islamischen Staat”

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