
Ein Jahr nach Ausbruch des blutigen Konflikts in der Region Tigray im Norden Äthiopiens greifen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Anhängern der „Tigray´s People Liberation Front“ (TPLF) auf benachbarte Landesteile über. In der Region Amhara, die an Tigray grenzt, setzte nach Eroberungen durch die TPLF eine Massenflucht ein, berichtet ein katholischer Missionar aus der Region dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.
Aus Sicherheitsgründen muss der Name des Ansprechpartners anonym bleiben. Er lebte bis Ende Oktober in der Stadt Kombolcha am Rande der Region Amhara, etwa 380 Kilometer nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er und weitere Priester kümmerten sich dort um die Menschen, die aus der Region Tigray geflüchtet waren: „Wir haben viel Leid gesehen. In unserer kleinen Stadt Kombolcha gab es über 4000 Binnenvertriebene. Wir taten, was wir konnten, um Lebensmittel, Decken und Wasser zu beschaffen. Es nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, berichtet der Ansprechpartner.

Innerhalb kurzer Zeit habe sich die Sorge um die humanitäre Hilfe für die Binnenflüchtlinge in Angst vor der näher rückenden Front verwandelt. „Die Lage hat sich verschlechtert. Jetzt sind auch wir gezwungen, zu fliehen“, schrieb der Priester in einer Nachricht am Abend des 30. Oktober. Einen Tag später nahm die TPLF die Städte Kombolcha und Dessie ein, nachdem sie die Regierungstruppen immer weiter in die Defensive gedrängt hatte.
„Meine Mitbrüder sind schon weg, jetzt bleibe ich alleine hier. Ich muss sehen, ob ich morgen auch fliehen kann“, schrieb der Missionar. Viele Menschen seien getötet worden. Wie er „Kirche in Not“ am Allerheiligentag berichtete, konnte er kurz vor der Einnahme der Stadt entkommen und sich etwa 50 Kilometer südlich Richtung Addis Abeba absetzen. „Ich bin nicht mehr in Gefahr. Die Straßen hier sind voller Menschen“, schrieb er in seiner bislang letzten Nachricht.

Schon vor der Eskalation der Ereignisse Anfang der Woche habe eine Massenflucht aus der Region eingesetzt: „Wer Verwandte in Addis Abeba hatte, schickte Frauen und Kinder dorthin. Wir haben auch unsere Priesterseminaristen aus Kambolcha in die Hauptstadt evakuiert. Nur wir Priester sind zunächst geblieben, um bei den vielen Flüchtlingen zu sein – und um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte der Missionar KIRCHE IN NOT.
Die im Sommer aufkeimenden Friedenshoffnungen nach der Wiederwahl von Premierminister Abiy Ahmed seien enttäuscht worden: „Vor der Vereidigung waren überall in der Hauptstadt Schilder mit der Aufschrift ,Neuanfang’ zu sehen. Wir hofften, dass der Krieg zu Ende gehen würde. Stattdessen ist er uns immer nähergekommen.“
Der Norden Äthiopiens ist für Hilfe von außen nahezu unzugänglich. Angesichts der Spannungen wissen die katholischen Missionare, dass materielle Hilfe schwer zu bekommen ist. „Wir bitten Sie um Ihr Gebet für Frieden und Sicherheit in unserer Region sowie um andere Formen der Unterstützung“, schrieb der Missionar an KIRCHE IN NOT.
Am 4. November 2020 hatten die Kämpfe in der Region Tigray begonnen. Premierminister Abiy Ahmed warf der TPLF damals die Abhaltung illegitimer Wahlen vor und entsandte Truppen in die Region. Vorausgegangen waren jahrelange ethnische und politische Auseinandersetzungen zwischen den Tigray und den anderen Bevölkerungsgruppen. In dem Bürgerkrieg kamen den Regierungstruppen auch Einheiten aus dem Nachbarland Eritrea zu Hilfe. Auch das reiche christliche Erbe Äthiopiens wurde durch die Kämpfe bedroht: Die Städte Lalibela, bekannt für ihre Felsenkirchen, und Axum, die ehemalige Hauptstadt und nach äthiopischer Überlieferung Aufbewahrungsort der Bundeslade, gerieten zwischen die Kampflinien.

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Regina Lynch, Projektleiterin bei KIRCHE IN NOT (ACN) International, spricht nach einer Reise zur Beurteilung der Lage und zur Bewertung neuer Hilfsprojekte über ihre Erfahrungen im Libanon und in Syrien.
Beschreiben Sie bitte die Lage im Libanon. Was haben Sie dort erlebt?
Die Menschen sind verzweifelt, so kann ich meinen traurigen Eindruck zusammenfassen. Es wird immer schlimmer. Wir waren bereits im vergangenen Jahr in Beirut, aber diesmal konnten wir den Niedergang und die Verzweiflung wirklich sehen. Dasselbe gilt für Syrien: Vor der Krise lebten in Aleppo schätzungsweise 300 000 Christen verschiedener Konfessionen. Jetzt, sagen einige, seien es nur noch 30 000.
Warum verlassen Ihrer Meinung nach auch die Libanesen, insbesondere die Christen, ihr Land?
Es ist sehr dramatisch. Viele der Christen, mit denen wir gesprochen haben, wollen weg – oder, wenn nicht sie, dann ihre Bekannten oder Verwandten. Die Menschen haben wirklich große Schwierigkeiten, zu überleben. Es fehlen ihnen die grundlegenden Güter. Vor der Krise verdiente ein Lehrer zwischen 1.700 und 2.000 US-Dollar im Monat. Heute, angesichts der Inflation und der Abwertung des libanesischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar, liegt sein Gehalt bei höchstens 120 bis 150 US-Dollar.

Wie ist die Lage in Syrien?
In Syrien sind die Menschen sichtlich müde, sehr müde. Sie befinden sich seit zehn Jahren in einer äußerst schwierigen Situation. Im Nordwesten wird weiterhin gekämpft. Obwohl wir bei unseren Besuchen in Damaskus, Homs und Aleppo keine Unsicherheit verspürten, ist die Zerstörung gewaltig. Die Syrer fragen sich, wie sie das Land wiederaufbauen können und wer ihnen dabei helfen wird. Aber vorher muss erst einmal Frieden einkehren.
Verschiedene Leute sagten uns: „Während des Krieges hatten wir zumindest die Aussicht, dass der Krieg irgendwann zu Ende sein würde, aber was für eine Zukunftsperspektive haben wir jetzt?“ Sie versuchen, mit einem US-Dollar pro Tag zu überleben. Das ist unvorstellbar in einem Land, in dem vor dem Krieg ein großer Teil der Bevölkerung recht komfortabel leben konnte.
Können Sie ein Erlebnis schildern, das Sie während der Reise besonders beeindruckt hat?
Eine Mitarbeiterin eines unserer Projektpartner zeigte mir auf ihrem Handy Bilder, die sie aus ihrer Wohnung aufgenommen hatte. Darin war ein kleines Mädchen zu sehen, das in einem großen Mülleimer den Müll durchwühlte und ihrer Mutter Dinge daraus reichte. Die Schwester, die uns begleitete, bat sie: „Wenn du das nächste Mal so etwas siehst, geh bitte hin und gib ihr Geld. Ich werde dir das Geld später zurückzahlen.“ So etwas zu sehen, zerreißt einem das Herz.

Wie wirkt sich diese Situation auf junge Menschen aus?
Wir müssen ihnen Hoffnung und Unterstützung geben. Aus diesem Grund werden wir bald ein Projekt für junge, frisch verheiratete Paare in Syrien starten. Viele Menschen heiraten nicht, weil sie es sich nicht leisten können, um gemeinsam in einer Wohnung zu leben. Das ist auch eine Situation, die die Bischöfe beunruhigt. Das Projekt, an dem wir in Aleppo arbeiten, wird jedem Paar genug Geld zur Verfügung stellen, damit es zwei Jahre lang die Miete für eine Wohnung bezahlen oder den Grundbedarf an Lebensmitteln decken kann.
KIRCHE IN NOT (ACN) hat im Jahr 2021 den Libanon und Syrien mit insgesamt mehr als 100 Projekten im Wert von fünf Millionen Euro unterstützt. Diese Projekte umfassen Soforthilfen für die Deckung des Grundbedarfs an Lebensmitteln, Medikamente, Existenzhilfe für Ordensschwestern, Mess-Stipendien für Priester und den Wiederaufbau von Seelsorgestrukturen.

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Am 12. November 2019 wurde der armenisch-katholische Priester Hovsep Bedoyan, Gemeindepfarrer von Kamischli und al-Hasaka in Syrien, zusammen mit seinem Vater ermordet. Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt, als sie mit dem Auto durch den Busayrah-Distrikt von al-Hasaka nach Deir ez-Zor fuhren.
Mit ihnen im Auto fuhr auch der Diakon Fadi Sano, der schwer verwundet wurde. Die Männer waren unterwegs, um die Fortschritte der Renovierung einer armenisch-katholischen Kirche in Deir ez-Zor anzuschauen.

Pfarrer Bedoyan, ein verheirateter Priester des armenischen Ritus, hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Im Krieg in Syrien wurden mehr als 1200 Besitztümer der Kirche zerstört. Wie Pfarrer Bedoyan schließt sich auch KIRCHE IN NOT dem Wunsch an, kriegszerstörte Kirchen wiederaufzubauen. Im Jahr 2018 finanzierte KIRCHE IN NOT zum Beispiel den Wiederaufbau der armenisch-katholischen Kathedrale in Aleppo.
Mehr als hunderttausend Kinder haben sich bereits für die diesjährige Initiative „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ angemeldet, die von KIRCHE IN NOT International (ACN) organisiert und am 18. Oktober 2021 stattfinden wird.
E-Mails und Nachrichten von Diözesen, Missionen und Kirchengemeinden aus der ganzen Welt sind bei der Zentrale und den Nationalbüros von KIRCHE IN NOT eingegangen und lassen hoffen, dass die offizielle Teilnehmerzahl höher sein wird als im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind bereits 44 Länder bestätigt, von Afghanistan bis Vietnam, darunter Algerier, Kolumbien, Ghana, Libanon, Peru, Südafrika, Sierra Leone, Südsudan, Venezuela, Mosambik sowie Ukraine.
Die jüngste Botschaft einer Diözese in Myanmar bringt die Hoffnung zum Ausdruck, die das Beten des Rosenkranzes den Gemeinden bringen kann. „Ich danke Ihnen sehr für die Einladung zur Teilnahme an der weltweiten Gebetskampagne ,Eine Million Kinder beten den Rosenkranz’. Ich habe alle Pfarrer benachrichtigt, um die Gläubigen in den Gemeinden zu organisieren“, sagt ein lokaler Kirchenleiter, der aus Sicherheitsgründen lieber anonym bleiben möchte.
„Die Situation ist seit Monaten schlecht. Die Pandemie ist in unserem Gebiet ziemlich schlimm. Alle Dörfer sind abgeriegelt. Das tägliche Rosenkranzgebet ist die einzige Kraftquelle, die die Dörfer physisch und psychisch stärkt. Unsere Diözese wird sich Ihnen anschließen und für Sie und Ihre Anliegen beten. Ich bin Ihnen sehr dankbar für alle Sorgen, die Liebe, die Freundlichkeit und die großzügige Unterstützung“, sagt er abschließend.

In diesem Jahr wird die Initiative auch auf die offizielle Unterstützung des weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes, des Weltapostolats von Fátima und des Heiligtums von Fátima selbst dazuzählen können, die so eng mit dem Rosenkranz verbunden sind.
In einer weiteren Botschaft aus dem Apostolischen Vikariat Aguarico im ecuadorianischen Amazonasgebiet bekräftigt Bischof Adalberto Jiménez Mendoza sein Engagement für die Initiative und teilt KIRCHE IN NOT mit, dass mindestens 2500 Kinder teilnehmen werden, eine Zahl, die auf 7500 ansteigen dürfte, wenn auch die Familienmitglieder einbezogen werden.
Die Initiative „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ wurde durch die Worte von Pater Pio inspiriert, der, als er eine Gruppe von Kindern beim Beten sah, sagte: „Wenn eine Million Kinder den Rosenkranz beten, wird sich die Welt verändern.“
Die Zahl der Teilnehmer an dieser Initiative steigt von Jahr zu Jahr mit dem Ziel, mindestens eine Million offiziell registrierte Teilnehmer zu erreichen.

Plakate, Flyer, weiteres Begleitmaterial und Fingerrosenkränze sind kostenlos erhältlich bei KIRCHE IN NOT, Weimarer Str. 104/3, 1190 Wien, Telefon: 01/405 25 53 oder per E-Mail an: kin@kircheinnot.at
Webseite und Anmeldung der weltweiten Gebetsaktion: www.millionkidspraying.org
Nach dem Fall der Mauer und Öffnung des Eisernen Vorhangs war das Ende der Sowjetunion besiegelt. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten wurden im Laufe des Jahres 1991 immer stärker. Die Kommunisten wollten diese Entwicklung aufhalten und putschten am 19. August vor 30 Jahren gegen den letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Auch die Medien brachten sie in ihre Gewalt.
Doch es gab noch einen Sender, von dem sie nichts wussten – und die Kraft des Gebetes, die sie unterschätzten …
Die Bilder gingen um die Welt: Panzer rollen in die Moskauer Innenstadt und postieren sich vor dem Parlamentsgebäude. Es ist Montag, der 19. August 1991. Ein selbsternanntes „Notstandskomitee“ hat den Ausnahmezustand verhängt. Die sowjetische Nachrichtenagentur meldet, dass Präsident Gorbatschow wegen Krankheit von seinem Amt entbunden sei. In Wirklichkeit wird er in seinem Urlaubsdomizil auf der Krim gefangen gehalten.

Für Gorbatschow war es der Anfang vom Ende seiner politischen Karriere, für einen anderen begann sie: Boris Jelzin, damals Präsident der Russischen Föderation. Schnell wird er zum Sprecher und Führer des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten.
In Erinnerung bleiben die Bilder, als Jelzin vor dem Parlamentsgebäude auf einen Panzer klettert und von dort aus zu den Menschen spricht. Nach dieser Rede geht er in das Parlament zurück und sagt zu den Abgeordneten: „Jetzt brauche ich ein Radio.“ Er will so viele Menschen wie möglich erreichen und für die Demokratie gewinnen. Doch die Medien sind in der Hand der Putschisten.
In diesem historisch entscheidenden Augenblick verschafften Weitblick und Wagemut von KIRCHE IN NOT und seiner russischen Partner Boris Jelzin und der Demokratiebewegung einen entscheidenden Vorteil: Zu aller Erstaunen meldete sich ein Duma-Abgeordneter, der bekennender Christ war, dass er die Ausstattung für ein Radio besitze.

Mithilfe von KIRCHE IN NOT sollte nämlich eine gemeinsame Rundfunkstation der katholischen und orthodoxen Kirche in der Sowjetunion entstehen. Einen Vorläufer gab es bereits: Seit einigen Jahren sendete „Radio Blagovest“ – zu Deutsch: „Radio Frohe Botschaft“ – sein christliches Programm in russischer Sprache von Monaco aus. Dieses konnte in der Sowjetunion empfangen werden.
KIRCHE IN NOT hatte dieses Vorhaben stark gefördert und unterstützt – sah das Hilfswerk doch darin einen wichtigen Beitrag zum Fall der Diktatur des Kommunismus und zur Evangelisierung Russlands. Aber das sowjetische Kommunikationsministerium hatte die Lizenz für den Sender bislang verweigert.
Doch die Ausstattung befand sich im August 1991 längst in Moskau: Über längere Zeit hatte KIRCHE IN NOT das erforderliche technische Gerät in Einzelteilen mit dem Schiff nach Sankt Petersburg und von dort aus nach Moskau geschmuggelt. Hier wurden die Teile zu einem sendefähigen Apparat zusammengesetzt. Die Anlage stand also einsatzbereit in einer Lagerhalle – ohne dass die Politik davon wusste.

Nun musste es schnell gehen: Ein Lastwagen der Parlaments-Kantine wird in die Halle geschickt und der Sender aufgeladen. Damit die Putschisten die Radiotechnik nicht entdecken, wird sie unter Kohlköpfen und anderen Lebensmitteln versteckt. Ingenieure installieren den Sender im Parlamentsgebäude, die Luftwaffe stellt eine Antenne zur Verfügung.
Schon wenig später konnte Boris Jelzin die Bevölkerung Moskaus zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen. Sein Hilferuf wird erhört: Tausende versammeln sich friedlich auf den Straßen. Es laufen sogar ganze Armee-Einheiten zu Jelzin über. Am Abend des 21. August ist der Putsch vorbei. Wenige Tage später gibt Gorbatschow den Vorsitz der Kommunistischen Partei zurück. Im Dezember bricht des Sowjetimperium endgültig zusammen: Russland, Weißrussland und die Ukraine gründen die „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS). Erster demokratisch gewählter Präsident der Republik Russland wird Boris Jelzin.
Er hat nicht vergessen, dass es eine Radiostation von KIRCHE IN NOT war, die ihm in den kritischen Stunden des August 1991 zur Verfügung standen: Bereits im September 1991 erhielt „Radio Blagovest“ die Sendeerlaubnis – und sendet bis heute.

Doch Jelzins Dank war noch weitreichender. Viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen. In dem portugiesischen Dorf war von Mai bis Oktober 1917 die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen.
In ihren Botschaften prophezeite sie den weltweiten Aufstieg des Kommunismus, aber auch die „Bekehrung Russlands“ durch Rosenkranzgebet und Buße. KIRCHE IN NOT und viele seiner Mitstreiter hatten diese Botschaft verbreitet und die Gläubigen dazu aufgerufen, die Anweisungen der Gottesmutter zu befolgen.
Jetzt schien die Vorhersage erfüllt: Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.
Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte KIRCHE IN NOT zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima. Präsident Jelzin hatte sein Einverständnis dazu gegeben. 40 Millionen Menschen in Russland konnten die Übertragung mit verfolgen.
Katholische und orthodoxe Gläubige beteten gemeinsam für die Bekehrung und Versöhnung Russlands und der westlichen Welt. Die „geistliche Luftbrücke“, wie diese Übertragung auch genannt wurde, hatte so großen Erfolg, dass sie am Jahrestag der sowjetischen Oktoberrevolution wiederholt werden konnte.
Die dramatischen Augustereignisse vor 30 Jahren sind heute weitgehend vergessen. Sie läuteten nicht nur das Ende der kommunistischen Diktatur ein, sondern sind auch ein Beispiel für die Kraft des Glaubens und des Gebetes. KIRCHE IN NOT durfte an entscheidender Stelle mitwirken.
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Akash Bashir war ein junger Mann von Anfang 20, ein ehemaliger Schüler der Don-Bosco-Schule in Lahore in Pakistan, der am 15. März 2015 sein Leben verlor, als er seine Gemeinde vor einem drohenden Attentat retten wollte.
Er versah seinen Dienst als freiwillige Sicherheitskraft außerhalb der Kirche St. Johannes im Distrikt Youhanabad in Lahore, als ein eigenartig wirkender Unbekannter versuchte, sich Eingang zur Kirche zu verschaffen. Akash entdeckte den Bombengürtel des Fremden und hinderte ihn daran, die Kirche zu betreten. Sekunden später, als der Versuch, den Attentäter zu stoppen, gescheitert war, stürzte sich Akash auf den Attentäter, der daraufhin seinen Gürtel zündete.
Akash bezahlte die Rettung der Gläubigen, die sich gerade in der Kirche befanden, um die heilige Messe zu feiern, mit seinem Leben.
Viele Christen in Pakistan sind aufgrund ihres Glaubens Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt. Trotz der harten Bedingungen, der großen Armut und der sozialen Ausgrenzung, der sie ausgesetzt sind, bewahren sie dennoch unbeirrt ihren Glauben. Dennoch brauchen sie unsere Hilfe, besonders die jungen Menschen. Aus diesem Grund finanziert KIRCHE IN NOT Projekte des Jugendapostolats in Lahore und Faisalabad.
Die katholische Kirche in Nigeria reklamiert, dass die Christen in ihrem Land Opfer eines Prozesses der ethnischen Säuberung durch die Fulani-Muslime seien, unter Beteiligung des Staates.
Während eines von KIRCHE IN NOT (ACN) durchgeführten Webinars bestätigten mehrere Referenten, darunter ein Bischof und einige Priester aus Nigeria, dass die Gewalt, unter der das Land seit mehreren Jahren leidet, nicht ausschließlich auf „Zusammenstöße“ zwischen muslimischen Viehhirten und christlichen Bauern zurückzuführen sei.

„Es geht nicht nur um Fragen der Beweidung. Für mich ist das ein Religionskrieg“, sagt Bischof Wilfred Anagbe von der Diözese Makurdi im Bundesstaat Benue.
„Sie haben eine Agenda und diese ist die Islamisierung dieses Landes. Und sie setzen das um, indem sie vorsichtig alle Christen beseitigen und das Land besetzen. Wenn es um Beweidung ginge, warum würden dann Menschen umgebracht? Und warum deren Häuser niedergebrannt?“, fragt der Bischof.

Johan Viljoen, Direktor des „Denis Hurley Peace Institute of South Africa“, das sich für die Förderung von Frieden, Demokratie und Gerechtigkeit einsetzt und sich mit den Angriffen der bewaffneten Fulani-Milizen im Südosten Nigerias befasst, spricht von einer „konzertierten, gut geplanten Besetzung“. „Dies alles geschieht unter dem Deckmantel der „Miyetti Allah“, deren Schirmherr Präsident Buhari ist“, sagt er und bezieht sich dabei auf eine Organisation, die behauptet, die Rechte der Fulani-Hirten zu verteidigen.
Hohe staatliche Beteiligung ist ein Grund, warum die Streitkräfte nicht bereit sind, einzugreifen und die Gewalt einzudämmen. „Ich glaube nicht, dass die Armee versucht, irgendetwas zu lösen. Wenn überhaupt, würde sie versuchen, es zu fördern“, sagt Viljoen. Er erinnert an eine kürzlich durchgeführte Informationsreise nach Nigeria, bei der Mitarbeiter seines Institutes alle fünf Kilometer von Soldaten, allesamt Fulani, angehalten wurden, die sich bedrohlich verhielten und Gewehre auf sie richteten. Nach Jahren der Gewalt „ist kein einziger Fulani für die Gewalt belangt worden“, fügt er hinzu.

Bischof Wilfred hebt hervor, dass alle Streitkräfte der direkten Kontrolle des Präsidenten unterstünden und zudem „sind alle Chefs der Marine, der Armee, der Luftwaffe und der Polizei Muslime“.
Offizielle Zahlen sprechen von etwa 3000 Toten durch diese Welle der Gewalt in den letzten Jahren, aber diejenigen, die vor Ort sind, sagen, dass es bis zu 36 000 Tote sein könnten; hinzu kommen viele weitere vertriebene, völlig verarmte oder durch das Erlittene tief traumatisierte Menschen. Da viele Nichtregierungsorganisationen die Gefahrenzonen verlassen haben, ist die katholische Kirche mit ihren Einrichtungen, mit denen KIRCHE IN NOT International eng zusammenarbeitet, der einzige zuverlässige Ansprechpartner, um den Menschen vor Ort Hilfe zu bringen.

Die Kirchenvertreter bitten die Menschen im Westen, bei der Bereitstellung von Hilfsgütern zu helfen, aber auch auf andere Weise. „Wir müssen den Diskurs ändern, wir können nicht dem Narrativ der nigerianischen Regierung folgen“, sagt Pater Remigius Ihyula, ebenfalls aus der Diözese Makurdi. „Sie haben überall auf der Welt ihre Getreuen in den Botschaften platziert, so dass der Mythos am Leben gehalten wird, in Nigeria passiere nichts“, beklagt er während des von KIRCHE IN NOT veranstalteten Webinars.
Pater Joseph Fidelis aus der Diözese Maiduguri erklärt, es sei ärgerlich, dass die Leute von „Zusammenstößen“ oder „Konflikten“ zwischen gegnerischen Gruppen sprechen. „Das sind keine Zusammenstöße, das ist ein langsamer Genozid. Menschen aus ihrer angestammten Heimat zu vertreiben, ihnen die Lebensgrundlage zu entziehen und sie abzuschlachten ist eine Form von Völkermord.“
Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Es gibt keine offiziellen Zahlen, aber Schätzungen gehen von einer gleichmäßigen Aufteilung zwischen Muslimen und Christen aus, wobei erstere im Norden und letztere im Süden dominieren. Die Gewalt hat sich jedoch inzwischen auf das ganze Land ausgeweitet und bedroht die Stabilität der Nation.
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Nachdem die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen haben, sei auch im Irak die Bedrohung durch Anhänger des „Islamischen Staates“ (IS) und andere Terroreinheiten erneut gestiegen. Diese Auffassung vertrat der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil im Nordirak, Bashar Warda, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Der Sieg der Taliban könne „äußerst schwerwiegende Auswirkungen auf den Irak haben“, befürchtete der Erzbischof.
Warda ist ein langjähriger Projektpartner des Hilfswerks. In seiner Diözese im kurdischen Teil des Irak hat er nach der Eroberung der Ninive-Ebene durch den IS im Jahr 2014 über hunderttausend Christen aufgenommen und versorgt.
Die Extremisten seien nach wie vor im Land aktiv, warnte Warda: „Sie leben im Untergrund und sind immer noch in der Lage, Unheil anzurichten.“ Noch besorgniserregender sei, „dass die Geisteshaltung des IS im Irak und in Syrien in Teilen der Bevölkerung immer noch vorhanden ist. Das ist eine ständige Sorge.“

Zur Ankündigung von US-Präsident Joe Biden, den Kampfeinsatz der Vereinigten Staaten im Irak bis Ende 2021 zu beenden, erklärte Warda, dass sich eine mögliche Verschlechterung der Sicherheitslage negativ auf religiöse Minderheiten wie die Christen auswirken werde.
„Unsere Geschichte hat uns gelehrt, dass in Zeiten der Instabilität die Minderheiten zuerst leiden.“ Es bestehe die Sorge, dass die Veränderung des US-Militäreinsatzes eine „weitere Verfolgung des religiösen Minderheiten“ nach sich ziehen könne, betonte der Erzbischof.
Trotz aller Sorge angesichts der aktuellen Entwicklungen gebe es aber auch Grund zur Hoffnung. Dies sei vor allem dem Besuch von Papst Franziskus im März zu verdanken, erklärte Warda: „Wir Christen sind nur noch eine kleine Gruppe, aber wir tun standhaft unser Bestes, um zu zeigen, dass wir ein wichtiger Teil dieses Landes sind.
Der Besuch des Heiligen Vaters hat unseren Mitbürgern gezeigt, welchen positiven Einfluss die christliche Gemeinschaft im Irak hat. Ich hoffe, dass unsere Gemeinschaft hier mit der Zeit nicht nur überleben, sondern auch gedeihen und wieder wachsen kann.“

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Die Christlichen Kirchen in Pakistan haben als Reaktion auf die Machtübernahme der Taliban im Nachbarland Afghanistan ihre Sicherheitsvorkehrungen erhöht. Es bestehe die Sorge, dass die Miliz „Tehrik-i-Taliban Pakistan“ (Bewegung der pakistanischen Taliban, kurz TTP) und andere militante Organisationen jetzt neuen Auftrieb bekämen, erklärte der Menschenrechtsaktivist Sajid Christopher dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT: „Als die Taliban vor 2001 an der Macht waren, gab es viele Anschläge in Pakistan. Kirchen und andere christliche Einrichtungen waren eindeutig Zielscheiben des Terrors. Jetzt sind die Taliban zurück. Sie werden die TTP und andere islamistische Gruppen stärken.“
Bei einem Treffen hatten sich katholische und protestantische Geistliche darauf verständigt, die bewaffneten Sicherheitsdienste vor den Kirchen zu verstärken, vor allem an den Sonntagen. Personen, die mit dem Auto auf das Kirchengelände fahren, werden intensiver kontrolliert, an den Eingängen kommen Metalldetektoren zum Einsatz.

Christopher warnte, dass nicht nur die christliche Minderheit nun um ihre Sicherheit fürchten müsse. Betroffen seien ebenso die gemäßigten Muslime: „Auch in friedlichen und fortschrittlichen muslimischen Gemeinden wird Angst herrschen. Aber die Personen mit einer militanten Denkweise sind froh, dass die Taliban wieder an der Macht sind.“
Auch die Befürchtungen um die wenigen noch in Afghanistan verbliebenen religiösen Minderheiten sind groß. Unbestätigten Berichten zufolge sind Taliban-Kämpfer von Haus zu Haus gegangen, um einheimische Christen und Angehörige weiterer religiöser Minderheiten aufzuspüren. Menschen seien gezwungen worden, ihre Telefone abzugeben. Die Taliban hätten darauf nach Online-Bibeln oder weiterem religiösen Material gesucht.

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Am 24. April 2018 überfielen Fulani-Nomaden, deren Mehrheit Muslime sind, die Gemeinde St. Ignatius in Ukpor-Mbalom im Bundesstaat Benue im Südosten Nigerias. Zwei Priester, Joseph Gor und Felix Tyolaha, wurden zusammen mit mindestens 17 weiteren Gläubigen ermordet.
Der Angriff fand während der täglichen, gut besuchten Morgenmesse um 5:30 Uhr statt. Die Messe hatte gerade begonnen. Manche Gläubige hatten kaum die Kirche betreten, als eine Gruppe bewaffneter Männer sich plötzlich einen Weg in die Kirche bahnte und das Feuer eröffnete.

Nach dem Angriff auf die Kirche begaben sich die Angreifer in die Stadt und zerstörten 60 Häuser und Getreidespeicher.
Unter den Opfern war auch ein Katechet, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats und der Direktor des einzigen Gymnasiums der Stadt.
Die Probleme, die die Kirche in Nigeria bewältigen muss, sind riesig, und immer wieder sind Christen das Ziel islamistischer Extremisten. Doch die Kirche ist lebendig und wächst, und die Berufungen werden zahlreicher. Die Priesterseminare benötigen unsere Hilfe, um all die jungen Männer aufnehmen können, die an ihre Türen klopfen. KIRCHE IN NOT unterstützt einige Priesterseminare in Nigeria, wie zum Beispiel das Seminar der Diözese Jos mit 69 Studenten.

Der Bevollmächtige des Barnabitenordens beim Heiligen Stuhl, Generalprokurator Pater José Carbajal, erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT: „Unsere Mission war in der italienischen Botschaft in Kabul angesiedelt. Dort war Pater Caleses im Seelsorge-Einsatz für die Botschaftsmitarbeiter und Katholiken aus anderen diplomatischen Vertretungen. Für die anderen Ordensgemeinschaften, die in Afghanistan tätig waren, stellte unsere Mission einen Stützpunkt dar, an dem sich alle getroffen haben.“ Laut dem Päpstlichen Jahrbuch „Annuario Pontificio“ lebten 2020 rund 200 Katholiken in Afghanistan. Zwei Priester, sechs Ordensfrauen und zwei Ordensmänner waren dort tätig.
Bis zur Einnahme Kabuls durch die Taliban sei die Situation laut Carbajal „relativ ruhig“ gewesen. Trotz der kleinen Zahl von Gläubigen und diverser Einschränkungen habe es „ein ziemlich normales kirchliches Leben“ gegeben. „Es gab Momente der Krise, aber es ist immer gelungen, die missionarische Tätigkeit aufrechtzuerhalten“, sagte der Generalprokurator.

Mit der Machtübernahme durch die Taliban hat sich die Situation dramatisch verändert. „Fast alle Katholiken haben Afghanistan verlassen“, erklärte Pater Scalese nach seiner Ausreise. Die Taliban hatten die Hauptstadt Kabul am 15. August eingenommen. Bei einem Terroranschlag in der Nähe des Flughafens am 26. August waren 183 Menschen ums Leben gekommen.
„Zurzeit ist Gebet die einzige Hilfe, die wir leisten können“, sagte der Ordensmann. Er erinnerte daran, dass „unsere Mission in Afghanistan am 13. Oktober 2017, am Ende der Feiern zum hundertsten Jahrestag der Marienerscheinungen in Fatima, dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht wurde.“ Am Tag der Evakuierung hätten er und seine Mitreisenden „den Schutz der Muttergottes“ deutlich gespürt. Pater Scalese äußerte den Wunsch, „die Gottesmutter möge alle Menschen in Afghanistan beschützen.“

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